Heute existiert nur noch eine von den einst 37 Baracken des damaligen Truppenlagers Andernach. Diese wurde renoviert und steht in der heutigen Krahnenberg-Kaserne unter Denkmalschutz. Die Baracke wird auch die „Wiege der Bundeswehr“ genannt und beherbergt eine militärhistorische Sammlung, die an die Anfänge der Bundeswehr erinnert.

Zur Indienststellung durch Dr. Konrad Adenauer waren die neuen Rekruten und das Ministerium aus Bonn angetreten, gut 2000 Mann standen zum Appell.

Stolz präsentierte der Bundeskanzler den Militärattachés die neuen Panzer der Truppe. (Alle Fotos: Förderverein Wiege der Bundeswehr Andernach e.V.)

Bundeswehr vor 65 Jahren in Andernach offiziell in Dienst gestellt

Die Coronapandemie macht auch den Feierlichkeiten für ein ganz besonderes Jubiläum einen Strich durch die Rechnung. Denn am 20. Januar 1956, also vor 65 Jahren, wurde in der Andernacher Krahnenberg-Kaserne die Bundeswehr offiziell in Dienst gestellt. Eigentlich sollte dieser Tag im Kreise von Militärs, Zeitzeugen, Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie mit den Bürgerinnen und Bürgern entsprechend gewürdigt werden. Vorbereitungen hierzu hatte der Förderverein „Wiege der Bundeswehr Andernach“ bereits getroffen. Doch dann kam der erneute Lockdown. Ob das Jubiläum nachgeholt werden kann, wird derzeit vom Förderverein abgeklärt. „Schließlich ist dieser 20. Januar ein Tag, an dem in Andernach Geschichte geschrieben wurde“, betont der Fördervereinsvorsitzende Franz-Josef Dirksen, Oberst a.D.
Damals kam der Bundeskanzler der damals jungen Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer, gemeinsam mit Verteidigungsminister Theodor Blank, dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier, Generalleutnant Adolf Heusinger, mit Militärattachés aus 17 Staaten und mit mehr als 200 Journalisten aus aller Welt in die Bäckerjungenstadt, um die „offizielle Indienststellung der neuen deutschen Streitkräfte“ zu begehen. Hierzu waren die ersten 1000 Soldaten des Heeres aus Andernach, 700 Soldaten der Luftwaffe aus Nörvenich und 150 Soldaten der Marine aus Wilhelmshaven in der Krahnenberg-Kaserne angetreten. Kampfpanzer und anderes neue, frisch gelieferte Großgerät des deutschen Heeres säumte die angetretene Truppe. Vor dieser imposanten Kulisse begrüßte Konrad Adenauer um 11 Uhr die Soldaten und hielt eine wegweisende Ansprache, mit der er die Grundlagen, Werte und Prinzipien für den Aufbau der neuen deutschen Streitkräfte vorgab. Augenzeugen berichten, dass er an diesem Tag sehr zufrieden war, denn sein Ziel, die „Truppe angemessen ins Bild zu rücken“, war erreicht. Ihm war es wichtig zu zeigen, dass es die junge Bundesrepublik ernst meint mit dem raschen Herstellen der Bündnis- und Verteidigungsfähigkeit, um so über Akzeptanz und Anerkennung im NATO-Bündnis die Voraussetzungen für die Wiedererlangung der Souveränität Deutschlands in der internationalen Staatengemeinschaft zu schaffen.
Zum Mittagessen traf sich der Tross in der Villa Michels. Mit am Tisch waren der Ministerpräsident, der Verteidigungsminister, einige der ersten Soldaten sowie Andernacher Bürgerinnen und Bürger. Es wurde extra ein Plattenspieler herbeigeschafft, damit der Bundeskanzler auch seinen Lieblingsmarsch hören konnte. Als der Marsch erklang, freute sich Adenauer mit den Worten: „Ham’se jehört, da ham’se sogar den Deutschmeister aufjelecht“.
Zur Verabschiedung hatte sich schließlich extra der Fanfarenzug der DJK Andernach auf den Stufen der Villa Michels aufgestellt und spielte auf. Mit dabei waren die Zwillingsbrüder Reinhold und Ernst Schüller, die an diesem Tag ihren 20.Geburtstag feierten.
Heute existiert nur noch eine von den einst 37 Baracken des damaligen Truppenlagers Andernach. Diese wurde renoviert und steht in der heutigen Krahnenberg-Kaserne unter Denkmalschutz. Die Baracke wird auch die „Wiege der Bundeswehr“ genannt und beherbergt eine militärhistorische Sammlung, die an die Anfänge der Bundeswehr erinnert. Ziel dieser Sammlung ist es, die Zeugen zur Geschichte der Entstehung der Bundeswehr in Deutschland zu sammeln, zu bewahren, darzustellen und für spätere Generationen zu erhalten. Diese Menschen, die „Soldaten der ersten Stunde“, kommen in Interviews, die auf Bildschirmen abgerufen werden können, persönlich zu Wort. Dabei beschreiben sie ihre damalige Lebenssituation, ihr Alltagsleben, ihre Motivation, ihre Ängste, ihre Erwartungen und Ziele sowie das ganz Spezifische, was den „Geist von Andernach“ ausgemacht hat. Dargestellt werden auch das sicherheitspolitische Umfeld, die Diskussionen um die Wiederbewaffnung, die parallele Entwicklung der konzeptionellen Grundlagen für die neuen deutschen Streitkräfte mit dem Prinzip „Staatsbürger in Uniform“, die Unterbringung und Ausbildung der ersten Bundeswehr Soldaten in Andernach, der Beginn des „Kalten Krieges“ aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der 50er Jahre am Beispiel der Stadt und Gesellschaft Andernachs. Die Instandhaltung der Baracke liegt in Verantwortung der Bundeswehr. Die Verantwortung für den Betrieb und die militärhistorische Sammlung hat der Förderverein Wiege der Bundeswehr Andernach übernommen. Die Ereignisse des 20.Januar 1956 stellen für den Förderverein das historische Schlüsselereignis dar. Er wird deshalb als besonderer Traditionstag betrachtet.

