Nach einem wunderschönen Wochenende in Kopenhagen, landete ich gestern mal wieder in der Notaufnahme in Koblenz. Dieses Mal mit einem Katzenbiss von meinem Kater Kinski. Da war der Name mal wieder Programm. Und ich sage euch, vergesst alles, was ich beim letzten Mal in meiner Krankenhauskolumne bemängelt habe. Es geht noch schlimmer!
5 ½ Stunden in der Notaufnahme zerfetzen einem die Nerven
Um 13 Uhr kam ich in der Notaufnahme an, nachdem mich einige Freundinnen schon gemaßregelt hatten, dass mit einem Katzenbiss nicht zu spaßen ist und ich bitte jetzt aufhören soll zu arbeiten und ins Krankenhaus gehen soll! Ich hätte easy noch ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und ein Kind zur Weltbringen können, bis ich endlich mal dran kam. In meinem 5stündigen Krankenhausaufenthalt hatte ich natürlich jede Menge Zeit, die man sich ja zuerst mal mit Handydaddeln vertreibt. In der heutigen Zeit gibt es ja mittlerweile überall freies Wlan, nicht so in diesem Koblenzer Krankenhaus. Zum Schnäppchenpreis von 3,00€(!!!) die Stunde können sich die Patienten die langweiligste Zeit ihres Lebens vertreiben. Geld verdienen am Patient ich könnte kotzen!
Defekt-Schilder in nahezu jedem Raum
Das Geld wollte ich dann lieber im Snackautomaten versenken, denn ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nichts gegessen. Einen richtigen Kiosk mit Menschen, wie man das sonst so aus Krankenhäusern kennt, gibt es hier selbstverständlich nicht! Der Automat mit der einzigen veganen Packung langweiliger Salzcracker ist natürlich defekt. Ich gehe zur Info (Zeit habe ich ja schließlich ohne Ende) und melde den defekten Automaten. Ich bekomme ein Achselzucken als Antwort. Wundert mich auch nicht wirklich, denn in fast jedem Raum hängt irgendwo ein Schild auf dem „Defekt“ steht. Zurück bei meinen Homies im Wartezimmer hat sich natürlich gar nichts getan. Es ist mittlerweile 16.30h. Ich hänge seit 3 ½ Stunden in diesem Laden fest ohne zu ahnen, dass da nochmal 2 Stunden drauf kommen werden. Gefühlt wurde von uns aus der Notaufnahme bis jetzt noch niemand behandelt.
Um 17 Uhr platzt mein Kragen
Die Mischung aus Hunger, Hitze (im Krankenhaus gibt es natürlich keine Klimaanlage) und zu langer Wartezeit bringt nach 4 Stunden mein sanftes Gemüt aus dem Gleichgewicht und ich melde mich erneut an der Dispo mit den Worten „Ich bin dann als Nächste dran!“ Die Vorzimmerdame schaut über ihre Brille und sagt frech zu mir “Sie haben eben NUR eine Katzenbiss“. Zum Glück ist der leitende Stationsarzt grade in der Nähe und fragt, wie lang ich schon warte und zieht mich direkt mit ins Behandlungszimmer. Er ist sichtlich geschockt, weil es eben nicht NUR ein Katzenbiss ist und sich in jeder weiteren Stunde die Bakterien tiefer in mein Bein fressen können. Ich werde zum Röntgen in den 1. Stock geschickt und frage mich ernsthaft, warum man das nicht hätte schon in den 4 Stunden machen können. In der Radiologie ist natürlich niemand. Hier fehlt eigentlich nur noch der Steppenläufer der durch den Wartebereich fegt. Und auch im 1.OG Defektschilder, kein Personal, dafür aber jede Menge Schmutz. Ich fühle mich richtig unwohl. Dann endlich werde ich geröntgt und auch relativ schnell behandelt. Währenddessen frage ich den Arzt, ob das ein ganz normaler Tag in der Notaufnahme ist und ob man immer so lange warten muss. Er nickt mit gesenktem Kopf und ich merke, dass auch er sich sichtlich unwohl mit der Gesamtsituation fühlt. Sein Assistenzarzt hat richtig Bock auszupacken und fängt an zu schimpfen über Personalmangel und fehlendes Equipment.
Nachdem ein großes Stück aus mir rausgeschnitten und dann zugenäht wurde, werde ich nach nur 10 Minuten Behandlungzeit wieder aus der Notaufnahme ausgespuckt. Keine Tetanusspritze, kein Antibiotika, keine Nachsorgeempfehlung. Ich fühle mich richtig elend. Es ist 18.25 Uhr und ich war ca. 5 1/2 Stunden in der Notaufnahme.
Nach einer richtig miesen Nacht mit fiesen Beinschmerzen, war ich dann noch mal beim Hausarzt. Pures Entsetzen, warum ich keine Tetanusimpfung geschweige denn Antibiotika bekommen habe.
Und wenn ich darüber nachdenke, habe ich ehrlich gesagt große Angst vor unserem desolaten Gesundheitssystem. Gleich habe ich noch mal einen Termin zur Wundversorgung…und irgendwie würde es mich nicht wunder, wenn sie das Bein einfach amputieren...Holzbein let's go!
#GesundheitwünschtNori
