Welche Bedeutung können Regeln haben, die vor rund 1500 Jahren verfasst wurden? Dieser Frage ging Abt Mauritius Wilde vom Kloster Maria Laach beim Wirtschaftsforum Mayen nach.

Mayen |

Auf Einladung der Kreissparkasse Mayen sprach der seit Oktober 2025 amtierende Abt in der Halle 129 über die Benediktsregel und ihre Bezüge zur heutigen Wirtschaftswelt.

Die um das Jahr 540 von Benedikt von Nursia verfasste Regel beschreibe nicht nur das geistliche Leben im Kloster, sondern auch praktische Fragen des Zusammenlebens, der Führung und des Wirtschaftens. Abt Mauritius machte deutlich, dass ein Kloster seit jeher auch ein Wirtschaftsbetrieb sei. Die Mönche müssten von ihrer Hände Arbeit leben, Klöster erhielten keinen Anteil aus der Kirchensteuer.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand der sogenannte Cellerar, der im Kloster für Vorräte, Güter und Versorgung zuständig ist. Nach der Benediktsregel solle er reifen Charakters, nüchtern und maßvoll sein. Er dürfe weder verschwenderisch noch geizig handeln und müsse Verantwortung übernehmen. Abt Mauritius betonte, dass wirtschaftliches Handeln immer mit Rechenschaft verbunden sei. Dies gelte auch für Führungspersonen außerhalb des Klosters. Als wichtigen Grundsatz nannte er: „Wenn du Menschen führen willst, dann musst du lernen, dich selbst zu führen.“

Weitere zentrale Werte seien Respekt, Freundlichkeit und Offenheit. Selbst bei knappen Mitteln solle ein gutes Wort möglich sein. „Ein gutes Wort wirkt wie ein Segen“, sagte Abt Mauritius. Auch Transparenz sei wichtig, weil Menschen verstehen wollten, was um sie herum geschehe. Besonders hob der Abt die Verantwortung für Kranke, Kinder, Arme und andere Menschen am Rand der Gesellschaft hervor. Aus der Benediktsregel lasse sich damit ein wertebasiertes Wirtschaften ableiten, das nicht allein auf Gewinn ausgerichtet sei.

KSK-Vorstandschef Karl-Josef Esch zeigte sich sehr angetan von der Resonanz und dem Vortrag, der das Publikum in seinen Bann zog.