Das mit Jürgen Klopps Berufung zum Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, das ist 2026 anders als damals, als der Saarländer Jupp Derwall oder Berti Vogts vom Niederrhein Bundestrainer wurden. Die sind mit dem Auto oder der Bahn nach Frankfurt zum DFB gefahren, um den Vertrag entgegenzunehmen, der in der Nachfolge von Sepp Herberger oder Helmut Schön zunächst einmal eine Ehre war, dann natürlich auch ein Beruf, für den man ordentlich bezahlt wurde.

Mit Kloppo ist das anders. Als der vom DFB, oder möglicherweise zunächst von der Bild-Zeitung, gefragt wurde, ob er es sich vorstellen könne, Nationaltrainer zu werden, da war er in New York als WM-Experte für einen privaten deutschen Fernsehsender. Also mussten die vom DFB, die Klopp wollten, nach New York fliegen, um ihn zu fragen, ob er bereit ist. Zu viert saßen sie da, zwei vom DFB und Jürgen mit Berater. Dass er es werden will, das war vermutlich schneller klar als die Frage, was im Vertrag stehen sollte. Eines es ist klar: so viel Ehre wie Derwall und Vogts und Ribbeck und dem Kaiser, Deutschlands Nationalmannschaft im Fußball zu trainieren, ist es Jürgen Klopp auch. Einen Nachholbedarf an Patriotismus oder sagen wir, etwas besonders Herausforderndes im Fußball meistern zu wollen, das trägt ihn. Nur ist er ein Kind einer anderen Zeit. Arbeits-und Werbverträge haben sie ihm hinterhergeworfen. Allein während der WM warb er im TV für drei nationale und internationale Unternehmen. Und der Arbeitsvertrag mit dem Salzburger Limonadenhersteller bindet ihn auch. All das musste beachtet werden, bevor die Unterschrift unter einen Bundestrainer-Vertrag beim DFB steht.

Und dann die Kritiker. Wie man einen nehmen kann, der für Red Bull arbeitet, das haben weder Theo Zwanziger noch einige Landesfürsten im DFB verstanden. Der eine oder andere fürchtet auch, Klopp verschlinge so viel Geld, dass es für ihre Arbeit auf Landesebene noch weniger wird. Das ist eher geheuchelt. Wenn Klopp Bundestrainer ist, werden sie sich darum schlagen, dass er sie in der Provinz besucht.

Nur bei Zwanziger wird das Misstrauen bleiben, weil es sein Miteinander mit dem DFB generell prägt und beschreibt. Aber auch Theo aus Altendiez weiß eines. Wenn Deutschland wieder aus diesem fußballerischen Loch der Mittelmäßigkeit herauskommen wollen, dann braucht es einen Trainer wie Klopp. Einen, der aus Kleinem wieder Großes machen kann und für den sich die Spieler zerreißen werden, weil sie sich zwar einiges erlauben können, aber nicht ihren Trainer zu enttäuschen.

Jürgen Klopp wird Statur im Amt zeigen, nicht beeinflussbar sein von den Funktionären, auch nicht von denen, die zu ihm nach New York aufbrachen, um ihn zu holen. Mit Klopp beginnt etwas Neues und das hat seinen Preis. Welche Limonade er dabei trinkt, das wird schnell in den Hintergrund treten. Wenn sie auf Deutschlands Fußballer wieder mit Respekt blicken, dann hat sich alles gelohnt.