Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie machen vor allem Selbständigen zu schaffen. Viele kämpfen ums Überleben, aber gleichzeitig gibt es Menschen, die in dieser Zeit den Schritt in die Selbständigkeit suchen. Wie Melina Frohs, Physiotherapeutin aus Koblenz.

„Für mich war schon immer klar, dass ich mich einmal selbständig machen möchte in meinem Beruf“, sagt die frisch gebackene Selbständige Melina Frohs. „Ich will einfach unabhängig arbeiten, ohne, dass mir jemand vorgibt, wie mein Plan am nächsten Tag aussieht.“

Melina Frohs hat während ihres dualen Studiums zur Physiotherapeutin und danach drei Jahre im Angestelltenverhältnis gearbeitet. Bereits zum 31.Oktober hatte sie ihre letzte Stelle gekündigt und wollte sich dank eines Stipendiums eigentlich auf ihre Heilpraktikerprüfung und die Ostheopatieausbildung konzentrieren. Da der Lockdown es fraglich macht, ob die Prüfungen stattfinden können, hat sich die lebensfrohe Physiotherapeutin kurzfristig dazu entschieden, ihre Pläne für eine Selbständigkeit vorzuziehen. „Ehrlich gesagt habe ich den Entschluss erst gefasst, bevor ich einen konkreten Plan gemacht habe“ gibt sie offen zu. „Mittlerweile habe ich aber einen sehr guten Überblick über die Aspekte, die zu einer Selbständigkeit dazu gehören.“ Frohs hat infrastrukturell einen guten Fang gemacht: sie bezieht einen Raum in einer Praxis in einem Moselweißer Fitnessstudio, wo bereits viele Geräte und Ausstattung vorhanden sind. 

Als Außenstehender könnte man meinen, dass ihr Entschluss zur Selbständigkeit zur absoluten Unzeit kommt. Das Land befindet sich mitten in einem Lockdown und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht. Glück im Unglück hat die 25-Jährige aber zumindest ein wenig: Physiotherapeuten dürfen behandeln, sofern es medizinisch angeordnet ist. „Ein Freund von mir hat sich im ersten Lockdown auch als Physio selbstständig gemacht und ist damit sehr erfolgreich. Das hat mir Mut gegeben“, beschreibt Frohs ihren Entschluss. Denn Angst hatte sie auch: „Es gab natürlich Menschen, die aufgrund der aktuellen Situation ihre Bedenken geäußert haben, aber gleichzeitig habe ich extrem viel positives Feedback bekommen. Ich möchte mich immer weiterentwickeln und in jeder Herausforderung liegt eben auch eine Chance.“

Aktiv. Gesund. Leben.

Man sieht Melina an, dass ihr Beruf mehr als nur ein Job ist. Mit viel Leidenschaft erzählt sie von ihrer Behandlungsphilosphie und ihrem Motto: Aktiv. Gesund. Leben. „Mein Ziel ist es, dass Menschen langfristig auch zu ihrem Therapeuten kommen, wenn sie keine Beschwerden haben, sondern präventiv Unterstützung gesucht wird. Häufig habe ich das Gefühl wir behandeln in Deutschland erst, wenn es zu spät ist, anstatt uns bewusst für einen gesunden Lebensstil zu entscheiden.“ Termine vergibt sie auch aus diesem Grund nur für 60 Minuten. „Ich glaube, dass es Zeit braucht, bis man sich auf eine Person eingelassen hat.“

Ihre Patienten und Kunden davon zu überzeugen wird ihre erste große Challenge. Sie bezeichnet als ihre „größte Hürde“ in diesen Zeiten, die Patienten überhaupt anzusprechen, da viele Institutionen geschlossen sind. Dafür nutzt sie Social-Media-Kanäle und Mundpropaganda, um auf sich aufmerksam zu machen. Trotzdem ist sie auch froh darüber, dass ihr Berufsfeld bislang wenig von der Krise betroffen ist und überhaupt arbeiten darf.

Seit dem 01.Februar ist Melina Frohs ihre eigene Chefin. Ein mutiger Entschluss einer jungen Dame in einer Zeit, in der vieles Ungewiss ist.