Eine solche Kulisse, wie beim letzten Pokalfinale auf dem Oberwerth 2018, wird es am Samstag leider nicht geben. Trotzdem herrscht Spannung vor dem 66. Finale um den FVR-Rheinlandpokal. (Foto: tol)

Das Rheinland fiebert dem Fußball-Finale entgegen

Am Samstag wird zum 66. Male ein Rheinland-Pokalsieger ermittelt. Der FC Blau-Weiß Karbach und der FV Engers stehen sich im Endspiel am 22. August ab 14.45 Uhr auf dem Koblenzer Oberwerth gegenüber.

Der Pokal hat im Fußballverband Rheinland (FVR) eine lange Tradition und schon zahlreiche begeisternde Finalspiele erlebt. Aber das Finale 2020 wird so oder so in die Chroniken des Verbandes eingehen, und das aus vielerlei Hinsicht.

Spiel ist ausverkauft – Übertragung bei der ARD oder auf Youtube

Die Corona-Hygienevorschriften drücken dem Gesamtablauf des Endspiels ihren Stempel auf. 350 Karten insgesamt  konnten gemäß den behördlichen Vorgaben an die beiden Vereine zum Verkauf gegeben werden. Die sind längst vergriffen, die jeweils 175 Fans der beiden Clubs werden ihre Plätze auf der Gegengeraden im Stadion Oberwerth finden. „In den Halbfinals hat das mit den Corona-Vorschriften zu 99% geklappt, ich hoffe, das ist auch im Finale so“, sagte FVR-Präsident Walter Desch in einer Video-Pressekonferenz (PK) am heutigen Donnerstag. „Die Plätze sind in Gruppen über die Tribüne verteilt und nummeriert. Wichtig ist, dass die Fans nach dem Spielende nicht in den Innenraum kommen, da müssen wir Fans und Spieler voneinander getrennt halten. Feiern ja, aber bitte unter Beachtung der Regeln“, so Desch. Zusätzlich werden auf der Haupttribüne weitere rund 250 Ehrengäste, Vereinsvertreter aus Karbach und Engers, Verbandsmitarbeiter, einige Rollstuhlfahrer und Medienvertreter das Spiel verfolgen können, so dass rund 600 Personen im Stadion sein werden. „Das ist sicher nicht, was man sich für ein Pokalendspiel wünscht“, so Desch, „aber doch unter den Umständen eine respektable Kulisse.“ FVR-Spielausschussleiter Bernd Schneider betonte in der PK: „Weitere Karten stehen nicht zur Verfügung, es gibt also keinen Kassenverkauf am Stadion."  Wer nicht vor Ort dabei sein kann, hat zwei Möglichkeit, das Spiel zu verfolgen: Entweder ausschnittweise in der ARD im Rahmen der Fernseh-Übertragungen zum „Finaltag der Amateure“ oder das gesamte Spiel allerdings ohne Kommentar im Youtube-Streamingkanal des FVR. Mehr zu dieser Möglichkeit gibt es auf www.fv-rheinland.de.

