Ich bin jetzt in einem Alter, indem der Verfall so langsam einsetzt. Andere haben Haarausfall oder Augenleiden, bei mir meldet sich seit einigen Monaten in bestimmten Situationen mein linkes Knie. Wenn ich versuche aufzustehen geht das nicht mehr, ich kann auf dem linken Bein nicht mehr stehen und gehen schon gar nicht. Ich habe das ganz klassisch erst mal abgetan und ignoriert, wie man das eben mit 41 so macht. Letzte Woche war es dann allerdings so schlimm, das mich ein Freund in die Notaufnahme gefahren hat. Da war ich in meinem Leben erst einmal, mitten in der Nacht, weil meine Mandeln so dick waren, dass ich damit Ping-Pong spielen konnte und leicht Paranoia hatte irgendwann im Schlaf einfach zu ersticken. Die Schmerzen waren irgendwann so stark, dass ich mich im Schlafanzug nachts um 3 Uhr ins Auto gesetzt habe und zur Notaufnahme gefahren bin. Davor war ich da noch nie und ehrlich gesagt wusste ich auch gar nicht wie Notaufnahme funktioniert – mit damals 38.
Notaufnahmen sind irgendwie unheimliche Orte
Am Donnerstag hatte ich dann meine zweite Erfahrung mit der Notaufnahme (die Erste war übrigens schon ein echter Horrortrip). Ich also rein in das ungeliebte Gebäude. Vor ein paar Monaten hatte ich ja schon mal darüber geschrieben, dass ich nicht das Gefühl habe, dass man in Krankenhäusern gesund werden kann, da es immer ekelhaft riecht (irgendwas zwischen Kotze, Leiche, und Dünpfiff) und die Krankenhausgestaltung zum weglaufen ist (wenn man nicht grade das Knie kaputt hat). Und das Gefühl stellte sich umgehend wieder ein, als ich das Foyer betrat. An der Rezeption habe ich erstmal gefragt : „Wohin mit mir?“ Die Dame am Empfang musterte mich nach dem Motto: „Die sieht aber nicht halbtot aus, ob das wirklich Not tut, dass DIE in die Notaufnahme muss?“ und zeigte mit dem Finger nach oben: „Erstes Obergeschoss“. Willkommen im Krankenhaus....
Schieres Chaos in der Notaufnahme
Oben angekommen das totale Chaos. Zig Patienten die random irgendwo rumstanden ohne behandelt bzw. überhaupt mal angesprochen zu werden. Dafür aber vier Krankenpflegerinnen die den Fuß eines alten Mannes gleichzeitig verbanden (der hatte wohl die Premium-Goldkrankenkassenkarte) und ich mittendrin. Unter dem DIN A4 Blatt mit der Aufschrift „Anmeldung“ stand ich ca. 15min bis sich eine extrem gestresste Krankenpflegerin auf mich zu bewegte mit der Frage: „Ist das auf der Arbeit passiert?“, ohne zu fragen was denn überhaupt passiert ist. Ich verneinte und wurde dann mit den Worten: „Dann müssen Sie runter zu Doktor Schniebelpip" (Name aus Datenschutzgründen von der Kolumnisten geändert). Ich also wieder runter an den erhöhten Tresen von Doktor Schniebelpips Rezeption. Zwei Damen mit leicht genervten Gesichtsausdrücken saßen irgendwo ganz tief unten hinter einer durchsichtigen Plastikscheiben und ließen mich erst mal warten. Dann die genervte Frage „Ja bitte?“. Als ich sagte, dass man mich von der Notaufnahme nach unten hier hin geschickt hätte, war ich froh, dass da die Plastiktrennwand zwischen uns war. Ein Gefauche: „Das ist ja wohl nicht wahr, das ist heute schon die Dritte!!!“ Öhm Mädels, ich kann euch hören, trotz Plastescheibe.
Kommen Sie morgen wieder
Auch hier wurde ich ohne zu fragen, was denn eigentlich mit mir los ist, auf den nächsten Tag vertröstet und weggeschickt. Zwar mit Termin, aber was wäre denn gewesen, wenn ich vielleicht wirklich etwas lebensbedrohliches gehabt hätte? Zusammenfassend will ich damit sagen, unser Gesundheitssystem scheint wirklich am Arsch zu sein und es wird nicht besser werden. Ende März wird voraussichtlich jetzt auch noch die Paracelsius-Klinik in Bad Ems schließen. Das bedeutet, auch die Lahnbewohner kommen dann demnächst in die die eh schon überfüllten Krankenhäuser nach Koblenz. Es ist dringend Zeit das was passiert und damit meine ich nicht peinliches Geklatsche am Fenster für das überarbeitete Krankenhauspersonal! Und eins steht für mich fest, das nächste Mal werde ich tatsächlich nur in die Notaufnahme gehen, wenn das Bein komplett abgefallen ist.
