Seit Freitag sind in Rheinland-Pfalz und damit auch in Koblenz endlich Sommerferien. Sechs Wochen keine Schule, was hab ich das als Kind geliebt. Wir waren fast täglich bei uns um die Ecke im Freibad meistens mit einer ganzen Meute, den „Bergkindern“, wie wir in Oberlahnstein genannt wurden. Was so selbstverständlich für uns war, wird momentan zum echten Problem für immer mehr Kinder und auch für ihre Eltern. Denn laut einer aktuellen Forsa-Studie die der DLRG in Auftrag gegeben hat, können 20% der Grundschüler gar nicht schwimmen, weitere 23% sind keine sicheren Schwimmer. Genauer gesagt können sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschulzeit nicht richtig schwimmen. Das sind 58% und das ist einfach viel zu viel.
Coronabedingt sind in den letzten Jahren die Kinderschwimmkurse ausgefallen
Das ist allerdings nur ein Grund, warum die Kids nicht den lebenswichtigen Schwimmunterricht bekommen. Schwimmen ist nämlich nicht nur ein Hobby, sondern in manchen Situationen einfach überlebensnotwendig! Ein weiterer Grund sind die ganzen maroden Schwimmbäder, die seit vielen Jahren einfach stark sanierungsbedürftig sind. Und so wie das in Koblenz mit den Brücken läuft, so funktioniert das auch mit den Schwimmbädern. Erst mal warten bis alle Schwimmbäder komplett kaputt sind und dann eventuell sanieren.
Wichtige Intensivkurse fallen wegen maroden Schwimmbädern einfach aus
So geschehen ganz aktuell am Montag auf dem Asterstein. Dort sollten eigentlich für die ersten beiden Sommerferienwochen täglich 4 Schwimmintensivkurse (jeweils 45min) stattfinden. Neben 59 anderen Kindern war auch das Kind einer guten Freundin für den Intensivkurs angemeldet. Als die Eltern jedoch ihre Noch-Nichtschwimmer am Schwimmbad an der Bienhornschule abgeben wollten, wurden sie mit einer bösen Überraschung empfangen. Die Stadt Koblenz hatte sich nämlich ganz kurzfristig dazu entschieden, das Schwimmbad mal eben in den Sommerferien zu sanieren. Und zwar so kurzfristig, dass die Kursanbieter (die selbst erst kurz vorher von der Sanierung erfahren haben) den Eltern vor der ersten Stunde nicht mehr absagen konnten.
Man stelle sich nun ganz kurz glückliche Kinder vor, die sich schon wahnsinnig auf den Schwimmkurs gefreut haben. Dazu die Eltern, die sich die täglichen Termine ja auch zeitlich im Vorfeld eingeplant haben. Wohlmöglich sogar noch mit der Intention, dass man das Gelernte direkt in der dritten oder vierten Schulferienwoche im Urlaub am Meer oder im Schwimmbad umsetzten könnte. Und dann kommt so eine Abfuhr? Auch das angebliche „Ausweichbad“ in der Goldgrube kann laut der Stadt Koblenz in den nächsten beiden Wochen nicht für die Intensivkurse zur Verfügung stehen. Damit fallen die Kurse für den Sommer einfach ersatzlos aus.
Es ist einfacher Taylor Swift Karten zu bekommen, als sein Kind für einen Schwimmkurs anzumelden
Ich habe da schon die wildesten Geschichten gehört, z.B. dass Eltern nachts um 23:59 vorm PC sitzen und nur darauf warten, dass um 0:00 Uhr die Kinderschwimmkurse online gestellt werden. Ganze Server durch den Ansturm lahm gelegt wurden und um 0:05 Uhr waren dann auch schon alle Plätze belegt. Meine Freundin hat mittlerweile den Überblick verloren auf welchen Wartelisten ihr Kind überall für einen wirklich wichtigen Schwimmkurs steht. Wie kann das denn sein, dass es in Koblenz neben maroden Brücken, einsturzgefährdeten Turnhallen in Schulen (wo teilweise dann auch ersatzlos der Sportunterreicht einfach ausfällt) jetzt auch keine funktionierenden Schwimmbäder mehr gibt?
Es gibt in Deutschland einen Bildungsauftrag. Zu diesem gehört auch der Schwimmunterricht in Grundschulen. Er steht sogar auf dem Lehrplan! Wieso wird das ignoriert? Wie viele Kinder sollen denn jedes Jahr noch ertrinken, bis sich etwas ändert? Wir brauchen funktionierende Schwimmbäder und genügend ausgebildete Schwimmtrainer! Und das jetzt!
Koblenz, du bist einfach zur Zeit kaum zu ertragen!
