Es ist mal wieder an der Zeit über einen Mann zu sprechen, der als Singer/Songwriter seit sehr langer Zeit unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit hat und auch verdient: Tom Waits. Von seinen wundervollen Songs gibt es unzählige Coverversionen, die aber nie an das Original heranreichen.

von Friedrich W. Dittmann

Neulich lümmelten Willy, mein Kater, und ich auf dem Sofa und zappten bei YouTube. Der Kater bei einem Schälchen Milch und ich mit einem Glas italienischen Chardonnay. Irgendwann kamen wir bei Tom Waits an; bei seiner Liveversion von „Tom Traubert’s Blues“, besser bekannt als „Waltzing Matilda“.

Wir lauschten gebannt dem kleinen Mann mit seinem komischen Hut. Er klang wie immer, als sei er sturzbetrunken und habe im Whisky gebadet und hätte zudem auf dem Weg zur Bühne noch eine Tüte Reisnägel verschluckt. Was für ein Mann, was für eine Stimme. Unglaublich schön.

> Wasted and wounded, it ain't what the moon did. I've got what I paid for now. See ya tomorrow, hey Frank, can I borrow a couple of bucks from you? To go Waltzing Matilda, Waltzing Matilda, you'll go Waltzing Matilda with me <

Ganz großes Kino. Unbedingt anhören und Text mitlesen. Tom erzählt von einem Mann, der völlig mittellos in einem fremden Land gestrandet ist und keine Chance hat, nach Hause zu kommen.

>Wenn du so singen könntest, Alter Mann, dann hättest du nicht als Anwalt dein Geld verdienen müssen“, meint Willy und grinst. „Sprich mit meiner Hand, dumme Katze! So wie Tom Waits singt, singt niemand <

Tom Waits wurde 1949 in Pomona, Kalifornien, geboren. Bekannt wurde er in den späten 60ern. Seine Alben haben viele Einflüsse; Rock, Jazz, Blues und Folk. Das Lieblingsalbum von Kater und Kolumnist ist Rain Dogs aus 1985. Das sollte man haben, wenn man den Kerl mag.

Zurück zur Waltzing Matilda. Heerscharen von Musikkritikern haben sich versucht, den ebenso poetischen wie kryptischen Text zu interpretieren. Letztlich befasst sich Waits mit seinen Erfahrungen als Soldat in Korea.

Es gibt eine Menge religiöser Anspielungen, primär auf Jesus Christ. Der Name Matilda bedeutet „Mächtig im Kampf“. Der Mann, den Tom Waits beschreibt, hat längst alle seine Kämpfe verloren. Es ist die Rede vom Verlust des Glücksbringers > I lost my Saint Christopher < und von Wunden, die niemals heilen werden >And it's a battered old suitcase to a hotel someplace, and a wound that will never heal< und finalisiert mit der Kapitulation:

>No Prima Donna, the perfume is on. An old shirt that is stained with blood and whiskey.
And goodnight to the street sweepers, the night watchman flame keepers and goodnight to Mathilda too<

Wie gesagt, ganz, ganz großes Kino.