Unlängst, als ich für einige Tage ins Krankenhaus musste, brachte Willy, mein Kater, mir als Trostpflaster eine CD mit: Die letzte CD von Nino de Angelo „Irgendwann im Leben“. Nachdem ich ein wenig konsterniert blickte, meinte er lakonisch:
> In deinem Alter sollte man sich von Vorurteilen getrennt haben, alter Mann. Im Übrigen, wie ist das so, wenn man das OP-Laibchen überstreift? <
> Willy, mein einziger Freund, das willst du nicht wissen. Wenn du mit dem Rücken an der Wand stehst und eine OP vor dir hast, fühlt du dich bescheiden. Du hast alle Strohhalme, die du finden kannst, mitgebracht und in Sekunden jeden Einzelnen verbraucht. Den Rest an Mut verbrauchst du, um Ruhe auszustrahlen, damit dich keiner für einen feigen Honk hält. Am Ende bist du froh, wenn es endlich losgeht. Comprende Hombre < Willy guckt mit seinen großen grünen Augen und schweigt, was eher selten ist.
> Bleib mal locker, alter Mann, solange das Essen schmeckt, geht die Reise weiter. <
>Aha, wenn du meinst, Mieze <
Wie kommen wir dazu, die Geschichte zu erzählen?
Nino de Angelo hat außer „Hängen“ alles schon erlebt. 1963 in Karlsruhe geboren, zog er nach der Scheidung der Eltern mit der Mutter nach Köln und begann früh mit seiner Gesangskarriere. Unabhängig von seinen Erfolgen, erwischte es ihn persönlich heftig:
In den 90ern Lymphknotenkrebs, 2009 die Autoimmunerkrankung ITP, 2016 zwei Bypässe, außerdem noch COPD. Nimmt man die zwei Privatinsolvenzen dazu, kann man schon mal seine Sichtweise ändern und ein nachdenkliches Album schaffen. Das ist dem Sportsfreund mit „Irgendwann im Leben“ gelungen. Schon der Vorgänger „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ war gut.
Natürlich ist das Ding nicht ganz frei vom schlagererprobten Discobeat und die Texte mit einem Hauch von Klischees behaftet. Wichtiger ist, dass der Kerl singen kann und seine „Geisterfahrt“ nicht nur in schöne Melodien, sondern auch bewegende Worte gefasst hat. „Dämonen“ ist der Hammer. „Zu spät“ oder „Irgendwann im Leben“ sind schon sehr gut.
Dass er nicht in der Deutsch-Rockszene etabliert ist, hat er sich eigentlich selbst zuzuschreiben, durch seine ständigen Auftritte in Schlagersendungen. Schließlich hat er auch sehr überzeugende Aufnahmen mit Gothicgrößen wie Joachim Witt und dem Rammstein-Sänger Till Lindemann gemacht.