(Presseinfo des Förderverein Wiege der Bundeswehr Andernach e.V.)

« Zurück

Weitere Nachrichten aus der Region

Vier Zigarettenautomaten entwendet - Polizei sucht Zeugen

In der Nacht zum Sonntag wurden in drei Ortschaften an der Mosel insgesamt vier Zigarettenautomaten durch bislang unbekannte Täter gestohlen. Die…
weiterlesen...

Das Aktuell4u-Wochenendwetter

Der Frühling kommt zurück in das obere Mittelrheintal. Es wird beständig wärmer und auch die Sonne präsentiert sich von der besten Seite.
weiterlesen...

Nackter Mann rennt durch Bendorf und verletzt Polizisten

Am Freitag Morgen meldeten mehrere Personen einen nackten Mann, der durch die Brauereistraße in Bendorf lief. Nach Eintreffen der Beamten wird der…
weiterlesen...

Polizei Cochem löst Hochzeitsfeier in Verbandsgemeinde Ulmen auf

Am Freitagabend teilte die Polizei mit, dass sie in der Verbandsgemeinde Ulmen eine Hochzeitsfeier mit 22 Gästen auflösen konnte...
weiterlesen...

Hatzenporter „Clean-up Woche“

Moselort soll auch unter Corona-Bedingungen sauberer werden.
weiterlesen...

Fahrzeugpanne im Drogenrausch

Durch eine Fahrzeugpanne bedingt musste der 21-jährige seinen Wagen abstellen. Die Beamten der Mayener Polizei wollten helfen...
weiterlesen...

Kein neuer Name für die Universität Koblenz

Im Jahr 2023 spaltet sich die Universität Koblenz-Landau auf. In Folge dessen kam jetzt unter den Studierenden die Idee auf, die Universität…
weiterlesen...

Musik aus dem Mutterleib, das Album eines Ungeborenen

"Sounds of the Unborn" soll das Album des noch ungeborenen Kindes heißen. Seine Eltern haben Geräusche und laute aufgenommen und wollen ihren damals ungeborenen Spross zum Superstar machen...
weiterlesen...

Künstler Daniel Koch aus dem Kreis Neuwied unterhält im Lockdown

Der von der Bundesregierung angeordnete Lockdown ist für viele Menschen Grund um sich nach Unterhaltungsalternativen umzuschauen. Eine mögliche Alternative stellt Daniel Koch aus dem Kreis Neuwied dar. Mit seiner Musik...
weiterlesen...

100 Dinge

Es sind oft die kleinen Dinge die uns umgeben.. (oder doch die großen?) die wir im Alltag benötigen. Aber, brauchen wir all diese Dinge die uns umgeben eigentlich wirklich? Das finden Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz in einem kuriosen Selbstexperiment heraus. Es wird witzig, nackt und natürlich... romantisch.
weiterlesen...

The Queen's Gambit | Das Damengambit

Waisenkind, Wunderkind, Schachweltmeisterin? In der Serie Queen's Gambit wird nebst der Protagonistin Elizabeth Harmon pointiert auf die weltpolitische Situation in den 50er und 60er Jahren aufmerksam gemacht - eine Miniserie mit Hintergrund, Grips und Gänsehautmomenten. Unser aktuell4u-Serienchecker Tim arbeitet hier für euch - ganz spoilerfrei - die Miniserie auf:
weiterlesen...