Und wieder stirbt eine Institution in Koblenz. Die Königsbacher Brauerei gibt’s bald endgültig nicht mehr. Insolvenz. Ausverkauf des Inventars. Der Letzte macht das Licht aus. Traurig irgendwie. Das 72 Meter Hochhaus gehörte zu Koblenz wie der Kaiser Wilhelm auf das Deutsche Eck.
Ich erinnere mich, wie wir als Kinder staunend vor dem Riesen-Bau mit dem Königsbacher Schriftzug standen. Ein, zwei Mal im Jahr fuhren wir mit den Eltern im Käfer zum Essen auf die Königsbach. Es war immer etwas Besonderes. Wir Kinder bekamen Malzbier, die Eltern tranken Pils.
Und immer, wenn wir am Sudhaus vorbeifuhren, fragten wir uns, was wohl in den riesigen Kupfertöpfen hinter dem großen Schaufenster vor sich ging.
Jetzt stehen die Kupferhauben für Maische und Würzbottiche im Internet zum Verkauf. Startpreis der Auktion: 8000 Euro! Eigentlich müsste die Stadt sie kaufen und als Industriedenkmäler ausstellen.
Ein Trost für die Biertrinker, dass es das Koblenzer Bier weiter trotzdem geben wird. Aber es wird nun am Niederrhein gebraut. Das erinnert an den Werbespruch: Raider heißt jetzt Twix - und Koblenzer Bier kommt nun aus Krefeld . . .
15 Millionen Liter Bier fasste das Tankhochhaus an der Königsbach. Also gerade genug, um die Schängel eine Woche mit Gerstensaft versorgen . . . Scherz! Damals trank man jedenfalls noch Bier, nicht wie heute, wo es chic ist, dass Matcha Chai Latte und Minze-Holunder-Limo auf der Getränkekarte stehen.
Aber es gibt ja auch kaum noch Koblenzer Kneipen. Dafür haben wir jetzt Dönerbuden und Shisha-Bars an jeder Ecke. Und zum Essen gehen wir nicht mehr ins Gasthaus, das seine Küche mit dem Titel „gut bürgerlich“ schmückte. Stattdessen gehört jetzt selbst auf dem Plan die Bulette im Brötchen zum Alltag – also gut Burger-lich.
Klar, die Zeiten ändern sich. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Aber ein bisschen Wehmut muss doch erlaubt sein, wenn Koblenz seine Bier-Tradition nach 335 Jahren beerdigt.
Hinweis der Redaktion: Die Auktion im Internet läuft noch bis Dienstag, 2. April. Mehr als 360 einzelne Posten stehen/standen zum Verkauf.
