Die Großbäckerei „Die Lohners“ aus Polch bietet eine besondere Ausbildungsmöglichkeit für ältere Mitarbeiter an, die „Senior Ausbildung“

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Das Unternehmen „Die Lohners“ in Polch macht seinen Mitarbeitenden ein besonderes Angebot: Seit 2022 können sie eine sogenannte „Senior Ausbildung" absolvieren. Dabei handelt es sich um eine zweijährige Umschulung zur „Fachverkäuferin bzw. zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk – Schwerpunkt: Bäckerei".

Die Ausbildung richtet sich speziell an Mitarbeiter im Alter ab 25 Jahre, die bisher keine abgeschlossene Ausbildung haben oder seit mindestens vier Jahren nicht mehr in ihrem zunächst erlernten Beruf tätig sind. Voraussetzung ist zudem, dass sie seit mindestens drei Jahren sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt sind.

Ausbildungspartner der „Senior Ausbildung“

1. die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, die die Qualifizierungsoffensive finanziell fördert
2. die 2fach-Offensive Bildung GbR, die Unterstützung bei der Betreuung leistet
3. die Berufsschule Koblenz bei der fachtheoretischen Ausbildung
4. die Handwerkskammer Koblenz, die für überbetriebliche Unterweisungen und die Prüfungsbegleitung zuständig ist

Praxis und Theorie kombiniert

Die Umschulung beginnt jährlich im August oder September und dauert zwei Jahre. Der praktische Teil findet in den Filialen von Lohners statt. Zusätzlich besuchen die Teilnehmer einmal pro Woche die Berufsschule in Koblenz. Dort gibt es eine spezielle "Senior Azubi"-Klasse für die Lohners-Mitarbeiter.

Ein besonderer Vorteil: Die Teilnehmer erhalten während der Ausbildung nicht das übliche Azubi-Gehalt, sondern werden wie reguläre Vollzeit- bzw. Teilzeitkräfte bezahlt.

Nach erfolgreichem Abschluss winken zudem Weiterbildungsprämien von bis zu 1.500 Euro von der Agentur für Arbeit.

Seit 2022 starten jährlich 15 bis 20 Menschen

„Wir freuen uns sehr darüber, dass die Senior-Ausbildung so gut bei unseren Mitarbeitenden angenommen wird und wir so vielen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geben können, einen Berufsabschluss zu erlangen und damit auch ihre Karrierechancen im Unternehmen zu steigern“, sagt die Referentin für Personalentwicklung, Jeanette Kutsche-Bengel. Sie ist die betriebliche Ansprechpartnerin für die Senior-Ausbildung in Polch. Seit Sommer 2022 beginnen jährlich zwischen 15 und 20 Personen die Senior-Ausbildung.

Merkurist hat mit drei Frauen gesprochen, die sich der Weiterqualifizierung gestellt haben. Karin, Elena und Sybille geben Einblicke in die Zeit ihrer „Senior Ausbildung“:

Karin Zalesny (56) – Zwischenprüfung im September 2025

Karin hat in ihrem Berufsleben schon einiges gesehen und erlebt. „Mein Werdegang ist tatsächlich sehr besonders“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Nach dem Abitur zog es sie als Au-Pair zunächst in die USA. Sie hat Sprachen studiert, ehe sie sich für die Familie entschied, als das erste Kind unterwegs war.

Später hat sie 13 Jahre lang als Exportsachbearbeiterin in einer Firma gearbeitet, in der sie nicht zuletzt aufgrund ihrer guten Fremdsprachkenntnisse gefragt war. Bei McDonald‘s war sie Schichtführerin. In einer Physiopraxis mit Fitnessstudio war sie elf Jahre lang am Empfang beschäftigt.

„Ich bin superehrgeizig“, erzählt Karin. „In unserer Ausbildungsgruppe werde ich die Streber-Omi genannt.“ Apropos „Streber-Omi“: Die an Lebensjahren erfahrenste in der Ausbildung ist Karin nicht. „Eine Kollegin aus dem anderen Jahrgang ist sieben Jahre älter als ich“, berichtet sie.

Als Merkurist sie trifft, steckt sie mitten in der Vorbereitung auf ihre Zwischenprüfung bei „Lohners“. Sie ist mittlerweile stellvertretende Filialleitung im Kaffeehaus in Ulmen. Bei der Großbäckerei hatte sie sich 2022 beworben, und im vergangenen Jahr dort ihre „Senior Ausbildung“ begonnen.

