Gerade mal wieder durch die Koblenzer Altstadt spaziert. Habe mich geärgert: Über die unnötigste Dauerbaustelle der Stadt: Das Münzmeisterhaus auf dem Münzplatz. Seit 15 (in Worten: fünfzehn) Jahren ist das historische Gebäude jetzt eingerüstet.

Und seitdem hören wir, dass es nun bald endlich losgeht mit dem Umbau/Ausbau. Diesmal aber wirklich! Mal hängt’s am Stadtrat, mal an der Verwaltung, mal am Investor, den Architekten,  dem Denkmalschutz. Seit Jahren geht das so. Man kann das Gemäkelt der Bedenkenträger nicht mehr hören.

Dabei war in dem Bau doch mal echt was los. Ältere Koblenzer erinnern sich noch daran, dass dort mal die Polizeiwache ihr Domizil hatte, das „erste Polizeirevier“ von Koblenz. Bei so viel ständiger Polizeipräsenz haben sich die Altstädter noch sicher gefühlt - im Gegensatz zu heute. Später residierte hier das Rote Kreuz - mit einer Begegnungsstätte mitten in der Altstadt. Tempi passati . . .

Generationen von Touristen sind mittlerweile an dem eingerüsteten Barockbau vorbeigeschleust worden. Ich bewundere unsere Stadtführer, die den Reisenden schönreden müssen, dass mitten im historischen Zentrum ein bauliches Kleinod vor sich hingammelt. 

Ich fürchte, wenn es nicht bald losgeht mit dem Bau am Münzplatz werden die Denkmalschützer erneut einschreiten: Weil dann das Baugerüst schon als historisch schützenswert gilt . . .

Bitte nicht missverstehen: Ich bin sehr für Denkmalschutz. Aber wenn der verwaltungsmäßig korrekte Schutz eines Gebäudes von 1760 dazu führt, dass es seit 15 Jahren hinter einem Gerüst verfällt, dann wird der Denkmalschutz ad absurdum geführt. Vielleicht sollten die Verwaltungsexperten mal den eigenen Auftrag wörtlich nehmen: DENK MAL!

Es spricht für sich, dass die Stadt den Bau auf ihrer Homepage versteckt. Wer auf der Koblenz.de-Seite nach dem Münzplatz sucht, findet zwar einen Hinweis, dass dort seit dem 11. Jahrhundert Münzen geprägt wurden. Aber dann ist nur noch von einem „Barockbau mit schlichter Putzfassade“ die Rede. Ein Foto des historischen Gebäudes? Fehlanzeige! Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ausgerechnet das Gebäude, das dem Münzplatz seinen Namen gab, wird fotomäßig peinlich verschwiegen. Ein Gerüst macht sich eben nicht gut im Tourismusprospekt . . .

Baustelle statt Barock - ein touristisches No Go! Da kann nur noch das Dauer-Gerüst an der Baustelle des geplanten Hotels in der Firmungstraße mithalten. Auch so eine optische „Augenweide“ mitten in der historischen Altstadt. 

Oder das historische Gebäude-Ensemble auf dem Florinsmarkt. Auf der großen Tafel vor der Florinskirche werden die Bauten rund um das ehemalige Mittelrhein-Museum als „eine der schönsten Gebäudegruppen von Koblenz“ gefeiert. Da muss sich jeder Tourist veräppelt vorkommen: Tür und Fenster mit Holzplatten verrammelt. Der Putz blättert. Die Buchstaben an der Frontseite zum Teil abgefallen. Auf dem Platz davor ein Dixie-Klo.

Und der Augenroller auf dem Giebel oben drüber: Er rollt mit Augen über diesen trostlosen Anblick.