Jedes Jahr um diese Zeit setzt bei mir das schlechte Gewissen ein. Und nein, ich spreche nicht von den völlig verdreckten Wohnzimmerfenstern, die dringend geputzt werden müssen, es geht um die jährliche Steuererklärung. Gleichzusetzen mit Fußpilz, kratzenden Rollkragenpullovern oder eben auch Fensterputzen. Es nervt mich jedes Jahr. Und doch muss es gemacht werden. Erst schiebe ich es vor mir her, bis das schlechte Gewissen dann so groß ist, dass ich mir einen Tag X auswähle um das anzugehen. Und dabei bekomme ich netterweise Hilfe von einer lieben Freundin, die da irgendwie mehr Durchblick hat als ich. Manchmal habe ich sogar fast das Gefühl, ihr macht das ein kleines bisschen Spaß. Und da hört dann mein Verständnis auf. Für mich klingt das alles wie Mandarin oder Suaheli. Aber warum bekommt man das auch in der Schule nicht einfach mal gescheit beigebracht?
Sind Sie Organträger?
Ich hatte vor ein paar Jahren mal überlegt ein Kleingewerbe anzumelden. Das ist dann aber daran gescheitert, dass ich die Fragen auf den Bögen einfach überhaupt nicht verstanden habe. Da stehen dann so lustige Fragen wie: Sind Sie Organträger? Ich würde das deutlich mit „Ja“ beantworten. Ich habe ja ein Herz, eine Lunge oder auch eine Leber, aber das wollten die dann irgendwie glaube ich nicht von mir wissen. Aber genau so hätte ich vielleicht einfach mal die Bögen ausfüllen sollen: „Ja, Organe vorhanden!“ Das Gewerbe hätte ich dann zwar nicht bekommen, aber vielleicht ein bisschen weniger Frust in mir gehabt, dass wir in Deutschland gefühlt für solche Anträge noch mal ein Studium absolvieren müssten.
Willkommen im Beamtendeutsch-Deutschland
Warum ist das eigentlich bei uns so? Und warum wird das nicht einfach mal einfacher gemacht? Oder warum gibt es kein Fach in der Schule, das mich auf solche lebenswichtigen Alltagsdinge vorbereitet? Wieso muss ich mir für alles Hilfe suchen von einem Steuerberater, Finanzberater oder Versicherungsberater? Aber wie komme ich überhaupt auf die Idee, dass man sich über solche Dinge mal Gedanken machen könnte, wenn wir in Deutschland schon festgelegte, amtsdeutsche Begriffe für zum Beispiel eine Schubkarre haben. Die wird nämlich hochoffiziell als „Einachsiger Dreiseitenkipper“ bezeichnet. Und Unkraut ist auch nicht einfach Unkraut. Das nennt sich „Spontanvegetation“. So, dass dürft ihr jetzt auch mal verdauen. Und allen, die grade auch vor einem Gewerbeantrag sitzen, wünsche ich frohes Organspenden.
#Beamtendeutschkannmichmal
