Das 23. Album der Altmeister von Deep Purple mit dem Titel =1 verdient unsere volle Aufmerksamkeit. 13 verdammt gute neue Songs.

von Friedrich W. Dittmann

Nachdem Willy, mein Kater, und ich das Album Song für Song durchgehört haben, zog die Katze ab in die Küche und widmete sich dem Trockenfutter in seinem roten Fressnapf mit den bunten Mäusen.

> Und, wie gefällt dir das Album? <

> Ganz interessant > erklärte er trocken und fraß weiter.

Wenn den Kater kennt, weiß man, dass er zu vorschnellen Urteilen neigt und ein Meister gepflegter Konversation ist. Die Beschreibung „interessant“ ist in seiner Wortwahl der kleine Bruder von Scheiße.

Das wird dem Album allerdings nicht gerecht.

Jetzt muss man wissen, dass Deep Purple seit ihren jungen Jahren immer zu unseren Lieblings-Kombos gehört haben. Ritchie Blackmore und Ian Gillan sind Alltime-Heroes. „Deep Purple in Rock“ ist ein Jahrhundertalbum und „Child in Time“ ein Jahrtausendsong. Schade, das Gillan den Song seit knapp 40 Jahren nicht mehr live singen kann, weil er mit der Stimme nicht mehr so hoch, wie erforderlich, kommt.

Zurück zum Album:

Wer hier so etwas wie Smoke on the Water, Black Night, Mistreated, Burn, Perfect Stranger oder Soldiers of Fortune sucht, wird enttäuscht. Das geht schon deshalb nicht, weil der geniale Ritchie Blackmore auf seiner Burg und nicht auf der Bühne zu finden ist. Als er noch seine Soli spielte hatten die Kumpels locker Zeit, auf die Toilette zu gehen, eine Bratwurst zu essen und noch eine Zigarette zu rauchen. Aber die Zeit für solche Soli ist lange vorbei.

Auf =1 sind aber durchgehend solide Rocksongs, perfekt produziert vom Altmeister Bob Ezrin. Was auffällt ist das durchgehend geile Gitarrenspiel des neuen Gitarristen Simon McBride. Steve Morse, sein Vorgänger, hat sich aus der Band zurückgezogen, um seiner kranken Frau beizustehen.

Ian Gillan, im August wird er 80, ist noch gut bei Stimme, auch wenn er die Höhen und das Ekstatische zwangsläufig verweigert. Seine alten Weggefährten Roger Glover am Bass, Ian Paice an den Drums und auch Don Airey an den Keys machen einen guten Job.

Um die Scheibe näher kennenzulernen empfehlen wir insbesondere Pictures of you, Aber auch I’ll catch you, If I were you und Portable Door sind stark.

Nach dem dritten Durchhören ist auch der alte Kater versöhnt. Also insgesamt eine absolute Kaufempfehlung.