Heute mal wieder auf dem Plattenteller: Uriah Heep - Salisbury

Anfang der 1970er Jahre blühte in der internationalen Musikszene der Hardrock auf. Die LPs der Bands wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple und Nazareth drehten sich immer öfter auf den Plattentellern der Jugend, die ihr Begehren nach gesellschaftlichem Aufbruch und entsprechenden Veränderungen auch in der Musik lautstark zum Ausdruck bringen wollte. In diese Zeit, genaugenommen 1969, fällt die Gründung der britischen Gruppe Uriah Heep, die bis heute insgesamt 25 Studioalben und mehrere Live-Produktionen herausgebracht hat. Und der Terminus „bis heute“ ist durchaus berechtigt, denn das letzte Album erschien 2018 und weiterhin kann man Uriah Heep in der heutigen Formation live auf der Bühne erleben.

Drogen und Alkohol prägten die frühe Bandgeschichte

Dass die Band mehr als 50 Jahre existieren und sie mehr als 40 Millionen Tonträger vermarkten würden, hatten die fünf Gründungsmitglieder David Byron, Mick Box, Paul Newton, Alex Napier und Ken Hensley wohl kaum auf ihrer Rechnung. Um so weniger, als Schlagzeuger Napier bereits 1970 und Bassist und Sänger Newton ein Jahr später die Formation wieder verließen. Auch Sänger Byron blieb nur bis 1976, Hensley, der Gitarre und Keyboard bediente und dazu auch sang, war dann 1980 raus. Bei ihnen wie auch bei vielen ihrer Nachfolger als reguläre Bandmitglieder waren es vor allem Probleme mit Drogen und Alkohol, die das Ende in der Band kennzeichneten. Dazu kam eine gewisse Tragik, als der Newton-Nachfolger Gary Thain (Bass) 1974 bei einem Konzert einen Stromschlag erlitt, von dessen Folgen er sich nie mehr erholte. Im Dezember 1975 fand man ihn leblos in seiner Wohnung, seine Heroinsucht sowie die durch den Unfall auftretenden Herzrhythmusstörungen führten zusammen zu seinem Tod.

Einer „überlebte“ sie alle und schrieb Geschichte

Nur Leadgitarrist Mick Box „überlebte“ alle diese Geschichten bis heute. Insgesamt stehen 25 Namen auf der Bandliste, wobei Mitte der 1980er Jahre eine personelle Stabilisierung eintrat. Die aktuelle Besetzung mit Mick Box, Bernie Shaw, Davey Rimmer, Russell Gilbrook und Phil Lanzon tritt seit 2013 auf. Vorher gehörten Bassis Trevor Bolder (2013 einem Krebsleiden erlegen) und Lee Kerslake (2007 Rückzug ebenfalls wegen einer Krebserkrankung) seit den 1980er Jahren der Band an. Nicht mitgezählt sind bei den 25 die teils namhaften Gastmusiker. So half u.a. Manfred Mann beim dritten Album der Band am Synthesizer aus. Auch Musikgeschichte schrieb Uriah Heep: Offiziell als erste westliche Band traten sie 1987 in der Sowjetunion auf. Im Olympiastadion von Moskau spielten sie insgesamt zehn ausverkaufte Konzerte.

Eine bewegte Geschichte also, die mit dem Bandnamen Uriah Heep verbunden ist. Der Name hat seinen Ursprung in der Literatur. Eine Figur in David Copperfield von Charles Dickens trägt ihn. Ein Roadie, der Arbeit in der Gründerzeit der Band suchte, hatte ihn sich angeeignet und das wurde dann auch der Name der Band, die vorher „Spice“ hieß.

