Timo Holstein zur Situation in der Eventbranche.

Events in Existenznot

Ursprünglich waren nur die Solo-Künstler und Künstler berücksichtigt, aber es hängen ja viel mehr Menschen von der Existenz der Veranstaltungsbranche ab?
Timo Holstein:
Die viel zitierten Solos waren auf dem Papier berücksichtigt, da kam aber weniger an, als beim Mittelstand, der ob Einzelunternehmen oder beispielsweise inhabergeführte GmbH mit Angestellten, per se durch die Überbrückungshilfen früher bedacht wurde. Ich habe 3 Mitarbeiter/-innen und konnte hier Teile der Gelder geltend machen. Viele „Kleinere“ kämpfen jedoch ums nackte Überleben. Ich bleibe dabei: Die Grundsicherung ist kein probates Mittel für einen Techniker oder Berufsmusiker in der Pandemie.

Wie war 2020 ausgehend vom Frühjahr bis jetzt für Sie als Veranstalter / Manager?
Timo Holstein:
Eine Katastrophe. Denn auch die Hybrid-Konzerte des zurückliegenden Sommers – ob im Autokino oder als Picknick-Open Air – waren gelinde gesagt ein Tropfen auf dem heißen Stein, mehr good will. Sowohl von den Veranstaltern, meist sogar Technikunternehmen, die ihre Lagerware für kleinstes Geld auf die Plätze brachten, aber auch von den Acts, die unterpreisig spielten, um ihre Crews und Mietmusiker zumindest ein wenig zu unterstützen. Kaufmännisch waren diese Konzerte für alle Seiten kein Zukunftsmodell. Das von vielen Medien als Heilsbringer ausgerufene Streaming ist für uns, bei allem hehren Ansatz der Fanbindung und „Unterhaltung“, jedoch auch kein Allheilmittel. Musik, Erlebniswelten, all das bedarf „echter Menschen“ vor der Bühne. Das Streaming mag in B2B-Veranstaltungen künftig vermehrt Einzug halten, aber für den Endverbraucher und die Wertschöpfungskette der Veranstaltungswirtschaft ist das hoffentlich keine Zukunft. Fragen wie Lizenzen Dritter, wie der Urheberschaft, wurden bei vielen Pandemie-Streamings vernachlässigt.

Aber Ihre Künstler (wer, was, wann, wo) waren produktiv?
Timo Holstein:
Michael Schulte veröffentlichte mit „For a Second“ seinen nächsten Top 10 – Radio-Hit in dem Jahr und war trotz Corona und all den Sicherungsmaßnahmen rund 50 Drehtage als Coach/Host bei THE VOICE OF GERMANY zu erleben. Er spielte, wie Glasperlenspiel, zudem rund 2 Dutzend Hybrid-Open Airs. Carolin und Daniel aka Glasperlenspiel waren derzeit viel im Studio, produzierten neue Musik. So erscheint schon Anfang Januar 2021 mit „Sonne“ deren neuer Song. Open Airs in 2021 sind bei beiden Themen in Vorbereitung.

Es wurden viele Veranstaltungen abgesagt - was bedeutet das im Einzelnen für Sie als Manger / Veranstalter?
Timo Holstein:
Im Endeffekt haben wir hier 65 Termine in GER/AUT/CH abgesagt oder verlegt bekommen. Events teils mehrfach umgeplant, um sie dann doch ersatzlos und ohne jeglichen Kostenansatz abgesagt zu bekommen. Der föderale Flickenteppich der Stornos und der Umgang damit, machte dies nicht einfacher.

Meinen Sie 2021 wird besser?
Timo Holstein:
Indoor-Events in den Quartalen 1 und 2 wird es sicher nicht geben. Vor Sommer 2021 wird an eine wie auch immer geartete Normalität und kaufmännisch relevante Veranstaltungen nicht zu denken sein.

Sie sind IMUC Finanzvorstand, was ist der IMUC und inwieweit war er für die Hilfen mitverantwortlich?
Timo Holstein:
Der IMUC ist der Zusammenschluss von rund 60 der führenden Musikmanager Deutschlands (www.imuc.de) . Wir beteiligten uns neben anderen Verbänden wie dem BDKV, ISDV, VPLT intensiv an dem politischen Diskurs mit Berlin, aber auch auf Landesebene. Bekannt wurde sicher der Zusammenschluss #Alarmstuferot, die Kollegen halten hier federführend die Fahne hoch. Wir im Kleinen haben den RUNDEN TISCH der VERANSTALTUNGSWIRTSCHAFT Rheinhessen/Pfalz gegründet, um uns in Mainz Gehör zu verschaffen. 

Was war Ihre Aufgabe in den Verhandlungen?
Timo Holstein:
Im Endeffekt waren es Monate des Aufrüttelns, der Hinweise, wie unsere Branche aufgestellt ist, wie divers die rund 1,5 Mio. Arbeitnehmer und Selbständige der Veranstaltungswirtschaft als sechstgrößte Wirtschaftskraft des Landes funktionieren. Zuletzt bedurfte es bei den sog. Novemberhilfen wirklich vieler Fallbeispiele, die der Politik die Arbeitsweisen und auch die Kausalkette der Dienstleister von Events förmlich erklärte…

Sehen Sie, dass die Politik die Branche versteht und wenn nein, was muss dabei auf Politik-Ebene berücksichtigt werden?
Timo Holstein:
Es brauchte eine lange Zeit, unterdessen fühlen wir uns zumindest „gehört“ und teilweise auch „verstanden“, aber es bleiben noch dicke Bretter zu bohren.

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