Heute mal wieder auf dem Plattenteller: Santana - Abraxas

Es gibt einen Meilenstein in der Geschichte der Rock-Musik, der nicht nur Maßstäbe setzte, sondern auch bis heute noch nachwirkt. Das legendäre Open-Air-Festival von Woodstock, das in der Stadt Bethel im US-Bundestaat New York vom 15. – 17. August 1969 stattfand, bot für viele Künstler und Bands die Bühne, über die sie weltweit bekannt wurden.
Dazu gehört zweifellos Carlos Santana, der mit seiner drei Jahre zuvor gegründeten und nach ihm selbst benannten Band die rund 400.000 Besucher des Festivals mit dem Song „Soul Sacrifice“ nahezu elektrisierte. Kurz nach dem Auftritt nahm die Formation des US-Amerikaners mit mexikanischen Wurzeln ihr erstes Album auf, der Woodstock-Song war natürlich in einer Studio-Version mit darauf.
Den richtigen Durchbruch für Santana und seine Musiker, die immer wieder  im Laufe der zurückliegenden 65 Jahre seit der Bandgründung bis heute wechselten, kam 1970 mit dem zweiten Album „Abraxas“, das heute auf unserem Plattenteller liegt. Es ging rund 6 Mio. mal über die Ladentische und bot erstmals die Mischung von Salsa, Blues, Rock und Jazz, die die Musik von Carlos Santana bis heute prägt. Der Song „Jingo“ vom ersten Album brachte in den 1970er Jahren viele Partygäste in ekstatische Tänze. Mit „Oye Como Va“ und „Black Magic Women“ ging es nun auf Abraxas etwas ruhiger zu, aber auch sie gehören bis heute vor allem bei Oldie-Feten zu den Klassikern. Und quasi als Gegenpol dazu bietet „Samba pa Ti“ die Hymne für den bis heute so genannten „Klammerblues“ der Tanzpaare. Das ist übrigens der einzige Song auf „Abraxas“, der komplett aus der Feder von Carlos Santana stammt. Sein Gitarrensound ist bis heute unverkennbar, doch die von ihm gespielten Songs haben meist andere Mitglieder der Band komponiert und getextet. Und der wohl bekannteste Song des Albums ist eine Coverversion. „Black Magic Women, das auch als Singleauskopplung auf dem Markt war, stammt ursprünglich von Peter Green, der mit „Fleedwood Mac“ in diesen Jahren bereits Erfolge feiern konnte. Auch mit „Oye Como Va“ bediente sich Santana eines Covers, das Original stammt vom US-Amerikanischen Jazz-Musikers Tito Puente (1923 – 2000), der ebenfalls südamerikanische Wurzeln hatte.
Doch nicht nur die Musik, auch das Albumcover und der -Titel „Abraxas“ haben eine besondere Geschichte. Das Cover zeigt einen Ausschnitt aus dem Gemälde „Annonciation“, erstellt 1962 vom deutschen Maler Mati Klarwein. Im Mittelpunkt der Abbildung steht eine unbekleidete offenbar brasilianische Schönheit, was in der heutigen Zeit vermutlich trotz der Freiheit der Kunst keine populäre Band so freizügig mehr wagen würde. Santana ließ sich seinerzeit durch dieses Bild inspirieren und fand damit zu einem Text des deutsch-schweizerischen Schriftstellers und Literatur-Nebelpreisträgers Hermann Hesse. Er schrieb in seinem 1919 erschienen Buch Demian: „Ich stand davor und wurde vor innerer Anstrengung kalt bis in die Brust hinein. Ich fragte das Bild, ich klagte es an, ich liebkoste es, ich betete zu ihm; ich nannte es Mutter, ich nannte es Geliebte, nannte es Hure und Dirne, nannte es Abraxas.“ So kam das Album zu seinem Titel, eine englischsprachige Version des Hesse-Zitats ist auf der Rückseite abgedruckt.
Für viele Musikfans gilt Abraxas als das bis heute beste und authentischste Album für die Musik von Carlos Santana. Das liegt sicher auch an der Nummer-Eins-Platzierung in den USA sowie die zahlreichen Gold- und Platinum-Auszeichnungen, die das Werk schon kurz nach dem Erscheinen erhielt.
„Musik soll Ewigkeit, Unendlichkeit, Unsterblichkeit ausdrücken. Sie kommt ja aus einer höheren Bewusstseinsebene. Sie ist gewiss nicht Showbusiness oder Entertainment.“ Dieses Zitat von Carlos Santana, der bis heute zu den ganz Großen der Musikszene gehört, gibt wohl am besten wider, wie der Musiker trotz aller Stilwechsel in den vielen Jahrzehnten seiner Karriere seine Musik versteht. Wer das nachvollziehen möchte, sollte in „Abraxas“ in jedem Fall reinhören. (Infoquelle: Wikipedia)

Unsere Serie "Heute mal wieder auf dem Plattenteller gelegt" stellt in loser Reihenfolge die Musik von Vinyl-Alben aus den zurückliegenden etwa 50 Jahren vor. Die Auswahl ist absolut willkürlich und der Anspruch, dass die jeweilige Musik allen Leserinnen und Lesern gefällt, wird mit einem Augenzwinkern schon gar nicht erhoben. Trotzdem viel Spaß beim Lesern und Eintauchen in die gute alte Plattentellerzeit, die ja offenbar nach und nach wiederkommt.

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