Wasserschäden, Zeitdruck und wertvolle Bestände: In Koblenz haben Feuerwehr und Notfallverbund den Ernstfall geprobt – und gezeigt, wie Kulturgüter im Krisenfall gerettet werden können.

Koblenz |

Ein durchnässter Bücherbestand im Kellergeschoss, schnelle Entscheidungen und koordinierte Abläufe: Was wie ein echter Katastropheneinsatz wirkt, war am Samstag, 11. April 2026, eine gezielte Übung im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Feuerwehr Koblenz-Bubenheim trainierte der Notfallverbund der Stadt Koblenz den Ernstfall.

Das Szenario ist realistisch: Unwetter, Hochwasser oder ein Rohrbruch könnten jederzeit ähnliche Schäden verursachen. Ziel der Übung war es, Alarmierungswege zu testen, Abläufe zu optimieren und den Umgang mit einem neuen Ausrüstungssatz für den Kulturgutschutz einzuüben.

Schnelles Handeln entscheidet über den Erhalt

„Wir proben für den Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt“, betont Beate Umann, Vorsitzende des Notfallverbundes. Denn gerade bei Wasserschäden zählt jede Stunde: Bereits nach zwei Tagen kann Schimmelbildung einsetzen und wertvolle Schriftstücke unwiederbringlich zerstören.

Zum Einsatz kam spezielle Ausrüstung, die bereits 2025 von der Feuerwehr angeschafft wurde. Dazu gehören unter anderem Stretchfolien zur Sicherung durchnässter Bücher, Arbeitsmaterialien für die Erstversorgung sowie Schutzkleidung für die Einsatzkräfte. Auch Logistik und Aufbau der Transportmittel wurden von der Freiwilligen Feuerwehr Koblenz-Bubenheim übernommen.

Starkes Netzwerk für den Kulturgutschutz

Der Notfallverbund Koblenz vereint acht Einrichtungen – darunter Archive, Museen und Bibliotheken – mit dem Ziel, sich im Katastrophenfall gegenseitig zu unterstützen. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 gilt er als wichtiger Baustein für den Schutz kulturellen Erbes in der Region.

Auch seitens der Stadt wird das Engagement gewürdigt: „Die Zusammenarbeit unabhängig von Trägerschaften macht den Notfallverbund zu einem unverzichtbaren Akteur“, so Kulturdezernent Ingo Schneider.

Für das Landesbibliothekszentrum selbst ist die Teilnahme ebenfalls zentral: Hier werden nicht nur bedeutende Bestände bewahrt, sondern auch Fachwissen zur Bestandserhaltung gebündelt.

Am Ende ziehen alle Beteiligten ein positives Fazit. Die Abläufe funktionieren, die Zusammenarbeit greift – und weitere Übungen sind bereits geplant. Immer mit dem Ziel, im Ernstfall vorbereitet zu sein.

Ein kleiner Trost: Bei der Übung kam kein echtes Kulturgut zu Schaden – verwendet wurde ausschließlich ausgesondertes Material.