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VC 77 Neuwied: Berg- und Talfahrt im Münsterland

Maike Henning überzeugte einmal mehr in Annahme und Abwehr.


Mit 1:3 Sätzen (25:18, 25:16, 22:25, 25:13) kehrten die Bundesligadamen des VC Neuwied 77 von ihrer ersten Auswärtspartie in der Bundesliga beim USC Münster zurück. Enttäuschung über die Niederlage herrschte jedoch eher nicht.

Das Münsterland gilt als Fahrradparadies, die Anforderungen sind flach und gleichmäßig. Die Deichstadtvolleys können von ihrem Ausflug zum Berg Fidel allerdings das Gegenteil berichten: Sie erlebten eine Berg-und-Talfahrt. Neu war zunächst die Umgebung, eine große Halle mit Zuschauern, denen anzumerken war, dass sie sich freuten, nach langer Pause zurück zu sein und ihr Team wieder unterstützen zu dürfen.

Für die erste Etappe vertraute Dirk Groß auf das Zuspiel von Madelyn Halteman, auf der Außenposition spielten Alexis Conaway und Maike Henning, Sarah Kamarah diagonal. Die Rheinländerinnen legten ein flottes Tempo vor und übernahmen zunächst die Führung, zur technischen Auszeit lag Münster mit 8:7 vorne, erfreuliches Zwischenfazit: Neuwied spielt selbstbewusst mit! Auf dieses Hoch folgte jedoch die erste Talfahrt am Berg Fidel: Münster beschäftigte seine Gäste mit druckvolleren taktischen Aufschlägen. Vor allem in der Ballannahme ging den Gästen die Präzision verloren, die Fehler im Abschluss häuften sich, hinzu kamen etliche Aufschlagfehler. Dirk Groß nahm kurz hintereinander seine zwei taktischen Auszeiten, konnte aber nicht verhindern, dass seine Mannschaft mit 8 gegnerischen Punkten in Folge abstürzte. Lauren Matias und Isabelle Marciniak kamen ins Spiel, konnten aber nicht verhindern, dass Iris Scholten, sie sollte später zur Spielerin des Tages gewählt werden, fast nach Belieben zu Scorerpunkten kam. Immerhin kam man wieder zu einigen Punkterfolgen, am Ende konnte Haile Watson mit 3 Aufschlagerfolgen den Satzerfolg der Gastgeberinnen zum 25:18 hinauszögern.

Die 2.Etappe verlief spiegelbildlich: Isabelle Marciniak behielt die Regieaufgabe, Maike Henning und Lauren Matias spielten im Außenangriff. Wieder erwischte Neuwied einen guten Start, führte zunächst mit 3 Punkten Vorsprung, bis 3 aufeinander folgende Annahmefehler diesen schmelzen ließen. Zu den technischen Auszeiten lag der USC mit 8:5 und 16:8 in Führung. Auffällig war, dass einfache Situationen zu wenig zu schnellen Punkterfolgen genutzt werden konnten. Dirk Groß griff erneut zum Mittel des taktischen Wechsels, brachte Madelyn Halteman, Alexis Conaway und erstmals in der Saison Rookie Tina Simic im Mittelblock, Neuwied konnte dank Einzelleistungen noch einige Punkte gut machen, verlor aber dann doch mit 16:25. Hatte der Mut den Aufsteiger verlassen?

Es folgte aber die stärkste Phase des Liganeulings: Zur technischen Auszeit lag man erstmals in Führung. Klar erkennbar war die Steigerung in Annahme und Abwehr, was besonders zu einer Steigerung im Angriff führte. Neuwied wurde viel mutiger, konnte jetzt schnell agieren und Rachel Anderson ein ums andere Mal zu erfolgreichen Schnellangriffen in Stellung bringen. Neben der mit viel Übersicht agierenden Maike Henning konnte sie sich hier ihre Nominierung als beste Neuwieder Spielerin erarbeiten, In der Schlussphase des Satzes schließlich verteidigte Neuwied seinen 2-Punkte-Vorsprung, bis ein Servicefehler des USC den Neuwiederinnen den ersten Satzgewinn im Oberhaus bescherte.

Eines der bescheidenen Saisonziele, „Wir wollen versuchen, den einen oder anderen Gegner zu ärgern“ war somit erstmals erreicht. Münster reagierte mit verschärftem Tempo, Neuwied fiel in die erwähnten Fehler zurück und blieb folgerichtig beim 13:25 chancenlos.

Beim Aufsteiger, der in diesem Jahr ohnehin nicht absteigen kann, steht weniger der Tabellenplatz als der Lernfortschritt der jungen Truppe im Vordergrund. Entsprechend gelassen fielen nach 106 Spielminuten die Reaktionen aus.

„Wir dürfen noch verlieren, gab Kapitänin Sarah Kamarah zu Protokoll. Aber wir haben heute unseren ersten Satz gewonnen. Wir hätten die Energie daraus mit in den 4.Satz nehmen müssen, aber wir sind noch ganz am Anfang. Es wird sich noch ergeben, dass wir konstanter spielen und alle Sätze durchziehen können. Die Erfahrungen von heute nehmen wir in einer Woche mit nach Straubing.“

Auch ihr Ausbildungsleiter Dirk Groß äußert sich ähnlich: „Uns fehlt noch die Cleverness und die Erfahrung. Alles, auch die Stimmung in der großen Halle sind noch neu für uns. Viele Sachen haben wir schon sehr gut gemacht, im Aufschlag und in der Annahme. Natürlich haben wir auch ein paar Fehler gemacht, im Angriff sind wir immer noch zu schwach. Das müssen wir in nächster Zeit ändern“, gibt er einen Einblick in den Lehrplan der Woche. „Das ist eine wichtige Baustelle, die wir in den Griff bekommen müssen. Wir haben schon viele unserer kleinen Zwischenziele erreicht und konnten heute unsern ersten Satz gewinnen. Das gibt auch Hoffnung!“