Die von der Verwaltung kalkulierten Zusatzeinnahmen sprechen eine deutliche Sprache: Bis zu 750.000 Euro soll die neue Gebühr allein 2024 zusätzlich in die klamme Stadtkasse spülen. Da sie offiziell erst im März gestartet ist, dürften es also tatsächlich fast eine Million Euro im Jahr werden - viermal soviel wie bisher.
Dabei trifft die moderne Wegelagerei oftmals die Falschen. Hört sich gut an, wenn die Park-Gebühr künftig von Klein nach Groß gestaffelt wird. Da denkt jeder an den SUV-Bonzen. Der soll ruhig mehr bezahlen, als der Rentner für seinen ollen Golf. Aber leider belastet die Gebühren-Kalkulation nach Länge und Breite der Autos auch Familien. Für ihren Kombi sind künftig über 200 Euro fällig, ebenso für den VW-Bulli zum Transport der Kinderschar.
Hält die Stadt das etwa für besonders familienfreundlich? Immerhin sind mindestens 6000 Koblenzer von den Mehrkosten betroffen. Das werden nicht alle Millionäre sein.
Ganz abgesehen von einem echten Denkfehler der Stadtoberen. Maßgeblich für die Gebühr soll laut Lesart der Verwaltung „die tatsächlich in Anspruch genommene Straßenfläche“ sein. Aber: In vielen Anwohner-Bereichen der Stadt wie z.B. in Ehrenbreitstein (übrigens nicht als Millionärs-Stadtteil bekannt) gibt es fest markierte Parkbuchten. Da nehmen alle Autos - egal ob Dickschiff oder Mini - den gleichen Straßenraum in Anspruch. Hmmmm, gleicher Parkraum, unterschiedliche Gebühren - wenn das mal nicht ein Fall von Ungleichbehandlung ist . . .
Wäre ehrlicher von der Stadtspitze, wenn sie den Bürgern den Gebührenwucher mit der Finanznot erklären würde, statt sich hinter einer neuen Landesverordnung zu verstecken.
Mit dem Parken lässt sich eben relativ schnell mehr Geld scheffeln. Allein in diesem Jahr rechnet die Stadt mit Einnahmen von drei Millionen Euro nur an „normalen“ Parkgebühren für Stadtbesucher. Wer eben mal mit zum Einkaufen fährt, muss inzwischen schon eine dicke Brieftasche haben - oder besser einen dicken Geldbeutel mit viel Kleingeld. 1,50 Euro pro Stunde Parken in der Innenstadt - ganz schön happig. So treibt man Einkaufswillige in die Fänge der Online-Shops.
Passt irgendwie nicht zusammen, Autofahrer mit fetten Parkgebühren den Stadt-Besuch vergraulen und in Sonntagsreden die Verödung der Innenstadt beklagen. Früher - als das Parken noch umsonst oder erheblich preiswerter war - gab es jedenfalls weniger Leerstände in der Fußgängerzone.
Zugegeben, wir wollen nicht zurück zu den „goldenen“ Zeiten für Koblenzer Autofahrer. Damals als wir in den 80ern noch durch die ganze Altstadt cruisen und sogar auf dem Jesuitenplatz parken konnten.
Sorglos Flanieren in den autofreien Gassen wollen wir nicht mehr missen. Und das Italo-Feeling beim Kaffeetrinken und Eisessen auf den Innenstadt-Plätzen wäre in abgasgeschwängerter Luft auch nicht angenehmer.
Allerdings wundere ich mich schon, warum immer wieder ausgerechnet dicke Protzkarren in der Fußgängerzone z.B. am Görresplatz parken. Gilt das Halteverbot für sie nicht? Und das sonst so aufmerksame Ordnungsamt scheint sich auch nicht sonderlich dafür zu interessieren. Dabei wäre da doch richtig was zu kassieren . . .
