Vorgestern gaben die Erfinder der „Pinkygloves“ das Aus für ihre Idee bekannt. Und zu diesem Thema möchte ich gerne auch noch meinen Ketchup (passt farblich ja auch besser) dazugeben.
Man stelle sich das alles mal vor was da in den letzten Wochen passiert ist: Zwei MÄNNER haben eine vermeintlich tolle Idee, um uns Frauen beim menstruieren zu „helfen“ und gehen zur Sendung „Höhle der Löwen“, um sich diese Idee finanzieren zu lassen. Wiederum ein MANN aus der Jury findet diese Idee genauso toll und will investieren!? Die Rechnung haben sie leider ohne die vielen Frauen und Socialmedia in Deutschland gemacht.
#pinkygate
Die sogenannten „Pinkygloves“ sollen uns Frauen vor dem (wie sich die zwei Erfinder das vorstellen) wahnsinnig ekelerregenden Kontakt mit unserem Mensblut schützen, indem man mit einem PINKEN (mehr Klischee geht kaum) Handschuh die Tampons oder Binden nach dem Entfernen ganz schnell verschwinden lassen kann. Quasi das Hundekackbeutelchen für die Frau. Für die „Erfindung“ haben sie 4(!!!!) Jahre gebraucht: Ein Handschuh-in Pink?! (Ironischer, langsamer Applaus).
Doch der Shitstorm mit dem Hashtag #pinkygate ließ nicht lange auf sich warten und das war auch mehr als berechtigt. Hätten die beiden nicht mal vorher ein paar Mädels in ihrem Freundeskreis fragen können, ob die Frauenwelt so etwas benötigt? Dann hätten sie diese pinke Schwachsinnsidee direkt sein lassen können. (Ikea hat dazu schon eine witzige Werbeidee gehabt,wie man im Kolumnenbild sehen kann).
Andererseits bin ich auch irgendwie froh, dass das alles so passiert ist, denn das Thema „MENSTRUATION“ (autsch, das schmerzt die männliche Leserschaft jetzt wahrscheinlich) ist auch in Deutschland immer noch dermaßen tabuisiert, dass endlich mal drüber gesprochen werden muss! Dabei haben wir Frauen am wenigsten Probleme damit.
Kosenamen, statt Fachbegriffe!
Wir haben sogar ganz viele Kosenamen für die „Erdbeerwoche“, das „Pflaumenfasching“, „Tante Rosa“ oder „Los Wochos“. Und natürlich haben auch einige Frauen damit zu kämpfen. Eine Herzensfreundin von mir hat z.B. nach eigenen Aussagen immer einen „Weltendschmerz“. Das kommt natürlich durch das Hormonchaos, andere Freundinnen stopfen permanent Süßes in sich rein, ich zum Beispiel habe gar nichts. Aber unterm Strich ekeln wir uns nicht davor – oder gar vor uns selbst! Und das ist der Unterschied. Die meisten Männer möchten entweder gar nicht über das Thema sprechen, oder ekeln sich zu Tode.
Im Beisein eines Freundes durften wir noch nicht mal das Wort „Tampon“ in den Mund nehmen, weil er sonst ohrenzuhaltenden und schreiend aus dem Raum gerannt ist. Woher kommt denn dieser Ekel von euch Männern zu etwas, mit dem ihr gar nichts zu tun habt, mit dem ihr euch gar nicht auskennt und was ihr nicht jeden Monat mitmachen und dafür auch noch bezahlen müsst? Und wie kommen dann ausgerechnet zwei Männer auf die Idee uns Frauen von diesem „Laster“ zu helfen?
Nachhaltige Hygieneartikel auf dem Vormarsch
Es gibt mittlerweile auch so viele unterschiedliche Hygieneartikel für die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Neben den Klassikern Binden und Tampons (in allen Formen, Farben, Größen, mit oder ohne Flügel), gibt es nämlich seit einiger Zeit auch nachhaltige Produkte, wie die Menstruationstasse oder die Periodenunterwäsche. Denn wir Frauen müssen den ganzen Kram nicht nur jeden Monat bezahlen, sondern machen uns auch Gedanken darüber, wie wir damit unsere Umwelt nicht noch mehr belasten. Die beiden letzten Artikel hätte ich sowas von gefeiert bei „Höhle der Löwen“, aber von diesen Alternativen wissen die wenigsten Männer überhaupt etwas. Hätten die zwei ideenreichen Frauenversteher sich damit im Vorfeld mal auseinandergesetzt, wäre schnell klar geworden, dass wir vermeintlichen Problembärinnen das alles nicht wollen und brauchen.
Zu menstruieren ist kostspielig
Eine Frau gibt pro Jahr ca. 580 Euro für Periodenprodukte aus. Statistisch gesehen bekommen Frauen etwa 450 Mal im Leben ihre Tage. Wir sprechen dann von 21.700 Euro, dafür, dass wir eine Frau sein zu dürfen. Das können sich bedürftige Frauen zum Beispiel gar nicht erst leisten. Deshalb machen sich seit vielen Jahren (Frauen)Organisationen dafür stark, dass diese Produkte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Schottland ist bisher das einzige Land, in dem die Hygieneartikel für Frauen kostenfrei sind. In Irland stellt der Discounter Lidl zumindest für Bedürftige regelmäßig kostenlose Tampons und Binden zur Verfügung. Und auch an Frankreichs Unis erhalten Studentinnen diese Produkte gratis.
Also liebe Männer (natürlich meine ich damit nicht alle, einige gehen echt goldig mit dem Thema um): Mit diesem geballten Wissen rund um die rote Woche, dürft ihr euch jetzt mal überlegen, ob es notwendig ist uns zu stigmatisieren, Witze zu reißen à la „dann stech ich halt ins rote Meer“ oder blödsinnige „Erfindungen“ auf den Markt zu werfen. Die meisten Freundinnen, die ich kenne, gehen eh ganz offen mit dem Thema um. Für uns ist es nämlich kein Tabu, das macht ihr damit! Also wenn ihr unsicher seid oder Fragen habt, dann fragt doch einfach mal!
