Dating als alleinerziehende Mutter ist ein Abenteuer zwischen Kinderalltag, emotionalem Gepäck und der Frage: Bin ich bereit für jemanden, der wirklich bleibt? Ein ehrlicher Blick darauf, warum wir daten – und warum es manchmal leichter wäre, es einfach zu lassen.

Mendig | von Daniela Raben

Zurück im Spiel… oder eher auf dem Schlachtfeld?

Manchmal frage ich mich, wer die brillante Idee hatte, mich nach fast zwanzig Jahren Beziehung wieder auf den sogenannten Dating-Markt loszulassen. Wahrscheinlich derselbe Mensch, der dachte, dass Crocs modisch vertretbar sind und dass man in den 2020ern statt klarer Kommunikation lieber GIFs verschickt.

Die Wahrheit ist: Seit 2005 war ich nicht mehr wirklich daten. 2005! Da gab es noch MSN, Ringe aus Kaubonbonpapier und die Männer haben zumindest so getan, als wüssten sie, was sie wollen. Heute dagegen fühle ich mich wie in einer Mischung aus einer Casting-Show und einer mittelmäßigen Liebeskomödie – aber ohne Happy End, dafür mit Plot-Twist und anschließendem Ghosting.


„Ich suche etwas Festes…“ – Ja klar, Schatz!

Die Profile klingen alle erstmal vielversprechend. „Suche eine ernsthafte Beziehung.“
Übersetzung: „Ich möchte dich erobern und spätestens beim dritten Date im Bett haben. Danach schauen wir mal, ob der Markt nicht doch noch was Besseres bietet.“

Den Vogel schießen diejenigen ab, die „F+“, „Situationship“ oder – mein persönliches Highlight – „konsensuelle Nicht-Monogamie“ in die Runde werfen.
Das musste ich erstmal googeln.
Ich dachte kurz, ich wäre in meinen Waldorfpädagogik-Unterlagen gelandet.

Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich all die letzten Jahre hinterm Mond gelebt habe oder ob die Welt einfach komplett durchgedreht ist.


Ghosting: Die 2025er-Variante von „keine Eier in der Hose haben“

Kaum hat man ein nettes Gespräch, verschwindet er.
Zack – weg.
Profil gelöscht. Chat wie vom Erdboden verschluckt.

Ghosting müsste inzwischen als olympische Disziplin gelten. So viele trainieren täglich dafür.
Früher nannte man das „nicht den Mut haben, klar zu sagen, dass man kein Interesse hat“. Heute klickt man einfach auf „Chat löschen“. Fortschritt sieht anders aus.

Ein Meme bringt es auf den Punkt:
„Wenn du Single bist, melde dich auf einer Dating-App an. Dann bist du zwar immer noch Single – aber du weißt auch warum.“
Amen.


High-End-Level: Dating als alleinerziehende Mama

Und dann komme ich.
Mit zwei Kindern, Vollzeit-Verantwortung und exakt drei freien Abenden im Quartal.
Der Dating-Pool wird dann plötzlich kleiner als der Planschbeckenbereich im Freibad.

Die Männer, die übrig bleiben, sind eine interessante Mischung aus:
– „Ich bin mit meinen Kindern durch, brauche was Spontanes.“
– „Ich hänge noch im Rosenkrieg mit meiner Ex, aber suche natürlich etwas Lockeres.“
– „Ich habe keine Kinder, aber melde mich später wieder, wenn du Zeit hast (also 2037).“
– „Kinder? Verantwortung? Was ist das?“

Ganz ehrlich?
Dann bleibe ich doch lieber alleine.


Die Sahnetorte bin ich – du kannst höchstens die Kirsche sein

Ich bin endlich an dem Punkt, an dem ich mich selbst wieder an erster Stelle sehe.
Nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstschutz.
Ein neuer Partner soll die Kirsche auf der Torte sein – aber nicht die Torte selbst.
Ich werde mich nicht mehr verbiegen, kleinmachen oder verstellen, nur um irgendeine Checkliste zu bedienen.

Und genau das ist ja das Problem:
Dating fühlt sich heute oft an wie ein Assessment Center.
Fragen über Fragen:
Wie viele Stunden sportelst du?
Bist du psychisch stabil?
Wie ist dein Attachment Style?
Was suchst du langfristig?
Und vor allem:
„Warum bist du eigentlich Single?“

Tja, mein Schatz, lies einfach diesen Text. Dann weißt du es.


Und dennoch…

Vielleicht ist es naiv, vielleicht auch mutig – aber irgendwo in mir hoffe ich noch, dass es Männer da draußen gibt, die wissen, was sie wollen.
Die nicht ghosten.
Die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für ihr Leben und vielleicht irgendwann für eine Familie, die nicht aus einem Pinterest-Board besteht.

Bis dahin bleibe ich einfach ich.
Mit Humor, Selbstironie und dem festen Glauben, dass echte Verbindungen immer ihren Weg finden.

Auch – oder gerade – im Jahr 2025.

Und vielleicht ist genau das der mutigste Schritt: sich selbst zu erlauben, wieder zu fühlen – ganz ohne Druck, ganz ohne Perfektion.

Eure Dani