Die Lage am Rhein verschärft sich. Am Pegel Koblenz wurde am Mittwochmorgen ein Wasserstand von nur noch 25 Zentimetern gemessen. Nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ist vorerst keine Entspannung in Sicht. Bis zum Wochenende könnte der Pegel auf etwa 14 Zentimeter fallen.
Zum Vergleich: Der mittlere Wasserstand am Koblenzer Pegel liegt bei 214 Zentimetern. Gemessen wird der Pegel traditionell am alten Rheinkran am linken Rheinufer bei Rheinkilometer 591,49.
Schiffe können nur noch wenig laden
Für die Güter- und Personenschifffahrt hat das Niedrigwasser erhebliche Folgen. Viele Schiffe können den Rhein nur noch mit stark reduzierter Ladung befahren. Dadurch verringert sich der Tiefgang, gleichzeitig steigen jedoch die Transportkosten.
Erst vor wenigen Tagen hatte sich bei Bonn ein Hotelschiff mit 115 Menschen an Bord festgefahren. Auch Industrieunternehmen sind auf verlässliche Transporte über den Rhein angewiesen. Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen transportiert nach eigenen Angaben rund 40 Prozent seiner Güter per Schiff und warnt vor möglichen Lieferengpässen.
Ein Pegelstand von 25 Zentimetern bedeutet allerdings nicht, dass der Rhein nur 25 Zentimeter tief ist. Der gemessene Wert bezieht sich auf einen festgelegten Pegelnullpunkt am Ufer. Entscheidend für die Schifffahrt ist die tatsächliche Tiefe der Fahrrinne in der Flussmitte.
Bei einem sogenannten gleichwertigen Wasserstand von 77 Zentimetern wird in Koblenz eine Fahrrinnentiefe von 2,10 Metern garantiert. Bei einem Pegel von 25 Zentimetern liegt die rechnerische Wassertiefe in der Fahrrinne noch bei rund 1,58 Metern. Für viele voll beladene Binnenschiffe ist das jedoch deutlich zu wenig.
Natur und Veranstaltungen unter Druck
Das Niedrigwasser führt auch zu Problemen für Umwelt und Sicherheit. Durch den sinkenden Wasserstand kann alte Munition aus den Weltkriegen freigelegt werden. Verdächtige Gegenstände sollten keinesfalls berührt werden. Polizei oder Ordnungsamt müssen in solchen Fällen umgehend informiert werden.
Zudem belastet die hohe Wassertemperatur die Tierwelt. Ende Juni wurden bei Koblenz bereits 28 Grad gemessen. Solche Temperaturen können zu Sauerstoffmangel führen und für Fische sowie andere Lebewesen lebensbedrohlich werden.
Auch die sogenannte Wasserpest breitet sich im warmen und langsam fließenden Wasser stark aus. Die aus Nordamerika stammende Pflanze kann sich in Schiffsschrauben verfangen und die Navigation zusätzlich erschweren.
Langfristig soll eine Vertiefung der Fahrrinne zwischen Budenheim bei Mainz und St. Goar helfen. Geplant sind etwa 20 Zentimeter zusätzliche Wassertiefe. Dadurch könnten Schiffe bis zu 200 Tonnen mehr Ladung transportieren. Mit einer Umsetzung wird allerdings nicht vor 2033 gerechnet.
Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling fordert angesichts der aktuellen Situation ein schnelleres Vorgehen des Bundes. Das Niedrigwasser zeige erneut, wie verletzlich der Rhein als eine der wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands sei.
Auch „Rhein in Flammen“ in Koblenz ist betroffen. Der traditionelle Schiffskonvoi wurde bereits abgesagt. Für Samstag, 8. August, wird am Pegel Koblenz ein historisch niedriger Wasserstand zwischen sechs und zehn Zentimetern erwartet. Statt des fahrenden Konvois soll es für die beteiligten Schiffe eine stationäre Veranstaltung geben.
