Unlängst sind Willy, mein Kater, und ich über ein Album gestolpert, das unsere Aufmerksamkeit für sich einnahm. Es sah nach den 80ern aus, roch nach den 80ern, hörte sich nach den 80ern an. Es waren die 80er. Kein Wunder: Der gute alte Lou Gramm, aktiv in den 80ern, hat gut 25 Jahren nach dem letzten Soloalbum ein neues Album mit dem Titel „Released“, auf den Markt gebracht.
> Der ist so alt wie du, Alter Mann < lästert die Mieze.
> Ich bin nicht alt, du dummer Esel <
Zwischen Willy und mir passt kein Blatt, wenn es um die Meinung zu Foreigner geht. Wir haben die geliebt und lieben sie immer noch. Natürlich haben wir Tickets für die Tour dieses Jahr in der bunten Republik in der Tasche. Mick Jones und Lou Gramm waren für uns eins der kongenialsten Duos, die die Rockmusik jemals hervorgebracht hat. Titel wie „Waitin‘ for a Girl like you“, „Juke Box Hero“ und allen voran „I want to know what Love is“ verursachen auch nach 1000fachem Abspielen nach wie vor Gänsehaut.
Die beiden gründeten 1976 in New York Foreigner. In der Zeit bis 1994 brachten sie mit unterschiedlichen Mitstreitern sieben Alben auf den Markt, eins erfolgreicher als das andere. Die Verkaufszahlen alle im mehrfachen Millionenbereich. Es sah alles so aus, als ginge das immer so weiter. Ist es aber nicht.
Das Frühjahr 1997 war für Lou Gramm eine schicksalhafte Zeit. Kurz vor einer Japan-Tour plagten ihn starke Kopfschmerzen und Schwindel. Diagnose: Gehirntumor. Die gute Nachricht war, dass der Tumor gutartig war, er sich allerdings um den Sehnerv gewickelt hatte. Die schlechte, nach der 19stündiger OP war die Stimme weg und Teile des Gedächtnisses. Nach intensiven Behandlungen konnte er das Sprechen wieder lernen und konnte 1999 zur Band zurückkehren. Es lief nicht aber mehr. Die hohen Töne waren in weiter Ferne. 2003 zog er sich endgültig für eine Solokarriere zurück.
Foreigner touren noch heute, mit Kelly Hansen als neuem Sänger. Mick Jones war noch bis letztes Jahr dabei.
Und jetzt in 2026. Lou Gramm kommt mit einem neuen Album um die Ecke, dass so klingt, als sei die Zeit stehen geblieben. Sehr schöner Melodic Rock. Eine Nostalgiereise.
Nicht ohne Grund heißt eins der schönsten Lieder „Time heals the pain“. Eine Phrase, für man 5 Euro ins Phrasenschwein werfen muss. Im Übrigen eine Behauptung, die sowas von falsch ist und allenfalls für Minimalverletzungen reicht.
Auch die anderen 9 Songs sind absolut hörenswert. Kein brilliantes, aber sehr gutes Album.
