Heute mal wieder auf dem Plattenteller: Crosby, Stills, Nash & Young – 4 Way Street

In dieser Rubrik haben wir bisher schon einige Genres des Rock vorgestellt – von melodisch bis hart – von Supergruppe mit Weltruhm bis deutsche Außenseiter mit US-Geschichte. Heute hören wir rein in das Werk einer weitere Supergruppe, deren Zustandekommen eher einer zufälligen Begegnung zu verdanken ist und deren Mitglieder auch als Solisten Musikgeschichte geschrieben haben. Die Rede ist von David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young, die sich im April 1971 mit ihrem Live-Doppelalbum 4 Way Street gleich selbst ein beeindruckendes Denkmal setzten.

Vier Singer-Songwriter vereint

Die USA waren verstrickt in den Vietnamkrieg, der Ende der 1960er Jahre in dem asiatischen Land tobte. Viele junge US-Musikerinnen und -Musiker, die der vor allem in Kalifornien blühenden Hippieszene nahestanden, setzten mit zahlreichen Songs gegen die Verstrickung ihres Landes in den Krieg klare Zeichen. Gerade die damalige Jugend, die zum Militärdienst verpflichtet wurden, schloß sich dieser Bewegung an.

Man traf sich nicht nur bei Konzerten, sondern auch privat. Eines dieser Treffen fand 1968 im Haus von „Mama“ Cass Elliot statt, der prägenden Figur der Gruppe „Tha Mamas and Papas“, die mit ihren melodischen Songs das damalige Lebensgefühl dieser Jugend ausdrückte. Mit dabei waren Crosby, Stills und Nash. David Crosby feierte als Mitglied der Gruppe The Byrds Erfolge, Graham Nash war einer der musikalischen Köpfe der britischen Band The Hollies, war inzwischen aber in die USA übergesiedelt. Stephen Stills gehörte der Folk- und Country-Gruppe Buffalo Springfield an, in der er u.a. mit Neil Young spielte.

Beim Treffen 1968 sangen Crosby, Stills und Nash bei einer Session spontan zusammen und sofort war klar, das diese drei Topmusiker mit ihren unterschiedlichen Stimmen eine beeindruckende musikalische Kraft ausstrahlten. Sie beschlossen diese fortan als Gruppe einzusetzen. Als Bandname dienten die drei Nachnamen, den man prägnant mit CSN abkürzte. Der Name sollte auch die Eigenständigkeit der drei Musiker signalisieren, die weiterhin mit ihren ursprünglichen Gruppen und als Solisten auftraten. Für die Live-Auftritte als CSN holte man Schlagzeiger Dallas Taylor und Bassist Greg Reeves und als vierte mitprägende „Stimme“ kam Neil Young dazu. Schon das erste Studioalbum von CSN wurde 1969 ein großer Erfolg, erklomm Platz sechs der US-Albumcharts. Der große Durchbruch kam beim legendären Festival in Woodstock im August 1969, als die vier nun als CSN&Y gleich zwei Sets spielten. Dabei begeisterten sie nicht nur mit ihrem beeindruckenden vierstimmigen ausgefeilten Gesang, sondern auch durch die Gitarrensoli von Stills und Young.

Im Studio gut, Live phänomenal  

Damit war klar, dass man zwar erfolgreiche Studioalben produzieren konnte, die Stärke der Band aber vor allem bei Liveauftritten zur Geltung kamen. Grund genug mit 4 Way Street ein großes Livealbum aufzulegen. Die Aufnahmen dazu erfolgten im Juni und Juli 1970 bei Konzerten im Fillmore East in New York, dem Forum Inglewood in Los Angeles und dem Auditorium in Chicago, alle drei legendäre Konzerthäuser der USA. 17 Titel, die fast alle heute als „Synonym“ für CSN&Y stehen, wurden auf Vinyl gepresst, mit dabei u.a. Teach Your Children, Chicago und Love the One You’re With. Alle vier Musiker brachten sich als Komponisten und Texter ein, spielten Soli und feilten am typischen Sound von CSN&Y mit.

Vier Alpha-Tiere und ständiges auf und ab

Wie es aber bei vier so charakterlich individuellen Typen nicht verwunderlich ist, kam es bald zu Zerwürfnissen, deren Ursachen meist in eher unbedachten Äußerungen einzelner Bandmitglieder über die Kollegen oder deren jeweilige Lebensgefährten lagen. Schon im Sommer 1971 legte man eine erste größere Pause ein. Da war das Live-Album 4 Way Street längst auf Platz 1 in den USA förmlich geschossen, viermal gab es Platin, insgesamt 42 Wochen belegte die Platte fordere Plätze in den 200-Charts. In Deutschland gab es eine Goldauszeichnung.

Das Verhältnis der Bandmitglieder untereinander kann man wohl als On-Off-Beziehung bezeichnen. Eine offizielle Auflösung erfolgte nie, deshalb trafen sich auch immer wieder alle vier oder auch nur zwei oder drei im Abstand von mehreren Jahren für Produktionen im Studio oder für Live-Auftritte, die vor allem bei besonderen Anlässen. So flogen Crosby, Stills und Nash kurz nach dem Fall der Mauer spontan nach Berlin und gaben vor dem Brandenburger Tor am 20. November 1989 ein Konzert. Das letzte große gemeinsame Engagement erfolgte 2006 im Rahmen der Protestaktionen gegen den US-Präsidenten Bush und den von ihm begonnenen Irak-Krieg.

Als CSN&Y trat das Quartett nach 2006 nur noch selten auf, denn die Querelen untereinander setzten sich unvermindert fort. 2013 kam man noch einmal für ein Benefizkonzert zusammen, im Oktober 2014 erklärte Neil Young, nie mehr mit David Crosby auftreten zu wollen. Der trat immer wieder ins berühmte „Fettnäpfchen“ mit Bemerkungen über seine Kollegen und deren Umfeld. Als Trio CSN gab es noch einen Auftritt im Dezember 2015, als US-Präsident Barak Obama die Beleuchtung des National Christmas Tree obligatorisch vornahm. Wenig später sagte auch Graham Nash, dass er die Nase von Crosby voll habe und nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wolle. Das war dann im März 2016 das wohl endgültige Ende der Supergruppe. Stills, Nash und Young trafen und treffen sich bis heute immer mal wieder live oder im Studio, doch Crosby war und ist davon völlig ausgeschlossen. Zwar gab es immer mal wieder Gerüchte über erneute gemeinsame CSN&Y-Projekte, meist entfacht durch „Sündenbock“ David Crosby, mit dem aber Stills, Nash und Young zumindest offiziell nie mehr ein Wort gesprochen haben.

Egal, was da noch kommen mag, das Doppelalbum 4 Way Street ist für Crosby, Stills, Nash & Young in jedem Fall mehr als nur ihr musikalisches Vermächtnis. Vor allem auch, weil auf den Innenseiten alle Texte abgedruckt sind, die auch heute noch für die Aktualität der Anti-Kriegs-Bewegungen nichts an Kraft verloren haben. (Infoquelle: Wikipedia)

Unsere Serie "Heute mal wieder auf dem Plattenteller" stellt in loser Reihenfolge die Musik von Vinyl-Alben aus den zurückliegenden etwa 50 Jahren vor. Die Auswahl ist absolut willkürlich und der Anspruch, dass die jeweilige Musik allen Leserinnen und Lesern gefällt, wird mit einem Augenzwinkern schon gar nicht erhoben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen und Eintauchen in die gute alte Plattentellerzeit, die ja offenbar nach und nach wiederkommt.

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