Wenn der Herbst kommt, fallen nicht nur Blätter – sondern auch ganze Kindergarten- und Schulkohorten. Willkommen in der alljährlichen Bingo-Saison der Kinderkrankheiten. Wer braucht schon Glücksspiel, wenn man im Morgenkreis fröhlich „Hand-Mund-Fuß“ neben „Scharlach“ und „Magen-Darm“ auf seiner imaginären Karte einkringeln kann? Und als Trostpreis gibt’s, wenn’s gut läuft, eine ordentliche Runde Husten & Schnupfen. „Bitte einmal bedienen, danke.“
Natürlich, klar, das gehört ja alles dazu: Immunsystem stärken, Abwehrkräfte trainieren, „da müssen sie durch“ – sagt man so schön. Was man weniger hört: dass die Eltern gleich mit durchmüssen. Und zwar mittendurch, ohne Notausgang.
Eine Woche krank – und ich meine nicht mich
Vor Kurzem durfte ich das Herbstspecial wieder live erleben. Die Kinder eine Woche krank Zuhause. Zu krank für Kindergarten und Schule, aber fit genug, um mich an meine mentalen Grenzen zu bringen. Dieses berühmte Zwischending: kein Fieber mehr, aber hochgradig interessiert daran, ständig etwas zu essen, etwas zu erzählen oder sich zu streiten – bevorzugt gleichzeitig.
Dann, endlich, eine Woche Normalbetrieb. Halleluja, dachte ich. Bis der Herbst beschloss: „Jetzt bist du dran.“
Team: Wehret den Anfängen
Ich bin ja grundsätzlich vorsichtig, was meine Gesundheit angeht, weil sie im Alleinerziehenden-Modus nicht optional ist. Also bin ich direkt am ersten Morgen mit Halsschmerzen, verstopfter Nase und diesem schönen Druck hinter den Augen zum Arzt. Ergebnis: eine Woche krankgeschrieben.
Am Anfang dachte ich noch: „Eine Woche? Wirklich? Ein bisschen übertrieben.“
Am Tag zwei wusste ich: „Okay, touche.“
Und nun sitze ich hier, trinke Tee, inhaliere, huste, fluche – und hoffe auf Vormittage, an denen ich mich auskurieren kann. Nachmittags bin ich ja wieder im Dienst. Elternsein hat schließlich keine Öffnungszeiten.
Die Sache mit dem Kranksein – oder: Warum Männer plötzlich sterben
Ich weiß, Klischees sind nicht die Realität aller Menschen. Aber: Viele Frauen – ob alleinerziehend oder in Partnerschaften – berichten das Gleiche. Nämlich, dass Männer bei Krankheit einfach… krank sein dürfen. Sie flachliegen, gepflegt werden, Ruhe haben. Männerschnupfen und Fokus nur auf sich selbst.
Während wir Mütter – völlig egal, ob allein oder nicht – krank sind UND trotzdem: Spülmaschine, Kinder, Wäsche, Abendessen. Wir funktionieren irgendwie weiter. Auf Autopilot, hustend, mit fiebrigen Augen, aber weiter.
Und ehrlich? Ich finde: Es braucht mehr Empathie. Mehr Verständnis für Mütter in Krankheitsphasen. Mehr Raum, um sich wirklich auszukurieren. Nicht nur halbsitzend auf dem Sofa, während man Brotdosen vorbereitet.
Reden hilft – wirklich
Das ist auch der Grund, warum ich diese Dinge aufschreibe. Nicht, um zu meckern, sondern um sichtbar zu machen. Damit sich etwas bewegt. Damit Menschen verstehen, wie viel unsichtbare Verantwortung auf Müttern lastet.
Ich glaube daran, dass sich Dinge ändern können. Aber nur, wenn wir darüber sprechen.
Steter Tropfen höhlt den Stein – und manchmal ist dieser Tropfen eben ein Tropfen Hustenmedizin.
Und bis wir alle wieder fit sind, bleibt mir nur eins: die Krankheitstage anzunehmen wie sie sind – und trotzdem jeden Tag ein kleines bisschen Gutes daraus zu ziehen.
