Willy DeVille kannte man nur mit einer Band in Mannschaftsstärke, bis er an Anfang der 2000ern mit schmaler Besetzung als Trio auf Tour ging.

von Friedrich W. Dittmann

Da sitzt er nun am Abend des 21.03.2002 auf der Bühne der Columbia Halle in Berlin. Niedergelassen in der bekannt lässigen Art auf einem Barhocker, die Akustikgitarre auf dem Schoß. Links daneben der Pianist Seth Farber und rechts neben ihm der Bassist und Cellist David J. Keyes.

Schwarzer Anzug mit schwarzer Weste. Eine weiße Rose im Knopfloch und die Lesebrille oben in die Weste eingesteckt. Die ebenso schwarzen Haare bis tief in den Rücken. Die Goldzähne blinken gelegentlich. Unentwegt rauchend zwischen und während den Liedern. Ein Bild von einem Mann, der sich durch eine Vielzahl seiner schönen Songs durcharbeitet.

An diesem Abend in Berlin gibt es einen historischen Gänsehautmoment, der bis zum heutigen Tag unverändert nachwirkt.  Der Kerl singt eins der schönsten Lieder, das jemals von einem Sterblichen komponiert wurde. Selbst Willy, mein Kater, sonst immer in Bewegung, sitzt wie festgeklebt vor dem TV-Gerät und lauscht andächtig.

Kurze Ansage mit neu angezündeter Zigarette: You may remember it, I’m trying too

Leicht schwingendes Pianointro und dann legt der Meister los.

As a tear fades away and the dawn drives a lovers eyes. No more tears, they're all gone.

Just believe, this will always be and the wind whispers soft to me. And heaven stood still

One Side of the dawn, knows that all this belongs to me. One celestial rhapsody. And heaven stood still

Ein Kerl wie Baum mit einer zerbrechlichen Stimme singt von dem einen Moment des Glücks. Man spürt, wie er sich an den einen Moment klammert. Gleichzeitig hört man aus jedem Ton die Vergänglichkeit, die ihn sieben Jahre später selbst mit seinem Krebsleiden selbst erwischte.

Unbedingt ansehen und anhören auf VouTube. Willy, mein Kater, und ich sind unerschütterliche Fans der ersten Stunde. Das Album Miracle steht bei uns in der ersten Reihe und gehört zu unseren absoluten Favoriten. Einmalig die Story vom Spanish Jack.

Wer noch mehr über den Meister erfahren will, beschaffe sich den Dokumentarfilm aus 2022: Heaven stood still: The Incarnations of Willy DeVille.