Es gibt Diskussionen in Koblenz, da fällt Dir nix mehr ein. Der Dauerbrenner um die Schängel-Ampel ist so eine. Da streiten sich Stadtrat und Verwaltung seit Monaten um eine banale Frage: Darf auf ein paar Fußgänger-Ampeln der Innenstadt der Schängel abgebildet werden? Als Symbol für Koblenz und seine Einwohner. Streiche Ampelmännchen, setze unser Wahrzeichen. Ein bisschen Lokal-Kolorit im Straßenverkehr. Es würde Einheimischen und Touristen beim Warten an der Kreuzung ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Und es könnte so einfach sein. So wie in anderen Städten: Trier hat Karl Marx auf Ampeln. In Neustadt/Weinstraße ist die Weinkönigin drauf. Duisburg hat den Bergmann mit Licht. In Schwäbisch-Gmünd ist es ein Einhorn, in Mainz die Mainzelmännchen, in Friedberg (Hessen) Elvis Presley, weil er als US-Soldat dort stationiert war. Und und und ...

Aber was wäre Koblenz ohne seine Bürokraten. Sie legen dem Schängel Fesseln an. Er darf auf den Brunnen, er wird auf Schirme, T-Shirts und Gläser gedruckt - nur auf die Ampel darf er nicht. 

Die Begründung der Stadtverwaltung in feinstem Amtsdeutsch klingt wie Satire: „Die charakteristische Körperhaltung des Schängels gewährleistet die erforderliche Unterscheidung zwischen ‚Gehen‘ und ‚Stehen‘ nicht.“ Die Angst der Stadtoberen: Ein Fußgänger könnte die Ampel „z.B. bei bestehender Rot-Grün-Blindheit“ missverstehen und angefahren werden. Dann müsste die Stadt blechen. Im Bürokratie-Sprech klingt das so: „Sollte es zu einem Schaden infolge einer durch die Schängel-Ampel hervorgerufenen Irritation eines Verkehrsteilnehmers kommen, würden sich daraus haftungsrechtliche Konsequenzen für die Stadt ergeben.“

Da bleibt selbst dem Schängel auf dem Brunnen die Spucke weg! Wissen die nicht, dass man bei Rot-Grün-Farbschwäche selbstverständlich den Führerschein machen kann? Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass es massenhaft zu Unfällen wegen der Farbschwäche der Fahrer gekommen ist. Ganz abgesehen davon, dass wohl jeder das Ampel-Licht oben von dem unten unterscheiden kann. 

Jetzt der neueste Geistesblitz aus dem Rathaus. Klingt, als käme er direkt aus der Bütt beim Karneval. Weil die Schängel-Figur nicht aussieht wie „ein stehender Fußgänger“, kann er nicht für die rote Ampel verwendet werden. Für die Grünphase ginge es aber mit Schängel. In der Beschlussvorlage der Verwaltung liest sich das so: „Die Verwendung des ‚grünen Schängels‘ wäre möglich, die des ‚roten Schängels‘ nicht.“

Aaaalter . . . - so was kannste Dir nicht ausdenken.

Bei soviel Einsatz der amtlichen Bedenkenträger drängt sich unweigerlich der Eindruck auf: Es geht nicht ums Recht, sondern ums Rechthaben-Wollen. Die Verwaltung will diesen neumodischen Quatsch mit der Schängel-Ampel einfach nicht. Basta.

Es wäre so schön, wenn die im Rathaus mal genauso intensiv der Frage nachgehen würden, was geht, statt immer nur Gründe zu suchen, warum was nicht geht. Oder um es mit John F. Kennedy zu sagen: Frag als Verwaltung nicht, was die Bürger für dich tun können, sondern, was Du für die Bürger tun kannst.

Wundert sich da jemand im Rathaus wirklich darüber, dass die Verwaltung bei der jüngsten Bürgerbefragung so mies abgeschnitten hat? 42 Prozent der Koblenzer gaben beim Bürgerpanel 2023 an, dass sie der Stadtverwaltung „eher nicht“ oder „ganz und gar nicht“ trauen. Zwei Jahre zuvor äußerten sich nur 27 Prozent so negativ. Das nennt man wohl: Misstrauensvotum . . .!

„Das Bürgerpanel stellt für uns als Verwaltung und Politik eine Art Seismograph für das Meinungsbild der Bevölkerung dar“, erklärte Stadtchef David Langner zu den Zahlen. „Die Ergebnisse verstehen wir als einen Handlungsauftrag.“

Na dann mal los, Herr Oberbürgermeister: Stellen Sie die Schängel-Ampel auf grün!