Grundstein der Erfolge

Die produktivste und kommerziell auch erfolgreichste Zeit erlebte Uriah Heep von 1971 bis 1975. In diesen Jahren kamen sieben Alben auf den Markt, darunter 1971 als zweite LP überhaupt Salisbury. Der Titel steht im Zusammenhang mit einem großen Truppenübungsplatz der britischen Armee nahe der Stadt Salisbury im Süden Englands. Die meisten Touristen werden sie kennen, da in ihrer Nähe die weltbekannte prähistorische Steinformation von Stonehenge zu finden ist. Was die Band bewogen hat, die Assoziation zur Armee herzustellen, kann man nur vermuten. Es war die heiße Phase des Vietnamkrieges und des weltweiten Protestes dagegen. Das europäische Plattencover, das einen Kampfpanzer vor orangem Rauch zeigt, lässt dies vermuten. In den USA wählte man ein anderes Cover, da man wegen der gespaltenen Meinung zum Vietnamkrieg dort Ärger und Absatzprobleme befürchtete.

Musikalisch geprägt ist das Album durch den typischen Sound von harten Gitarrenriffs, die sich mit ruhigeren Tönen abwechseln. Noch mehr im Vordergrund steht aber der mehrstimmige Gesang, den die Uriah Heep-Mitglieder einbrachten. Er war später Vorbild für viele ähnliche Sounds anderer Bands.

Insgesamt sind „nur“ sieben Songs auf dem Album. Der Grund dafür liegt vor allem am Titelsong auf der zweiten Seite. Salisbury gibt der Orgel von Ken Hensley über 16 Minuten und 22 Sekunden breiten Raum, begleitet von einer großen Bläsergruppe. Am Ende mündet der gesamte Song in einem ekstatischen Keyboardsolo.

Mit zwei Akkorden zum Weltruhm

Aus der Feder von Ken Hensley stammt der bekannteste Song des Albums. Lady in Black entstand 1970 nach einer Begegnung von Hensley mit einer Frau in München. Beeindruckt davon schrieb der Keyboarder den pazifistischen Erzähltext in der Ich-Form. Die Musik dazu ist eher einfach gehalten, die beiden Akkorde a-Moll und G-Dur machen sie vor allem bei Gitarrenanfängern beliebt als Stück, das man ohne langes Üben in Gänze spielen kann. Die Einfachheit zeigt sich auch im Refrain, der ohne Worte nur aus einem langgezogenen melodischem „Ah“ besteht. Das ganze erschien den übrigen Bandmitgliedern als zu banal, so dass sich Sänger David Byron nicht damit anfreunden konnte. Kurzerhand übernahm Ken Hensley auch diesen Part und legte damit den Grundstein zum größten musikalischen Erfolg der Band. Im Oktober 1970 nahm man ihn mit einer Dauer von 4:44 Minuten für die LP Salisbury auf. Ein gutes Jahr später wurde er verkürzt um eine Minute als Single ausgekoppelt und eroberte die Hitlisten. Vor allem in Deutschland wurde der Song so beliebt, dass man ihn 1975 und 1977 erneut herausbrachte. Jeweils ging es in die Top-50 der Singlecharts, wobei die letzte Veröffentlichung mit Platz 5 das beste Ranking einbrachte.

Noch heute spielt Uriah Heep den Song auf ihren Konzerten, meist in einer Version von mehr als 10 Minuten. Er ist für die Fans zu einem Kult geworden, für die Band in jedem Fall das Markenzeichen, mit dem sie sich schon nach wenigen Anschlägen des markanten Gitarrenriffs identifiziert. Und wenn man auf den Text hört, dann passt er heute mehr denn je in unsere von vielen Kriegen und Auseinandersetzungen gebeutelten Welt.  (Infoquelle: Wikipedia)

Unsere Serie "Heute mal wieder auf dem Plattenteller" stellt in loser Reihenfolge die Musik von Vinyl-Alben aus den zurückliegenden etwa 50 Jahren vor. Die Auswahl ist absolut willkürlich und der Anspruch, dass die jeweilige Musik allen Leserinnen und Lesern gefällt, wird mit einem Augenzwinkern schon gar nicht erhoben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen und Eintauchen in die gute alte Plattentellerzeit, die ja offenbar nach und nach wiederkommt.

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