....oder vielleicht einfach #allezusammenhalten?!

Letzte Woche habe ich meinen Augen kaum trauen können, als ich die ersten Videos der Kampagne #allesdichtmachen gesehen habe. Ich bin erst davon ausgegangen, dass die Schauspieler ihre Reichweite und Prominenz dazu nutzen, um etwas Positives zu bewegen. Menschen, die sich in der selben Situation befinden Mut zu machen. Vielleicht zum Impfen aufzurufen oder einfach nur positive Vibes zu verbreiten. Stattdessen sehe ich dort nur Hohn und Spott für das, was wir grade alle durchmachen müssen. Einige von uns befinden sich sogar in einer weitaus bescheideneren Lage, als ein Jan Josef Liefers mit einem dicken Gehaltspolster und einem tollen Haus. Warum also kommen diese Menschen auf die Idee, unter dem Deckmantel der Satire solche Videos zu produzieren?

Die Kultur steht still

Ich will die Kampagne nicht in Schutz nehmen. Aber Kultur ist nun mal systemrelevant. Und ich glaube das wollten einige Kandidaten damit auch noch mal unterstreichen. Denn wie wären einige von uns ohne Serien und Filme, Musik, Festival- oder Konzertaufzeichnungen durch den Lockdown gekommen?
Ich arbeite selbst in der Kulturbranche, unser Museum ist seit Monaten, mit kleinen Unterbrechungen, geschlossen. Wir wollten letztes Jahr im November eine Ausstellung zum Beethovenjahr 2020 eröffnen. Diese Ausstellung hat uns einiges an Vorbereitungszeit, Arbeit und Geld gekostet. Gesehen haben sie im Endeffekt nur die Mitarbeiter, eine Eröffnung war wegen des Lockdowns gar nicht erst möglich. Es gibt keine Veranstaltungen, keine Workshops, keine Führungen mehr. Das Museum ist quasi tot. Das frustet ungemein, aber was bleibt uns denn anderes übrig, als mit allen anderen einfach weiter durch zuhalten?!

Wir sitzen alle im selben Boot

Die Kulturszene hat es hart getroffen. Und ich kenne viele Kulturschaffenden, die nicht die Reichweite oder Kohle wie die Schauspieler aus den Videos haben. Ich merke es sogar an mir selbst, dass der Lockdown was mit einem gemacht hat und immer noch macht. Ich suchte förmlich danach, endlich wieder mit Menschen zusammen sein zu dürfen, ohne Maske, ohne Abstand, ohne Coronatest. Ein Rheinspaziergang oder ein ausgedehntes Telefonat mit Freunden ist zwar schön, bringt aber irgendwann nicht mehr die gewünschte Lebensfreude zurück. Daher wäre es wenigstens schön, wenn man ganz gewohnt seiner Arbeit nachgehen kann, um sich irgendwie abzulenken oder zu beschäftigen. Etwas Sinnvolles zu tun. Leider ist das in der Kulturbranche momentan nicht möglich. Und da sehe ich auch einen Grund für diese Kampagne. Der Frust kommt bei einigen Menschen eher zum Vorschein, als bei anderen. Manche möchten das gerne nach außen tragen, andere fressen es in sich hinein. Welche Art des Umgangs mit dem Frust die bessere Variante ist kann ich nicht sagen, denn irgendwie sitzen wir am Ende doch alle im selben Boot.

Nerven behalten

Die Kampagne spaltet grade, wie auch das gesamte Coronathema, die Nation in zwei Lager. Wir haben keine Ahnung wann wieder alles in gewohnten Bahnen ablaufen wird, aber es ist zumindest Licht am Ende des Tunnels zu sehen und darauf sollte jeder Einzelne von uns bauen. Und vor allem die Nerven behalten! Wir werden das gemeinsam überstehen und eines Tages vielleicht dann auch mal über die Satirevideos zu Corona herzlich lachen können.