Als „partizipatives Gesamtkonzept“ versteht das Rathaus in schönstem Verwaltungs-Neudeutsch die Aktion. Klingt ganz schön hochtrabend. Man könnte auch sagen: Die Koblenzer sollen mitmachen: Wie sollen die Innenstadt, der Verkehr, Anlagen und Aussichtspunkte bis zum Beginn der Buga im Oberen Mittelrheintal aussehen? Ein Blick in die Glaskugel also. Wie hieß es schon bei Mark Twain so treffend: „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen . . .“
Dabei brauchen die Stadtoberen eigentlich nur vor die Tür zu gehen, um sich der gröbsten Schandflecke der Stadt anzunehmen. Da wäre die zugewucherte Baulücke für das geplante Hotel in der Firmungsstraße. An ihr ziehen tagtäglich hunderte Touristen auf dem Weg vom Rhein in die Altstadt vorbei. Kein schöner Anblick! Oder das katastrophale Bild des vor sich bröselnden historischen Gebäudeensembles mit dem früheren Mittelrhein-Museum auf dem Florinsmarkt. Ganz zu schweigen vom seit 15 Jahren eingerüsteten Münzmeisterhaus auf dem Münzplatz. Das sind alles touristische No-Gos, wenn die erwarteten 3,2 Millionen Besucher zur Buga 2029 auch in Koblenz einfallen.
Dann sind da noch die versteckten Kleinode der Altstadt. Mini-Gärten, die selbst eingefleischte Koblenzer kaum je betreten haben, weil sie so schwer zu finden sind. Der Garten Herlet hinter der Hotel-Baulücke in der Firmungsstraße zum Beispiel. Der Zugang über die Nagelsgasse ist - vorsichtig ausgedrückt - ein Versteckspiel. Hinweisschilder? Fehlanzeige - bis auf einem auf dem Bordstein angebrachten Pfeil. Vorbei an alten Garagen in einen Hinterhof, der auch schon besser Zeiten gesehen hat. Für Ortsunkundige: Unauffindbar.
Oder der kleine Florinsgarten links neben der gleichnamigen Kirche. Ein hübscher alter Bogengang, historische Gemäuer - aber leider mehr Wiese als Garten. Da geht mehr, liebe Stadt.
Oder der Innenhof-Garten zwischen Altengraben und Altenhof. Dort wo früher die „sündige Meile“ von Koblenz war, mit dem „Goldenen Stern“ und dem allseits bekannten „Brigittchen“. Heute heißt der Zugang: „Statz’sche Gässchen“. Nur 235 Quadratmeter groß, nett bepflanzt. Wenn nur der hässliche massive Zaun nicht wäre. Die Anmutung: Mehr Alcatraz statt Altengraben.
Und dann die Aussichtspunkte: Warum führt der schönste zentrale Rundum-Ausguck von Koblenz eigentlich so ein Nischendasein? Die Rede ist von der Dachterrasse auf dem Forum am Zentralplatz. Warum gibt es da oben eigentlich kein Restaurant, kein Cafe, keine Sitzplätze, außer ein paar olivgrünen Lehnen auf den Treppen? Das Dach leider meist menschenleer. Kein Wunder: Am Eingang zum Forum gibt es keinen einzigen Hinweis, kein Schild, das auf den Aussichtspunkt weist.
Dann hätte ich da noch einen - zugegeben - gewagten Vorschlag zum Thema Ausguck: Warum gibt es auf der Festung Ehrenbreitstein keinen Skywalk? Eine gläserne Aussichtsplattform auf dem Felsen über dem Rhein? Andere Städte haben so was längst. Man muss dafür nicht mal zum Grand Canyon nach Amerika fliegen. Selbst im beschaulichen Thüringer Eichsfeld kann man in luftiger Höhe über den Glasboden schreiten und den Anblick in die Tiefe genießen. In Koblenz wäre es neben der Seilbahn das nächste Touri-Highlight.
Zugegeben, eine nicht ganz alltägliches Projekt. Aber warum soll man nicht mal träumen dürfen. Sind wir nicht alle ein bisschen „buga“ . . . ?
