Es waren grandiose Halbfinale mit zwei verdienten Siegern. Spanien entzauberte die Franzosen und was Argentinien die zweite Halbzeit gegen England bot, das war Fußball vom Allerfeinsten. Mit einem 39jährigen Ideengeber namens Messi, der kein Tor schoss, aber beide Tore vorbereitete. Was für eine Genialität.
Was die beiden Finalisten in ihren Spielen zeigten, in Abwehr und gleichermaßen Angriff, das war Fußball in einer Form, die uns Beobachter staunend zurücklässt. Es war vibrierend und so einzigartig, was die Spieler zeigten, von denen jeder ein grandioser Individualist ist. So wird Fußball liebevoll und erfolgreich zelebriert. Und so wird vermutlich auch Fußball gespielt, wenn man es mit grenzenloser Hingabe zu seinem Land betreibt.
Ein ganz klein wenig hätte man sich das auch von der deutschen Mannschaft gewünscht. Ein wenig mehr Sommermärchenflair von 2006, 10 Prozent Messi, flirrende Leidenschaft im Nationaltrikot. Wir haben davon nichts gezeigt. Kein Wirtz, kein Musiala, kein Neuer, der beste Torwart der Welt ist er nicht mehr. Und auf der Trainerbank da war nichts von dem zu spüren, was auf der spanischen und argentinischen Bank passierte. Immer begann es bei der Nationalhymne.
Die WM wird ein Erfolg sein. Die kleinen Nationen hatten ihre Bühne, die großen dominierten, die Zuschauer strömten in Massen, die Stadien waren besonders, die Spiele waren gut organisiert. Und nicht einmal die Herren Trump und Infantino mit ihrer unsäglichen Schiedsrichterbeeinflussung konnten verhindern, dass eine positive Erinnerung an diese WM in drei Ländern bleiben wird. Sie war in vielem amerikanisch, aber es störte nicht. Mexiko, Kanada und die USA haben dem Fußball eine besondere Plattform geschaffen und so den weltweiten Wert dieses Sportes gesteigert.
Zu den Verlierern gehört ausgerechnet die Nation, die viermal Weltmeister wurde. Deutschland hat im Fußball aktuell kein Weltformat mehr. Darin liegt eine Chance, weil es schlechter nicht mehr werden kann.
