Ein Album, das heute noch weltweit als Wegbereiter der elektronischen Musik gefeiert wird: Oxygene von Jean Michael Jarre.

Heute mal wieder auf dem Plattenteller: Jean Michel Jarre - Oxygene

Mal eben ein etwas zu schwaches Stimmchen aufpimpen oder ein Instrumentalsolo einschieben, das sich mit der menschlichen Hand so gar nicht spielen lässt? Für die heute alles bestimmenden Musikproduzenten kein Problem. Da wird ein bisschen an den Reglern geschoben, Knöpfe gedreht und die digitale Technik ausgereizt, schon hat man den Klang, den die Fans hören möchten.

Anfang der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war an derartige Unterstützung aus der „Steckdose“ kaum zu denken. Da war man schon froh, wenn die Verstärker und Lautsprecher nicht zu sehr krächzten und verzerrten, und man freute sich, denn die 16 Tonspuren auf dem Magnetband einigermaßen „sauber“ rüberkamen.

Das änderte sich in den 1970er Jahren, als die ersten Klänge der Synthesizer hier und da zu hören waren. Schon rund 40 Jahre vorher gab es die ersten Geräte auf der Basis der analogen Technik mit Röhren, die hörbare Schwingungen erzeugten. Sie boten mehr Modulationsmöglichkeiten, als die bis dahin eingesetzten Hammond-Orgeln. 1964 setzte der US-Amerikaner Robert Moog (1934 – 2005) den nach ihm benannten Moog-Synthesizer erstmals als Musikinstrument ein. Bei der Entwicklung arbeitete der studierte Physiker u.a. mit Walter Carlos (*1939), einem amerikanischen Komponisten, zusammen, der sich seit 1972 nach einer geschlechtsangleichenden Operation Wendy Carlos nennt und als Komponistin einiger Film-Soundtracks bekannt wurde. Moog revolutionierte die Klangwelt der spielbaren Musik, schnell fanden seine „Instrumente“ weltweite Anerkennung. Viele Stars der Szene entdeckten den neuen Sound für sich, auch die Beatles setzten bei der Aufnahme von Here Comes the Sun auf ihrem Album Abby Road einen Moog ein.

Den ganz großen Durchbruch als alleinstehendes Instrument verschaffte dem Synthesizer der 1948 in Lyon geborene Jean Michel Jarre. Seit Beginn der 1970er Jahre hatte er sich mit kleineren Kompositionen und Filmmusiken in der Szene der aufkommenden elektronischen Musik einen Namen gemacht. 1976 entstand sein Album Oxygene (dt. Sauerstoff). Alle sechs Titel, die Jarre einfach von I bis VI durchnummerierte, hatte der Franzose selbst komponiert, produziert und im heimischen Studio aufgenommen. In einem Studio in Paris wurde das Material von August bis November 1976 für die Plattenpressung vorbereitet, am 5. Dezember kam das Album heraus und belegte u.a. in Deutschland und Großbritannien schon nach wenigen Wochen einstellige Top-100-Plätze in den Albumcharts. Beste Platzierung in den USA war immerhin der 78. Rang, insgesamt 19. Wochen stand Oxygene in den Top-100 der Staaten.

Zum weltweiten Erfolg trug wohl auch bei, dass in den 70er und 80er Jahren überall bei Großveranstaltungen die damals noch neuen und nur mit aufwändiger Technik und überdimensionalem Energieeinsatz produzierbaren Laser-Shows das Publikum begeisterten. Ein Meilenstein dabei war sein erstes Live-Konzert, das Jean Michel Jarre am 14. Juli 1979 auf dem Place de la Concorde in Paris zum französischen Nationalfeiertag gab. Mehr als eine Million Zuschauer hörten nicht nur die Klänge, sondern verfolgten auch die der Musik angepassten Zusammenstellung von Lichteffekten, Projektionen und Feuerwerk. Das Konzert erhielt ob der großen Zuschauermenge einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Das bekannteste Stück, das auch bis heute mit seinen sphärisch anmutenden Klängen kaum etwas von seiner Energie aus den Entstehungsjahren verloren hat, ist Oxygene IV. Es wurde 1977 auch als Single veröffentlicht, kam in Großbritannien auf Platz vier der Charts, wo es elf Wochen vertreten war.

Das Album-Cover mit dem Totenschädel, der sich aus der Welt herausschält, kann man dieser Tage beim Blick auf die politischen und klimatechnischen Zustände unseres Planeten geradezu als apokalyptisch aktuell bezeichnen. Das Bild stammt von Michel Granger, einem französischen Maler, Bildhauer und Grafiker, der wie Jarre mit dem Albumcover seinen Durchbruch als Künstler erlebte. Bis heute spiegeln sich ökologische und politische Themen in den Werken von Granger wider. Aufmerksam wurde Jarre auf das Bild seines Landsmanns durch seine damalige Lebenspartnerin und spätere Ehefrau, der bekannten britischen Schauspielerin Charlotte Rampling.

Rund 12 Millionen Mal verkaufte sich Oxygene, auch das Nachfolgealbum Equinoxe ging rund 8 Millionen Mal über die Ladentheke. Beide Platten wurden mehrfach in Europa und Kanada mit Platin, Gold und Silber ausgezeichnet, was auch für viele weitere Produktionen von Jean Michel Jarre gilt. Bis heute hat er 20 Studioalben herausgebracht, das letzte im April 2021. Hinzu kommen weitere Live- und Best-of-Produktionen sowie Auskopplungen und remasterte Versionen seiner Aufnahmen. Seinen größten Erfolg Oxygene hat Jarre selbst 2007 zum 30. Jubiläum neu eingespielt, zwar mit moderner Aufnahmetechnik, aber mit seinem alten Synthesizer-Equipment. Und mit dem ist er bis heute auch bei Konzerten auf der gesamten Welt live zu hören.

Die rein elektronische Musik gehört nicht zum Mainstream des Musikmarktes, auch wenn besonders populäre Stücke immer mal wieder im Radio oder anderen Medien zu hören sind. Jean Michel Jarre und sein Album Oxygene waren in jedem Fall mehr als nur ein Wegbereiter dieses Genres. Und das der Franzose 44 Jahre nach dem Erscheinen des Albums mit seinen Klängen aus dem Synthesizer sein Publikum weltweit immer noch begeistern kann, zeigt die Bedeutung dieser Komposition für die Musikgeschichte. (Infoquelle: Wikipedia)

Unsere Serie "Heute mal wieder auf dem Plattenteller" stellt in loser Reihenfolge die Musik von Vinyl-Alben aus den zurückliegenden etwa 50 Jahren vor. Die Auswahl ist absolut willkürlich und der Anspruch, dass die jeweilige Musik allen Leserinnen und Lesern gefällt, wird mit einem Augenzwinkern schon gar nicht erhoben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen und Eintauchen in die gute alte Plattentellerzeit, die ja offenbar nach und nach wiederkommt.

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