Jugendleiter im kleinen Verein

Der Jugendleiter, der die E-Jugend in dem Verein trainiert, der mit seiner Seniorenmannschaft in der Kreisliga B spielt, macht das nicht, weil er sich erhofft, dass irgendwann einmal ein Bundesligaverein darauf aufmerksam wird, wie gut er als Jugendleiter arbeitet. Er ist dazu gekommen, weil einer seiner zwei Söhne, eine Tochter haben sie auch, Fußball spielen wollte. Das war bei den Bambinis und weil niemand die Kleinen trainierte, entschloss er sich, Trainer der Bambinis zu werden. Ohne Bambini-Lizenz. Einfach weil es einer machen  musste und schließlich hatte er selbst einmal bis zur A-Klasse Fußball gespielt und außerdem nörgelte sein  Sohn an ihm herum, es zu machen. Inzwischen spielt der kleinere Sohn auch bei den  Bambinis.

Das ist drei Jahre her. Aus den Bambinis ist die E-Jugend geworden und aus dem Trainer  bei der Mitgliederversammlung des Vereins vor eineinhalb Jahren der Jugendleiter. Einstimmig gewählt. Und ohne Gegenkandidat, man reißt sich nicht um solche Ehrenämter.

33 ist er, kaufmännischer Angestellter, verheiratet und eben drei Kinder. Die Arbeit auf dem Sportplatz tue ihm selbst auch gut, schmunzelt er. Der Rest in seinem Leben ist Sitzen. Zweimal in der Woche steht er auf dem Platz, am Wochenende kommen die Spiele dazu, die Sitzungen des Vorstandes und die Feste im Verein wie das jährliche Jugendturnier und die Sportwoche. Aktuell leidet er wie alle unter Corona. Und hofft, dass es bald wieder losgehen kann.

Und was sagt seine Frau dazu? Sie ist kein Fußballfan. Aber sie spürt, dass der Fußball ihren Söhnen gut tut. Und sie weiß noch etwas: sie und ihre Familie sind vor fünf Jahren in das Dorf gezogen. In das neue Baugebiet, wo  sie auch ihr kleines Haus gebaut haben. Seit ihr Mann im Verein arbeitet und die beiden Söhne in der Jugend spielen, haben sie richtigen Anschluss an die Dorfbevölkerung gefunden. Und sie selbst ginge zwar nie zum Training, aber zu den Spielen der Jungs geht sie inzwischen häufig. Dort trifft sie andere Eltern und das verbindet. Und die geselligen Veranstaltungen des Sportvereins genießt sie. Viel mehr gibt es im Dorf auch nicht.

Es sei sehr gut, dass der neue Jugendleiter mit seiner Familie in das Dorf gekommen sei, meint der Vorsitzende des Vereins. So einen Jugendleiter habe man gebraucht. Und er ist im Dorf angekommen, dieser Jugendleiter, der nie woanders arbeiten wird als in diesem kleinen Verein. Hier ist sein Platz.

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