Am 19.08.25 ist der legendäre Sänger von Deep Purple Ian Gillan 80 Jahre alt geworden. Grund genug an seine gesangliche Meisterleistung zu erinnern.

von Friedrich W. Dittmann

Was die wenigsten wissen: Ian Gillian hat 1983, als Ozzy zwischenzeitlich ausgestiegen war, auch ein erfolgreiches Album mit Black Sabbath aufgenommen. Wegen seiner stattlichen Gesangskünste hat er auch zusammen mit Luciano Pavarotti a.A. „Nessun Dorma“ von Puccini performet. Gillan war weit mehr als „Smoke on the Water“
Am frühen Morgen sitzt Willy mein Kater, vor unseren Mega-Sound-Boxen und dreht an der Lautstärke. Mit verklärtem Blick lauscht er Ian Gillan, der mal wieder Child in time singt. 
Wir lieben beide die Nummer und an der magischen Stelle -jeder weiß, was wir meinen- lassen wir uns nicht abhalten mitzusingen, besser mit zu grölen. Jeder der sich an diesem Chorus versucht hat, musste feststellen, dass normale Stimmlagen das niemals packen. Der Mont Everest des Shouting. Das hält uns beide nicht davon ab, jedesmal erneut einzusteigen. Wir riskieren allenfalls, dass die Nachbarn den Rettungshubschrauber landen lassen oder die Vögel tot vom Himmel fallen. Letzteres würde Willy gefallen
Zu finden ist der Song auf dem Album Deep Purple in Rock aus 1970. Jeder, der Rock nicht nur als Kleidungsstück für Frauen und Schotten kennt, besitzt das Album. Das Cover mit den fünf „Köppen“ am Mount Rushmore. Die Liveversion auf Made in Japan sollte man auch haben.
Was die wenigsten wissen: Child in Time ist ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg. Lange galt Child in Time als „inoffizielle Hymne“ der osteuropäischen Freiheits- und Widerstands-bewegung. Insofern hat das Ding mit Blick auf die Ukraine eine gnadenlose Aktualität. Fuck that crazy war.
Für Ian Gillan, den absolut begnadeten Sänger von Deep Purple, war der Song immer eine große Herausforderung, wie er später in seiner Biographie schrieb. Der unbeschreibliche „Aufschrei“, der nur Gefühlslegastheniker unberührt lässt, geht verdammt hoch. Gillan gestand später: „Es ging mühelos, bis ich etwa 38 Jahre alt war. Dann veränderte sich die gesamte Stimmstruktur und plötzlich wurde es anstrengen und es klang angestrengt."
Deshalb singt Gillan den Song wohl seit geraumer Zeit nicht mehr live.
Was auch nicht vergessen werden darf: das wilde Sologefecht zwischen Ritchie Blackmore an der Gitarre (Fender Stratocaster) und Jon Lord am der Hammond Orgel, in der Mitte der Gesangsparts.
Wer von dem Song nicht genug bekommt, höre sich die Wahnsinnsversion von Petr Elfimov mit dem Presidential orchestra of the Republic of Belarus auf YouTube an. Der Vogel hat es voll drauf.