Wenn du lernen willst, Miezekatze, dass Erfolg nur auf Beharrlichkeit und ein wenig Glück basiert, dann musst du dieser Tage in die deutschen Stadien gehen und zuhören, wie 60- bis 80.000 Leute „Völlig losgelöst“ singen. Denk an letzten Samstag im Signal Iduna Park in Dortmund. Ein unglaublicher Chor am Ende des Spiels. Da hat uns auch der Regen nichts ausgemacht.
Du musst nicht schon beim Frühstück über Gott und die Welt dozieren, alter Mann, meint Willy, mein Kater.
Ist halt mein Hobby, außerdem hört mir sowieso außer dir keiner mehr zu und du musst das wegen der Ernährung.
Dann lass die Geschichte zum Song schon raus.
Peter Schilling wurde 1956 in Stuttgart geboren und verbrachte Teile seiner Jugend im Waisenhaus. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. 1970 wurde seiner Großmutter das Sorgerecht zugesprochen, nachdem die Mutter einen Selbstmordversuch begangen hatte.
Damals, 14 Jahre alt, hatte er die Möglichkeit, beim VFB Stuttgart in der Jugendabteilung einen Vertrag zu unterschreiben. Davon nahm er Abstand, da er lieber in der Musikbranche Fuß fassen wollte. 1979 kam seine erste Single heraus. Er war mitten in die unsägliche Neue Deutsche Welle, die wir gerne links liegen lassen wollen, geraten. Es wurde jede Menge Schrott produziert. Außer Peter Schilling hat dies letztendlich nur Joachim Witt überlebt, der sich enorm weiterentwickelt hat.
Februar 1983 war es dann soweit. Schilling hatte sich vorgenommen, aus den Wörtern „völlig losgelöst“ einen Song zu gestalten. Er brauchte nur die passende Story. Damals liebte jeder Rockfan völlig zurecht David Bowie, dessen größter Erfolg „Space Oddity“ die Geschichte vom Astronauten Major Tom erzählt, der im Weltraum die Leitungen kappte und in die Unendlichkeit schwebte. Das übernahm Schilling kurzerhand und fertig war „Major Tom (Völlig Losgelöst). Keine Frage, der Song marschierte auf Nummer 1 der Charts und wurde ein Welthit.
Danach war erst einmal Feierabend mit ganz großen Hits. Schilling komponierte bis in die jüngste Zeit jede Menge Lieder, ohne dass Vergleichbares dabei herauskam. In den 90ern litt er lange an einem Burnout und war endgültig aus dem Tritt.
Die EM in Deutschland brachte das Happy End. Die Leser einer Zeitung wählten „Völlig Losgelöst“ zum EM-Song. Der Rest ist bekannt. Die Menschen in den Stadien schmettern den Song aus voller Kehle mit.
Wenn man heute Peter Schilling zuhört, wie er mit dem späten Erfolg umgeht, ist das sehr bewegend. Statt jetzt groß aufzutrumpfen, ist er erfüllt von großer Dankbarkeit und Demut. Irgendwie freut man sich mit ihm.