Große Fairness zwischen den Finalgegnern

Für beide Finalisten hat die Partie natürlich ihren ganz eigenen Reiz. Der FV Engers steht zum dritten Mal in einem Endspiel, hat den Pokal aber noch nie gewonnen. Für den FC Karbach ist es die erste Finalteilnahme und „es wäre schon die Erfüllung eines großen Traums, wenn wir als erster Hunsrückverein den Pott gewinnen würden“, so FCK-Vorsitzender Daniel Bernd in der PK. Das Ziel hat natürlich auch Martin Hahn als FVE-Präsident, betont aber gleichzeitig auch die tolle Zusammenarbeit der vier Halbfinalisten RW Koblenz, Eisbachtal, Karbach und Engers in den letzten Wochen. Da hatte man sich über viele Modalitäten zu den Spielabläufen und auch zur Verteilung der finanziellen Prämien nach dem Finale verständigt. „Ich habe selten erlebt, dass vier eigentlich in Konkurrenz zueinander stehende Clubs derart kollegial, sportlich fair und mit vollem Engagement zu gemeinsamen Beschlüssen in allen anstehenden Fragen gekommen sind“, so Martin Hahn, der als Sprecher der vier Clubs auch bereits Kontakte mit dem VfL Bochum als Gegner für die erste DFB-Pokal-Hauptrunde aufgenommen hat. Noch ist aber offen, ob das Spiel tatsächlich in Bochum unter den professionellen Rahmenbedingungen des VfL ausgetragen werden kann. Der DFB will erst über die Abgabe von Heimrechten entscheiden, wenn alle Clubs der Runde feststehen. Eine Austragung in Engers, Karbach oder auch in Koblenz wird allerdings kaum in Frage kommen, da an allen drei Standorten der ausrichtende Verein aufgrund der wenigen Einnahmen aus dem Zuschauerbereich kaum in der Lage wäre, die hohen Anforderungen des DFB an die Rahmenbedingungen für ein offizielles DFB-Pokalspiel finanziell und organisatorisch zu stemmen. Der VFL Bochum hat bereits Zustimmungen zur Verlegung ins Ruhr-Stadion und zu entsprechenden organisatorischen Vereinbarungen signalisiert, kann aber erst entscheiden, wenn der DFB grünes Licht für eine Verlegung gibt.

Sportlich ist im Rheinlandfinale alles offen

FVE-Trainer Sascha Watzlawik sieht die Favoritenrolle beim FC Karbach: „Wer einen professionell trainierenden Regionalligisten im Halbfinale schlägt, ist für den Finalgegner sicher ein dicker Brocken“, so der FVE-Coach, der in den zurückliegenden neun Jahren den FVE von der Bezirks- in die Oberliga geführt hat. Etwas entspannter nimmt es Torsten Schmidt, bereits im 16 Jahr auf der Trainerbank des FC Karbach von der A-Klasse bis zur Oberliga verantwortlich: „Wir haben mit dem Halbfinalerfolg sicher eine Überraschung geschafft und freuen uns jetzt eigentlich nur auf das Endspiel.“

In dem trifft sein Team auf zwei gute Bekannte im Engerser Sturm. Sören Klappert wechselte 2018 mit seinem Bruder Lukas von Karbach nach Engers und hat mit seinem Treffer im Halbfinale die Schlossstädter ins Finale gebracht. An seiner Seite wird wohl Enrico Köppen auflaufen, bis zum Sommer der Torjäger des FC Karbach, nun in Diensten des FVE. Engers muss allerdings auf Abwehr-Ass Lukas Klappert verzichten, der im Halbfinale die rote Karte sah. Wie Watzlawik diesen Ausfall kompensiert, will erst nach dem Abschlusstraining entscheiden. Für Torsten Schmidt, dem alle Akteure seines Karbacher Kaders zur Verfügung stehen, dürfte es einer der Schlüssel zum Erfolg sein, die beiden FVE-Stürmer möglichst vom Tor fernzuhalten. Die bisherigen Testspiele und das Pokalhalbfinale haben gezeigt, dass die aktuelle Stärke der Blau-Weißen in der mannschaftlichen Geschlossenheit liegt.

Sportlich steckt also viel Spannung in diesem Rheinland-Pokalfinale 2020. Da dürfen die Fans im Stadion und zu Hause an den Bildschirmen auf einen Leckerbissen mit gesunder sportlicher Rivalität hoffen. Das ändert aber nichts an der großen Fairness und dem Respekt, mit dem sich die beiden Vereinsführungen in den letzten Wochen und auch der abschließenden PK begegnet sind. Allein das sorgt schon unabhängig vom sportlichen Ausgang dafür, dass es einen würdigen Pokalsieger 2020 im Rheinland gegen wird, der dann sicher auch den FVR und die Oberligisten aus der Region  angemessen in der DFB-Runde vertreten kann.

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