Zum Haare raufen: Jeff Saibene ist der nächste Trainer, der am Betze gehen muss. (Foto: P.Seydel)

Der Neue auf dem Betze: Marco Antwerpen (Foto: P.Seydel)

Der Untergang einer Legende

Vor langer Zeit gab es mal einen stolzen Fußballclub in der Südwestpfalz. Sie nannten sich „Die Roten Teufel vom Betzenberg“. Einige der berühmtesten deutschen Fußballspieler der jüngeren und älteren Vergangenheit spielten hier. Fritz Walter, der berühmte Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1954. Andreas Brehme, Finaltorschütze im WM-Finale 1990 gegen Diego Maradonas Argentinien. Und nicht zuletzt Miroslav Klose, der wuselige Stürmer aus Blaubach-Diedelkopf, der sich heute mit 16 Toren nicht nur Weltmeister sondern auch WM-Rekordtorschütze nennen darf.  Der 1.FC Kaiserslautern war der erste und, bis heute, letzte Verein in Fußballdeutschland, der seinen Bundesligaaufstieg mit der direkt folgenden Deutschen Meisterschaft veredelte. Es sollte das letzte große Highlight des einst ruhmreichen FCK sein.

„Der Fisch stinkt vom Kopf“ ist ein geläufiges Sprichwort in Deutschland. Und das tut er in Kaiserslautern seit Jahren ganz gewaltig. Mit wenigen Ausnahmen so wie es scheint.

Die Stadt Kaiserslautern hat 100 030 Einwohner. Hier riecht und schmeckt jede Ecke nach Fußball. 2006 war sie eine von zwölf Austragungsstätten der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Und gleichzeitig ist es keine Großstadt. Kaiserslautern verbindet man wirtschaftlich mit Opel oder der US-Armee. Der Stolz der ganzen Stadt war aber seit Dekaden: der 1.FCK. Vier Mal wurde Kaiserslautern Deutscher Meister. Die halbe Elf der 54er Weltmeister spielte „auf’m Betze“. Der 1.FC Kaiserslautern ist Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga. Und seit mehr als zwanzig Jahren ein Ort, an dem viele falsche Entscheidungen getroffen wurden.

In diesem Jahrtausend hat die Stadt zwei Oberbürgermeister gehabt. Von 1999 bis 2007 war es Bernhard Deubig von der CDU und seit 2007 ist es der SPD-Mann Dr. Klaus Weichel. Was bei der Stadt wie Kontinuität wirkt, hat auf den wichtigsten Fußballverein, den 1.FC Kaiserslautern, in keiner Weise abgefärbt. Denn diese beiden Oberbürgermeister durften und dürfen in ihrer Amtszeit jetzt schon den 28. Trainer beim FCK zur Kenntnis nehmen.

Der Neue, Marco Antwerpen, war zuletzt (vom 29. September bis zum 9. November 2020) bei den Würzburger Kickers in der 2. Liga tätig - allerdings nur für fünf Spiele, in denen er lediglich einen Punkt holen konnte. Zuvor hatte er Eintracht Braunschweig zurück in die 2. Bundesliga geführt. Sein Vertrag war anschließend aber nicht verlängert worden.

Antwerpen ist bereits der dritte FCK-Trainer in der laufenden Saison. Nach dem 2. Spieltag wurde Boris Schommers freigestellt, nach dessen Wünschen der Kader im Sommer zusammengestellt worden war. Es übernahm für vier Monate Jeff Saibene. In 20 Punktspielen unter der Leitung des Luxemburgers holten die Roten Teufel nur drei Siege und spielten zwölfmal remis (fünf Niederlagen).

Zwei Oberbürgermeister in der Stadtverwaltung stehen 28 Trainer beim 1.FCK gegenüber. In Kaiserslautern hat der Fußball ein deutlich größeres Problem als die Stadt mit ihrem Spitzenpersonal. Der vielleicht bekannteste Verein des Landes Rheinland-Pfalz steht vor dem Untergang und kämpft gegen den Abstieg in die Regionalliga. Wenn der Verein sein Führungsproblem nicht gelöst bekommt, könnte der 1.FC Kaiserslautern bald Geschichte sein.

Heute Abend geht es in das prestigeträchtige Derby gegen den SV Waldhof Mannheim. Dass der 1.FCK in diesem Spiel einmal Außenseiter sein würde, hätte vor wenigen Jahren niemand erwartet.

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