Zu Besuch bei Marius Müller-Westernhagen in der Lanxess Arena in Köln. Letzte Woche war Willy, mein Kater, zusammen mit mir und meiner Königin in Köln um Marius Müller-Westernhagen zu hören und zu sehen.

von Friedrich W. Dittmann

Letzte Woche war Willy, mein Kater, zusammen mit mir und meiner Königin in Köln um Marius Müller-Westernhagen zu hören und zu sehen.

Schon auf dem Weg war Willy aufmüpfig und sang lauthals Sexy:

Sexy, was hast du bloß aus diesem Mann gemacht?
Sexy, was hat der alte Mann dir denn getan?
Sexy, wo warst du bloß, als er nachts aufgewacht?
Sexy, das tut dem alten Mann doch weh

Noch einen Ton, Mieze und zu fliegst auf der A3 hochkant aus dem Auto. Dann weißt du was sexy und alter Mann ist.

Er grinst: Beleidigte Leberwurst.

Mit über 15.000 Zuschauern erwartete uns die Lanxess Arena vollständig ausverkauft, die Bühne noch abgedeckt mit einem Rüschenvorhang. 20:05 Uhr noch kein MMW. Aus den Boxen dröhnt die Stimme von Lou Reed „Waiting for my Man“. Eine unserer Alltime-Favourites, also schon mal ein Stimmungshoch.

Gegen Schluss der Nummer fällt der Vorhang und Westernhagen intoniert sein Alphatier. Wer sein Leben, wie der Kolumnist, als Seelenverwandter von Ich will zurück auf die Straße über Theo gegen den Rest der Welt bis heute verbracht hat, der weiß genau, dass MMW alles andere als ein Alphatier ist.

Die zehnköpfige Band, die er aus der obersten Schublade bester Musiker zusammengestellt hat, liefert die Begleitung vom Feinsten. Über Ich will hier raus, Fertig, den guten alten Taximann arbeitet er sich durch bis Es geht mir gut. Wenn man ihn so sieht, mit nach wie vor fester Stimme, glaubt man ihm die 75 Jahre nicht ansatzweise.

Dann kommt der Moment, für den sich allein jeder Cent der nicht billigen Tickets gelohnt hat. Dem Kater fällt das Knabbergebäck aus den Pfoten direkt auf den Schoß seiner Nachbarin. MMW nimmt Platz, greift zur Akustikgitarre und kündigt leicht verschämt ein Stück aus seinem letzten Album Das eine Leben an: Wahrheit.

Ein wunderschönes Lied, mit einer faszinierenden Melodie und einem Text der einem nicht mehr aus dem Kopf will:

Eigentlich bin ich gerne allein, in meinem aufblasbaren Himmelreich. Ich kann dann eher fühlen, wer ich bin. Macht das für dich irgendeinen Sinn? Vieles, was ich tat, war nicht gewollt. Ich tat es, weil die andern fanden's toll. Korrupter König in ’nem Land der Blinden,
versucht ein Leben lang, sich selbst zu finden.

Wer das nicht versteht, dem ist nicht zu helfen.


Um die Massen wieder in Partylaune zu bringen, marschiert der Meister über Mit 18, Zeitgeist etc zu dem unverwüstlichen Sexy. Dann der nächste emotionale Höhepunkt: Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war niemals weg, hab mich nur versteckt.

Nach den 14 Songs geht der Rüschenvorhang runter. Aber keiner der fast 20.000 glaubt, dass jetzt schon Feierabend ist. Wars auch noch nicht: Es kamen zwei Zugabepakete mit allerfeinster Ware: Lass uns leben, Schweigen ist feige, Halt mich noch einmal, Weil ich dich liebe, Johnny Walker, um nur einige zu nennen.

Zum Schluss kam das, was kommen musste, ohne dass niemand nach Hause gegangen wäre: Freiheit. Westernhagen entschuldigte sich mit leiser Stimme, dass er das ewige Lied immer noch im Programm hatte, aber die Aktualitäten mit den verdammten Kriegen, machen es notwendiger denn je. Kein Mensch hätte ihm da widersprochen.