Den Sommer haben Willy, mein Kater, und ich in vollen Zügen genossen. Plötzlich ist der Herbst gekommen. Nicht jener, den die Indianer Indian Summer nennen, mit Sonnenstrahlen im Gesicht und bunten Blättern. Nein, nur Matsch, Nebel und Nieselregen. Der Kater ist stocksauer. Kein Vogel mehr zum Fangen und die Mäuse präferieren ihre tiefen Mauselöcher.
Bei mir schlägt das mehr aufs Gemüt. Ich bin froh, dass ich den nervigen Kater habe, der mich bei Laune hält. Ansonsten würde das hässliche Gespenst namens Einsamkeit über mich herfallen.
Wir widmen unsere Zeit dann gerne dem Godfather der gesungenen Traurigkeit, Nick Cave. Da Corona wieder ante Portas steht, liegt es nahe, das wunderschöne Album Carnage (Massaker) mit dem noch schöneren Song „Albuquerque“ anzuhören. Das Album entstand 2021 im Zusammenwirken mit seinem kongenialen Partner Warren Ellis in der Mitte der Coronazeit mit den Lockdowns und anderen Einschränkungen. Außerdem litt Nick Cave nach wie vor unter den seelischen Folgen des Verlustes seines tödlich verunglückten Sohnes Arthur.
Schon die ersten 16 Töne von „Albuquerque“ ziehen einen vollständig in den Bann
> We won't get to Amsterdam or that lake in Africa, darling. And we won't get to anywhere.
Anytime this year, darling.
We won't get to anywhere, darling, unless I dream you there. We won't get to Albuquerque.
Anytime this year. We won't get to anywhere, darling, unless you take mе there, darling <
Es ist nicht so, dass wir unbedingt nach Amsterdam wollen und schon gar nicht an den See in Afrika (Wahrscheinlich der Viktoriasee). Auch Albuquerque, jene Stadt in New Mexiko, zieht uns nicht an. Letztere wird von Trump gelegentlich sicher in New America umgetauft.
Nein, es ist die Sehnsucht endlich wieder frei atmen zu können, hingehen zu können, wo immer man will und dass die Traurigkeit, die sich manchmal wie ein Schleier über einen legt, endlich verschwindet.
Willy, leicht genervt, pflegt dann regelmäßig Jan Delay zu zitieren:
> Im Großen und im Ganzen haben wir allen Grund zum Tanzen. Also stell dich nicht so an, alter Mann <
Die Mieze hat mal wieder recht.
Das Album Carnage enthält eine Reihe weiterer toller Songs, wie „Lavender Fields“, „Balcony Man“ und „Old Time“. Es schließt qualitativ an Ghosteen, das Meisterwerk aus 2019, an. dass in einem noch engeren zeitlichen Zusammenhang zu Arthur Caves Tod steht.
