Herbert Grönemeyer ist vielseitig. Es macht Sinn, sich mit all seinen Liedern zu befassen, um ein umfassendes Bild zu bekommen.

von Friedrich W. Dittmann

Neulich auf dem Weg nach Canossa. Willy, mein Kater, auf nackten Pfoten und ich barfuß. Bis nach Italien schafften wir es natürlich nicht, sondern kehrten kurzfristig und klammheimlich an der Stadtgrenze zurück, um uns aufzuwärmen. Grund unserer geplanten Reise: Wir wollten Buße tun, wegen unserer Vorurteile gegen den guten alten Herbert Grönemeyer. Wir mochten ihn nicht so richtig. Willy war er teilweise zu kopflastig und hektisch und mir zu krawallig.

Da gab es auch einige Songs, die uns in unserer Haltung bestärkten. „Männer“, „Alkohol“, „Mambo“, „Doppelherz“ und einige andere sind an uns ohne Berührung vorbeigegangen, obwohl sie nicht schlecht gemacht sind. Irgendwann sind wir allerdings auf den anderen Grönemeyer gestoßen. Eigentlich mehr ein Zufall. Wir sind auf das Album mit dem Namen Schiffsverkehr gestoßen -erschienen am 18.03.2011- und der Kater meinte:

> Wie kann man einem Album so einen dämlichen Namen geben? <

> Man kann Mietze. Das ist die Kunst. Lass uns das mal anhören<

Wir hörten rein. Der Titeltrack war wenig bewegend. Irgendwann stießen auf einen Song mit Namen „Deine Zeit“. Wow, ganz, ganz großes Kino. Ein poetischer Text auf sprachlich höchstem Niveau und eine wunderschöne Melodie. Und siehe da, Grönemeyer kann singen, auch ohne irgendwelche hektischen Zwischentöne. Einfach nur gut.

> Sprichst du vom selben Glück. Du sehnst dich weit zurück und du schaust mich an. Deine Güte. Deine stille Herzlichkeit. Du kämpfst mit deiner Zeit. Du lächelst Schicksal an, lehnst dich sehr nah heran, Ohne Not und Wehr. Dein Zauber wirkt, nimmt alte Schatten fort und du behältst dein Wort. Bevor das Morgenlicht dich entführt, dieser Augenblick bricht. Unterschreib' mit weisser Tinte. Lass Kleingedrucktes überseh'n. Du darfst nicht geh'n <

Jetzt waren wir angefixt und suchten weiter. Es gibt in der Tat eine Reihe von Liedern, die sich meilenweit absetzen. Eigentlich hätten wir es wissen müssen. Schon 2002 hatte er mit „Der Weg“ zur Trauerbewältigung einen dauerschönen Song geschrieben.

Bei unserer Suche sind wir auf das Album „Tumult“ aus dem Jahr 2018 gestoßen und dort auf den Song „Warum“. Hier übertrifft er sich erneut bei den Lyrics und der Melodie.

> Fragst du dich auch, wenn dein Herz davonläuft. Fragst du dich auch, wenn der Boden sich verzieht Ob du verkehrt bist, ob nur du dich bereust? Warum gibt es dich? Warum singt keiner mit dir ein Lied? <

Es gibt tatsächlich noch eine Reihe von vergleichbarer Qualität.