Seit Januar Präsident des LSB RLP: Wolfgang Bärnwick. (Foto: LSB)

Es bedarf einer generellen Trendwende in der Sportförderung des Landes.

Wolfgang Bärnwick (72) aus Ingelheim am Rhein ist der zehnte Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz seit 1950.  Mit ihm, der Vereins-und Verbandserfahrung im Sport hat, soll wieder mehr Ruhe einkehren und zugleich will der LSB sein Profil nach innen und außen stärken. Aktuell4u sprach mit dem neuen Präsidenten, der seit Ende Oktober 2020 im Amt ist. Die Fragen stellte Hans-Peter-Schössler.

A4u: Jetzt sind Sie ein LSB-Präsident, der mitten in der Pandemie Akzente setzen möchte, der für sich und seine Ideen werben soll. Wie geht das in dieser Zeit?

W.B.: Als ich im Dezember 2019 vom kommissarischen Präsidenten des Sportbundes Rheinhessen, Klaus Kuhn, gefragt wurde, ob ich mir eine erneute Funktionärstätigkeit in einem Sportverband in Rheinland-Pfalz vorstellen könne, habe ich nach kurzer Überlegung  mit einem klaren Ja geantwortet. Zu diesem Zeitpunkt war Corona, bzw. die Pandemie in Deutschland noch kein Thema. Die Schwerpunkte und Ziele meiner Arbeit, die ich dann Mitte des Jahres 2020 bekannt gab. Das sind Auswertung und Umsetzung der Organisationsanalyse, Bau der neuen Geschäftsstelle, die guten Kontakte zum Ministerium pflegen und intensivieren, finanzieller Aufwuchs und Aufwertung des Leistungssports, gute und vertrauensvolle Arbeit mit dem Hauptamt fortführen und intensivieren sowie Stärkung des Hauptamtes mit einhergehender Satzungsänderung. Diese Ziele waren und sind unabhängig von äußeren und zeitlichen Einflüssen gültig. Neu hinzu kam natürlich das aktuell allumfassende Thema „Die Corona Pandemie und der Sport“.

A4u: Schier unlösbar schien in den zurückliegenden Jahren im rheinland-pfälzischen Sport die Aufgabe, die Interessen von LSB und Sportbünden in Einklang zu bringen. Haben Sie eine Rezeptur dafür?

W.B.: Nein, es bedarf keiner Rezeptur.  Entscheidend ist das Gespräch, die Achtung und Wertschätzung gegenüber den Gesprächspartnern*innen. Sowohl die drei Sportbünde (Rheinland, Pfalz und Rheinhessen) als auch der Landessportbund Rheinland-Pfalz haben die gleichen Interessen.  Die handelnden Personen haben verstanden, dass sie ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Verantwortung haben. Kurz gefasst: Sie vertreten die Interessen ihrer Mitglieder und Vereine und deren überfachliche Angelegenheiten in der Öffentlichkeit und gegenüber verschiedenen Institutionen und der Politik (LSB). Die Bündelung der Interessen, das Fokussieren auf das Wichtige, das Nötige sowie Machbare – gerne auch mal visionär - und das Moderieren dieses Prozesses ist gleichwohl eine wichtige Aufgabe meiner Tätigkeit.

A4u: Am 14.März sind die Wahlen zum Landtag. Woran misst der Landessportbund die Parteien, die Einzug in den Landtag halten wollen?

W.B.: Die rund 1,4 Millionen Vereinssportler*innen im Land werden sich bei ihrer Wahlentscheidung auch daran orientieren, wie sich die einzelnen Parteien und ihre Kandidat*innen zum Sport in Rheinland-Pfalz positionieren. Deshalb hat der Landessportbund gemeinsam mit den drei Sportbünden Rheinland, Rheinhessen und Pfalz den größeren Parteien, die sich um den Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag bewerben, Fragen zu wichtigen sportpolitischen Themen gestellt, die sogenannten Wahlprüfsteine. Im Mittelpunkt stehen dabei Themenkomplexe wie Bedeutung und Autonomie des Sports, Finanzierung des Sports gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie, Sportstätten Entwicklungsplanung, Digitalisierung, Förderung des Nachwuchsleistungssports, der Übungsleiter und Fachverbände, Ehrenamt und Bürokratie. Der LSB fordert die Parteien auf, sich mit den Forderungen des organisierten Sports konstruktiv auseinander zu setzen. Und dies wollen wir in den einzelnen Parteiprogrammen der im Landtag vertretenen Parteien abgebildet sehen. Zusätzlich haben wir allen vertretenen Parteien sog. Wahlprüfsteine zugeschickt, mit der Bitte der schriftlichen Beantwortung. Oder vielleicht ganz einfach formuliert: Was wollen unsere demokratischen Parteien für den organisierten Sport in Rheinland-Pfalz in den nächsten fünf Jahren leisten? Für was und welche Werte stehen sie und können dies glaubwürdig vermitteln? Daran wollen wir gerne unsere Politiker*innen messen.

A4u: In einem Interview mit uns sagt Sportminister Roger Lewentz, für den Doppelhaushalt 2022/23 werde er sich für einen stärken Aufwuchs der Sportfördermittel einsetzen. Was erwarten Sie von der Landesregierung?

W.B.: Mehr denn je gilt es jetzt dauerhafte Schäden für das rheinland-pfälzische Sportsystem zu vermeiden und somit die mittel- und langfristige Funktionsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit des organisierten Sports zu gewährleisten. Insofern freuen wir uns, dass es jetzt es mit der Verabschiedung des 2021er Landeshaushaltes Mitte Dezember 2020 erstmals zu einem nennenswerten Aufwuchs der Sportfördermittel gekommen ist. Es ist der richtige und dringend notwendige Schritt, für den wir uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bedanken möchten. Mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln lässt sich im Sport viel erreichen für das Zusammenleben, für psychische und physische Gesundheit, Inklusion, Integration und Lebensqualität.
Der organisierte Sport hat 20 Jahre nicht von einer Schwerpunktsetzung der Landesregierung (wie z.B. der Bereich Bildung) profitiert. Er hat bislang auch nur in überschaubarem Maß von Corona-Hilfsprogrammen profitiert. Insbesondere sollte es nicht bei einer einmaligen Erhöhung in begrenztem Rahmen für das Wahljahr 2021 bleiben.
Wir warnen eindringlich vor dem Verlust der Funktions- und Leistungsfähigkeit des Vereinssports in der bisherigen Form, wenn keine generelle Trendwende in der Förderpolitik eingeleitet wird. Insofern können wir die anstehenden Finanzgespräche als erfolgreich bewerten, wenn wir im Bereich der Pauschale für unsere Personal- und Sachkosten eine deutliche Mittelerhöhung über die Tarifsteigerung hinaus und im Bereich der Projektmittel in nahezu allen über die Jahre hinweg signifikante Zuwächse erfahren.
Wir brauchen dabei eine Sportabteilung des Ministeriums an unserer Seite, die uns deutlich unterstützt. Und dies in einem Ministerium, in dem der Sport eine zunehmend wichtige Rolle spielt.

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