Die Reihen lichten sich immer mehr. Fast täglich gibt es neue Todesnachrichten aus der Welt des Rock‘ n‘ Roll. Letzte Woche ist Marianne Faithfull im Alter von 78 Jahren gestorben.

von Friedrich W. Dittmann

> It is the evening of the day, I sit and watch the children play. Smiling faces I can see, but not for me, I sit and watch as tears go by <

Marianne Faithfull, geboren1946 in London, war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie 1964 mit ‚As tears go by‘ einen ersten großen Hit hatte. Geschaffen hatten den Song keine geringeren als Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones. Selbst gespielt hatten sie den Song erst viele Jahre später. Die sanfte Ballade mit traurigem Text war ihnen damals nicht hart genug. Marianne Faithfull veredelte ihn damals mit ihrer emotionalen Stimme.

Bis zum Ende der 60er Jahre dauerte ihre Liebesbeziehung zu Mick Jagger an. Gleichzeitig versank sie immer mehr in ihrer Drogensucht, wurde heroinabhängig. Ihre Drogenabhängigkeit hatte sie bereits im Text zum Song „Sister Morphine“ 1969 verarbeitet, den sie zusammen mit Jagger und Richards geschrieben hatte. Die Zeilen: “What am I doing in this place? Why does the doctor have no face?” sind den Stones-Fans bis heute noch erinnerlich.

Nach dem Ende der Beziehung zu Mick Jagger ging es endgültig bergab. Die Drogensucht brachte sie zeitweise ins Gefängnis und zu 2 Jahren Leben als Obdachlose auf der Straße.

Umso bemerkenswerter war ihre Wiederauferstehung in den 80ern. Nach längerer Pause erschien 1979 ihr Album „Broken English“. Ihre Stimme hatte sich vollkommen verändert. Von lieblich hoch in rauh und tief verwandelt. Neben dem Titeltrack und dem Cover von Lennons „Working class Hero“ herausragend „The Ballad of Lucy Jordan”. Die Geschichte einer verträumten frustrierten Ehefrau, die mit 37 Jahren bemerkte, dass sie noch nie mit einem Sportwagen und wehender Mähne durch Paris gefahren war.

In den nächsten Jahrzehnten folgten eine Reihe guter Alben bis zu dem Höhepunkt im November 2018 mit „Negative Capability“.  Sie deklarierte es als ihr ehrlichstes, was in den Songs auch gut rüberkam. „As tears go by“ (neu aufgenommen) findet sich ebenso wieder wie Bob Dylans „It’s all over now, Baby Blue”.

Auch Paris findet sich wieder. „No Moon in Paris“ ist der beeindruckendste Song des Albums:

> Everything passes, everything changes. There's no way to stay the same
As we love, and so above. The only thing that stays the same is love <

Ihre Stimme war zu der Zeit bereits gebrechlich geworden, was die Songs allerdings nur überzeugender machten.

In der Covidzeit ging es mit ihr gesundheitlich endgültig bergab. Eine Lungenentzündung wurde 3 Wochen im Krankenhaus behandelt. Die schweren Lungenschäden und Long Covid verfolgten sie bis zu ihrem Tod am 30.01.25.