Wenn die Dunkelheit kommt, zünden wir Lichter an – in unseren Häusern, in unseren Laternen, in unseren Herzen. Warum das Martinsfest für mich so besonders ist und welche Erinnerungen mich bis heute begleiten – darüber erzähle ich in meiner neuen Kolumne.

Mendig | von Daniela Raben

Der November hat begonnen, und mit ihm naht eines meiner liebsten Feste: St. Martin.
Im Waldorfkindergarten meines Jüngsten wird dieses Fest besonders gefeiert – mit Laternen aus bemaltem und geöltem Aquarellpapier, in denen echte Kerzen leuchten. Keine grellen Lichterketten, kein Plastik, kein Kitsch. Nur das warme, flackernde Licht, das in der Dunkelheit des Herbstes den Weg erhellt. Dieses Jahr wird es unser letztes Martinsfest im Kindergarten sein – ein kleiner Abschied, der mich wehmütig werden lässt.


Erinnerungen, die nach Döppekuchen duften

Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, steigt mir sofort ein ganz bestimmter Duft in die Nase: der Geruch von Döppekuchen, den meine Oma jedes Jahr zum Martinsfest zubereitete.
Schon von weitem roch ich, dass es so weit war. Das Fest, die Familie, das Lachen – und die Hoffnung, ein Stück von der knusprigen Kruste zu ergattern. In unserer großen Familie gar nicht so einfach! Später durfte ich meiner Oma beim Kartoffelschälen helfen – und erst da begriff ich, wie viel Mühe und Liebe in so einem einfachen Gericht steckt.


Vom Licht, das wir weitergeben

Heute sehe ich das Martinsfest mit anderen Augen.
Es geht nicht nur um Laternen, Wecken oder Punsch – sondern um das, was das Licht in uns bewegt. Um das Teilen, das Mitgefühl, die Wärme, die wir weitergeben, wenn jemand friert – im wahrsten oder übertragenen Sinn.
Wenn die Kinder am Feuer stehen, ihre Wecken in Freundschaft brechen und teilen, spüre ich, was dieses Fest uns lehren will: dass Licht größer wird, wenn man es teilt.


Ein Licht, das bleibt

Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr wie St. Martin sein. Nicht nur im November, sondern das ganze Jahr über.
Ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, eine kleine Geste – oft reicht schon das, um jemandem ein Stück Licht zu schenken.
Denn das Schönste an einem Licht ist: es wird nicht kleiner, wenn man es weitergibt.

In diesem Sinne, verliert nicht euer Strahlen, 

eure Dani