Die Rolling Stones überraschen mit 'Hackney Diamonds', einem Album, das musikalische Brillanz mit kraftvollen Texten vereint, und beweisen, dass Rock'n'Roll keine Altersgrenze kennt.

von Friedrich W. Dittmann

Stoppt alle Diskussionen über das Alter. Keine Betrachtungen mehr, ob man mit 80 noch auf der Bühne abrocken kann oder besser in ein Seniorenheim zieht. Alles für die Katz (sorry Willy). Die Rolling Stones haben alle Skeptiker am langen Arm verhungern lassen und ein geniales Album veröffentlicht.

Über Jahrzehnte feierten die eingefleischten Stones-Fans die genialen Live-Auftritte der Stones und ärgerten sich allenfalls über die Eintrittspreise. Gelegentlich machten die Herren auch ein neues Album, das letzte mit eigenem Material vor 18 Jahren. Die Fans kauften eher gelangweilt, um ihre Sammlung vollständig zu halten. Quasi Pflichtaufgabe. Nix Neues.

Am 20. Oktober kam alles anders. Hackney Diamonds. Ein Album mit einer außergewöhnlichen Strahlkraft. Mick Jagger im Gesang so variabel wie lange nicht mehr. Keith Richards und Ronnie Wood an den Gitarren unisono auf hohem Niveau. Bedauerlich, dass Charlie Watts 2021 verstorben ist. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Steve Jordan kommt an den Drums deutlich härter rüber.

Der erste Song Angry reist noch nicht richtig mit. Klingt ein wenig wie Start me up. Der richtige Rock Hammer ist Bite my head off, bestens geeignet für eine Live-Performance. Am Bass kein geringerer als Paul McCartney, auch schon im 80-er Club.

Keith Richards darf wie auf allen Alben auch hier einen Song selbst singen. Mit Tell me straight macht er das außerordentlich gut.

Bei Whole Wide World bekommen die Kritiker ihre Ansage.

> When the whole wide world's against you, and that got you on the run. And you think the party is over. But it's only just, only just begun <

Auch auf hohem Niveau Depending On You. Streichersätze und eine intensive Steelguitar. Jagger singt: I’m too young for dying and to old to lose.  Auf diesem Level wird der Meister niemals losen. Never ever.

Kommen wir zu unserem Favoriten. Willy, mein Kater, und ich haben dafür Sweet sounds of heaven auserkoren. Eine wunderbare bluesige Nummer. Bei der Stevie Wonder und Lady Gaga im Hintergrund mitwirken. Wunderbare 7:22 Minuten, insbesondere, wenn Jagger und Lady Gaga sich am Schluss gesanglich duellieren. Erinnert ein wenig an die Liveversionen von Gimme Shelder, bei denen Lisa Fisher mitsingt.

Das Album ist ein Muss. Nie war der Satz It’s only Rock’n’roll, but I like it richtiger.