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Carola Söllner

Carola Söllner ist seit 2017 Regisseurin und Dramaturgin bei den Burgfestspielen Mayen. Sie wird an dieser Stelle in der „Corona-Saison 2021“ immer wieder über die Burgfestspiele berichten.

Halbzeit für „Pension Schöller“
Halbzeit für „Pension Schöller“

Halbzeit für „Pension Schöller“

Ich habe dieses Jahr das Glück, „Pension Schöller“ inszenieren zu dürfen: Seit gut drei Wochen sind wir dabei und am 19. Juni werden wir tatsächlich im Hof der Genovevaburg unsere Premiere feiern – nach der langen Corona-Zwangspause von uns allen ist das tatsächlich nochmal ein bisschen aufregender als sonst.

Der ganz normale Wahnsinn

„Pension Schöller“ ist ein Komödien-Klassiker, der es in sich hat: Der Gutsbesitzer Philipp Klapproth kommt nach Berlin und will sich von seinem Neffen Alfred eine Nervenheilanstalt von innen zeigen lassen – er hat nichts weniger vor, als eine solche Anstalt in einem leerstehenden Gebäude auf seinem Gut einzurichten, jedoch nicht etwa aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern um mit „den Verrückten“ am Stammtisch angeben zu können. Alfred muss diesen Wunsch erfüllen – denn sonst wird es nichts mit einem Kredit des Onkels für Alfreds Traum, ein Künstlercafé zu eröffnen. Freundin Franzi hat die rettende Idee: Alfred soll den Onkel einfach zu einem Gesellschaftsabend der Pension Schöller mitnehmen, dort sind die Gäste nämlich so schräg, dass der Onkel garantiert glaubt, er sei „in der Anstalt“ gelandet. Und so nimmt der ganz normale Wahnsinn seinen Lauf…

Das Ensemble

Wenn man eine so rasante Komödie inszeniert, kommt es auf Vieles an, auf Tempo, auf die richtigen Requisiten am richtigen Ort, auf die richtige dramaturgische Vorbereitung – aber vor allem auf das Ensemble. Und tatsächlich geht es kaum kreativer: Die neun Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich mit mir gemeinsam kopfüber in den Wahnsinn stürzen, sind Alessa Kordeck, Saskia Kästner, Georg Lorenz, Matthias Manz, Andreas Schneider, Wiebke Isabella Neulist, Marius Schneider, Charles Ripley und Oliver Jaksch. Mit einigen von ihnen habe ich bereits gearbeitet, mit anderen erfüllt sich dieses Jahr der langgehegte Wunsch, das endlich tun zu dürfen. Es ist eine enorme Freude, mit diesen neun fabelhaften Kolleginnen und Kollegen an der richtigen Balance zwischen Komik und Tragik, zwischen Normalität und Wahnsinn zu feilen und Ideen auszuprobieren und zu „schärfen“.

Never change a winning team

Das künstlerische Leitungsteam besteht neben mir wieder aus Steven Koop (Bühne) und Gabriele Kortmann (Kostüme). Bereits in der Saison 2019 haben wir für „Ernst sein ist wichtig“ zusammengearbeitet, und dieses Mal entführen wir unser Publikum in das Berlin der 20er Jahre, also in eine Zeit der scharfen Kontraste. Die Parallelen zur Gegenwart sind so augenfällig, dass man sie kaum ausblenden kann: Altes gerät ins Wanken oder fällt, Neues funktioniert (noch) nicht. Wir müssen uns von scheinbaren Sicherheiten verabschieden und uns ins Unbekannte stürzen. Gesellschaftliche Gräben werden immer größer. Diese vielen Widersprüche lassen sich mit Schwarz und Weiß ästhetisch ganz einfach klar machen. Aber auch die schwarz-weiß-Filme der frühen Kinojahre standen Pate bei der Wahl dieser Farben, und natürlich das Bauhaus mit den Farben Rot, Blau und Gelb und seinen klaren Formen. Bei uns kommt für die ländliche Welt noch Grün dazu. All das zusammen erzählt vielleicht nicht von den Zwanziger Jahren, wie man sie sofort im Kopf hat: Charlestonkleid, Federboa, fertig sind die Roaring Twenties. Es erzählt aber von den Zwanziger Jahren der großen Umbrüche in Kunst, Philosophie und Denken. Von einer Zeit der Kontraste und Spannungen.

Ich freue mich sehr darauf, das Publikum in unsere „Pension“ einladen zu dürfen – aber bis dahin gibt es noch viel zu tun. Neben den szenischen Proben müssen Requisiten gebaut und besorgt werden, Regieassistentin Britta Kohlhaas sorgt für den richtigen Überblick bei der „Continuity“ der Möbel auf der Bühne, die Technik feilt an Special Effects, Steven Koop gestaltet die letzten Feinheiten des Bühnenbildes und die Kostümabteilung setzt die Ideen von Gabriele Kortmann in wunderschöne Kostüme um.

Wo gibt’s Karten?

Wer uns dann ab dem 19. Juni in der „Pension Schöller“ besuchen will, besorgt sich am besten schon mal Karten im Bell Regional, Touristikcenter, Rosengasse 5, 56727 Mayen oder unter der Ticket-Hotline: 02651 / 494942. Per Mail kann man an tickets@touristikcenter-mayen.de reservieren und im Online-Ticketing unter www.burgfestspiele-mayen.de. Dort gibt es auch die jeweils aktuellen Infos zu den Corona-Auflagen der Burgfestspiele.

Wir freuen uns auf Euch!

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