Lake I ist eines der ersten Alben, mit dem deutscher Rock im Ausland Aufmerksamkeit schaffte.

Heute mal wieder auf dem Plattenteller: Lake – Lake I

Rockmusik aus Deutschland – in den 1970er Jahren in den Musikmetropolen auf der britischen Insel oder gar in den USA eher belächelt und kaum wahrgenommen. „Krautrock“, so nannte man die Musik heimischer Bands, die hier und dort dann doch mal im Ausland auftauchte und die man dort gerne mit dem vermeintlich typischen deutschen Sauerkraut verband. Der deutsche Schlager stand in unserem Land damals hoch im Kurs - Rock, Blues oder Pop im Radio stammte selten aus eigenen Landen.

Eine Band, die sich davon nicht zurückhalten ließ, war Lake. Eine Vorgängerformation bildete sich bereits 1967 im norddeutschen Husum unter dem Namen Tornados. Die Experten unter den Musikfreunden werden sich bei Husum vielleicht auch an einen Musiker erinnern, der später als Solist besonders mit seiner einprägsamen rauen Stimme nationale Karriere machte. Hans Hartz (1943 – 2002) war zeitweise Sänger der Tornados, lange, bevor er seiner Solokarriere den Glanzpunkt mit dem Song Sail Away aufsetzte. Der wurde vor allem bekannt als Werbemusik für eine bis heute bekannte Biermarke aus dem Norden, die bei ihren Fernsehspots auch auf die grünen Segel des Schoners Alexander-von-Humboldt I setzte.

Als 1973 der aus Schottland stammende Sänger Ian Cussick zur Band aus Husum stieß, kam die Umbenennung in Lake. Doch der große Erfolg kam damit noch nicht. Cussick blieb auch nur ein Jahr, James Hopkins-Harrison löste ihn als Sänger ab und das war dann die Grundlage, um mit einem ersten Album an die größere Öffentlichkeit zu gehen. Bis 1988 blieb Hopkins-Harrison am Mikrofon und mit ihm dann auch die erfolgreichste Ära der Band. Deren Geschichte ist vor allem geprägt durch sehr viele Wechsel in der Besetzung, zwischen 1973 und 1988 stehen zwanzig Namen auf der Liste, einige der Musiker blieben nur zwei Jahre.

Einer, der vor dem ersten Album 1975 kam und zunächst bis 1980 blieb, ist der deutsche Gitarrist und Sänger Alex Conti, der in seiner langen bis heute andauernden Karriere mit sehr vielen Bands zusammenspielte. Eine davon, die in Koblenz bis heute oft im Café Hahn auftritt, ist die Hamburger Blues Band. Für Lake öffnete Conti immerhin die Tür zur USA. Mit seiner Band Atlantis tourte Conti u.a. als Vorgruppe für Aerosmith und Lynyrd Skynyrd. Als 1976 dann Lake mit Conti das erste Album aufnahm, fand das auch Beachtung in den Staaten, 1977 und 1978 begleitete Lake dann Neil Young und ebenfalls Lynyrd Skynyrd auf ihren Touren durch Europa.

Von einem Durchbruch für Lake mit ihrem ersten Album zu sprechen, wäre aber etwas zu weit gefasst. Immerhin konnte man damit einige Aufmerksamkeit in Europa und auch den USA für sich verbuchen. Die Songs On The Run und vor allem Time Bomb wurden immer wieder von den deutschen Radiowellen, die nach und nach eigene Programme für die Rock- und Pop-Musik ins Leben riefen, gespielt. Das brachte für Lake 1977 den Deutschen Schallplattenpreis, der später in ECHO umbenannt wurde. Musikalisch geprägt war das gesamte Album durch den Westcoast-Rock, einen mehrstimmigen Chorgesang, der im Musikgeschmack der späten 1970er-Jahre angesagt war und durch ausgefeilte Harmonien. Diese Ausrichtung machte die Band populär, sogar Carl Wilson von den legendären Beach Boys machte auf dem folgenden Album Lake II als Backgroundsänger mit. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Songwriter und Produzenten James William Guerico, der in dieser Zeit Eigentümer der Plattenfirma Caribou Records war, in deren Studios weitere Alben von Lake aufgenommen wurden.

Insgesamt gab es bis 1988 acht Alben von Lake, von denen das zweite (Lake II) von 1978 und das dritte Paradise Island an den Erfolg der ersten Platte anknüpfen konnten. Für Paradise Island gab es sogar eine goldene Schallplatte.

Was Lake treublieb, war das „Patchwork Image“, also die immer wieder wechselnden Bestsetzungen mit Musikern, die auch Solo oder mit anderen Bands neben Lake einige Erfolge verbuchen konnten. Schlussendlich ging das bis 1988 so, dann löste sich Lake auf, was aber nicht das Ende der Bandgeschichte bedeutete. Denn 2003 kam es zur Neugründung und mit Alex Conti war auch wieder die treibende Kraft der erfolgreichen Jahre zwischen 1976 und 1979 dabei.Das ist bis heute so geblieben. 2014 stieß Sänger Ian Cussick erneut dazu, mit ihm entstand das bisher letzte Studioalbum Wings of Freedom. Es folgte im selben Jahr eine Tour durch Deutschland, dabei entstand ein Live-Mitschnitt, der als limitierte Ausgabe auf Vinyl veröffentlicht wurde. Zu hören sind darauf auch alle früheren Klassiker der Band.

Zuletzt hörte man, das Keyboard Jens Skwirblies die Band verlassen wollte, die Bandgeschichte scheint sich also auch in diesem Punkt fortzuschreiben. Dennoch, das erste Album Lake I lohnt sich immer mal wieder aufzulegen. Es gehört nicht zur großen internationalen Musikgeschichte, steht aber mit seinem Sound für gute gemachten Rock aus deutschen Landen, lange bevor nachfolgende deutsche Formationen im Ausland bekannt wurden. (Infoquelle: Wikipedia)

Unsere Serie "Heute mal wieder auf dem Plattenteller" stellt in loser Reihenfolge die Musik von Vinyl-Alben aus den zurückliegenden etwa 50 Jahren vor. Die Auswahl ist absolut willkürlich und der Anspruch, dass die jeweilige Musik allen Leserinnen und Lesern gefällt, wird mit einem Augenzwinkern schon gar nicht erhoben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen und Eintauchen in die gute alte Plattentellerzeit, die ja offenbar nach und nach wiederkommt.

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