Man kennt’s: noch schnell den Bus erwischen oder beim Einkaufen mal wieder zu schwer beladen und dann knickt man zu allem Übel auch noch um. Die Sprunggelenksdistorsion zählt zahlenmäßig zu den häufigsten Verletzungen. Ursache ist meist das plötzliche Umknicken des Fußes nach innen, seltener aber auch nach außen. Dies kann beim Sport, auf unebenem Untergrund oder selbst im Alltag passieren. Die Gelenkkapsel wird überdehnt, die angrenzenden Knochen gestaucht und Bänder können überdehnen oder sogar reißen. Aufgrund der besonderen Anatomie des Sprunggelenkes sind meist die drei äußeren Seitenbänder betroffen.
Nach einer Sprunggelenksdistorsion ist es zunächst wichtig, das betroffene Gelenk zu schonen und zu entlasten. Direkt nach der Verletzung empfiehlt sich daher die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression und Hochlagerung. Direkte Belastung sollte zunächst vermieden und das Gelenk mit Coolpacks in einem Handtuch oder einer Kühlmanschette gekühlt werden. Ein leichter Kompressionsverband mit einer elastischen Binde und konsequentes Hochlagern verhindern ein allzu starkes Anschwellen, was häufig die Hauptursache von Schmerzen darstellt. Vermeiden Sie 4-5 Tage nach der Verletzung größere Belastungen und übermäßige Bewegung, um eine rasche Heilung zu unterstützen.
Ein sofortiger Arztbesuch ist in der Regel nicht notwendig. In zwei Fällen sollte der Arzt allerdings doch aufgesucht werden: Wenn es zu Blutergüssen (Hämatomen) über dem Gelenk kommt, sollte ein Bänderriss ausgeschlossen werden. Falls das Gelenk auch nach Abklingen der ersten Beschwerden aufgrund von Schmerzen nicht belastbar ist, so muss ein Knochenbruch (Fraktur) ausgeschlossen werden. Dies geschieht in der Facharztpraxis zumeist durch eine eingehende Untersuchung sowie eine Röntgenaufnahme. Zur Therapie kommen neben den genannten Erstmaßnahmen zunächst meist spezielle stabilisierende Manschetten oder Bandagen zum Einsatz.
Um eine (erneute) Verletzung zu vermeiden, können bereits im Alltag Maßnahmen ergriffen werden. Anstatt Flipflops und Sommersandalen hilft bereits geeignetes Schuhwerk mit einer Formeinlage, den Fuß zu stabilisieren. Auch ein Training der Unterschenkelmuskulatur, z.B. durch Hin- und Herwippen zwischen Fußspitze und Ferse, kann helfen die Stabilität des Sprunggelenks zu verbessern. Gerade bei Wanderungen sollte auf einen sicheren Untergrund geachtet und riskante Bewegungen vermieden werden.
Priv.-Doz. Dr. Philip Rößler, Experte für Sportorthopädie im Gelenkzentrum Mittelrhein rät: „Egal ob Alltag oder Sport, unsere Füße tragen uns sicher durchs Leben. Damit das gelingt, sollten wir vor allem bei anspruchsvollen Belastungen auf das richtige Schuhwerk achten. Eine orthopädische Laufbandanalyse kann dabei helfen Risikofaktoren aufzudecken und die Wahl des richtigen Schuhs oder einer passenden Einlage zu erleichtern. Ob Akutverletzung oder chronische Instabilität des Sprunggelenkes: Betroffene sollten sich im Zweifel immer den Rat eines Spezialisten einholen.“