Was war ihre Motivation, im Herbst ihres Berufslebens noch mal eine Ausbildung zu beginnen? „Nicht, um noch eine große Karriere zu starten. Ich kann viel besser etwas verkaufen, wenn ich Ahnung davon habe, was ich verkaufe. Mit dem Wissen, was ich hinzugewinne, kann ich den Kunden gegenüber argumentieren“, betont sie. Die Kunden wissen das offenbar zu schätzen. Nicht selten hört Karin, wenn Menschen in den Laden kommen: „Man merkt, wie viel Spaß ihr bei eurer Arbeit habt.“ Und wer freut sich nicht, wenn er zu hören bekommt: „Danke, sie haben mich toll beraten.“

Wenn Karin im Betrieb nach ihren Erfahrungen in der Ausbildung gefragt wird, ist die Antwort eindeutig: „Ich sage jedem, lasst euch auf diese Herausforderung ein, aber stresst euch damit nicht. Dann ist es eine Bereicherung. Ich wünsche mir sehr, dass das Programm der Senior Ausbildung weitergeht.“

Elena Salamatova (48) – Prüfung erfolgreich bestanden 2025

Elena Salamatova strahlt: Sie hat Anfang Juni ihre theoretische und praktische Prüfung der „Senior Ausbildung“ mit Unterstützung ihres Arbeitgebers bestanden. Mit ihrer neun Jahre alten Tochter kam sie im November 2017 nach Deutschland. Elena stammt ursprünglich aus Kasachstan, zog im Alter von 15 Jahren nach Russland. Dort hat sie Ökonomie studiert und sowohl als Verkäuferin als auch als Buchhalterin gearbeitet.

In Mayen, wo auch ihre beiden Schwestern und ihr Bruder zu Hause sind, ist sie 2020 auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. „Die Kinder haben auf einem Spielplatz gespielt“, erinnert sie sich. Die Mutter des Sohnes, mit dem ihre Tochter spielte, arbeitet bei Lohners in Mayen. Mittlerweile sind die beiden Frauen, die sich mit ihren Sprösslingen auf dem Spielplatz kennengelernt haben, Kolleginnen.

Weil ihr Deutsch noch nicht so gut ist, wird sie auf eine Stellenausschreibung besonders aufmerksam. Auf der Internetseite habe das Unternehmen damit geworben, dass keine herkömmlichen Bewerbungsunterlagen nötig seien, erzählt Elena. „Ich habe das Angebot auch deshalb angenommen, um besser die deutsche Sprache zu lernen.“

Drei Jahre später beginnt Elena Salamatova ihre Ausbildung bei der Großbäckerei aus Polch. Ihr Studium aus Russland wurde in Deutschland nicht anerkannt. Weil sie als Kind und Jugendliche in ihrer Familie in Kasachstan aber schon in der Landwirtschaft mitgearbeitet hat, ist ihr in ihrem neuen Job einiges schon geläufig: „Ich habe das alles als Kind schon gesehen, wie die Weizenkörner wachsen, das Getreide in Silos gelagert wird und daraus Mehl gemacht wird.“

Jetzt möchte die spät berufene und ausgebildete Bäckereifachverkäuferin „was ich gelernt habe in die Praxis umsetzen“, wie sie sagt. „Die Atmosphäre untereinander war sehr gut. In der Berufsschule haben wir uns alle gegenseitig geholfen. Ich fühle mich richtig gut, dass ich es geschafft habe“, bilanziert sie ihre zweijährige Ausbildungszeit.

Sybille Schomisch (42) – Fachgeschäftsleitung nach erfolgreich bestandener Prüfung 2025

Sybille steht an diesem Vormittag mit Kolleginnen hinter dem Tresen. Die Bäckereifiliale im Edeka-Markt in Kempenich ist ihr Arbeitsplatz. „Einen Moment bitte“, sagt sie zu den beiden Kunden, die gerade warten müssen.

Erst seit drei Jahren ist die Großbäckerei aus Polch ihr Arbeitgeber. Vor wenigen Wochen hat die junge Frau ihre Senior-Ausbildung erfolgreich abgelegt. Für sie ist es die erste Berufsausbildung im schon fortgeschrittenen Berufsleben.

Ihr Werdegang im Arbeitsleben ist ungewöhnlich. Acht Jahre lang hat Sybille Schomisch selbständig Touren mit Schlittenhunden organisiert und durchgeführt. Als sie später als noch ungelernte Kraft bei ihrer vorherigen Arbeitsstelle arbeitet, schlägt sie einen anderen Weg ein. „Komm‘ doch zu uns“, hat eine Freundin zu mir gesagt, erinnert sie ich mit einem Strahlen im Gesicht.

Das ist gut drei Jahre her. Danach ging es schnell bis zur ausgebildeten Bäckereifachverkäuferin, die nun gleich in die Rolle der Filialleiterin geschlüpft ist. „Meine Kinder waren 12 und 16 Jahre alt, als ich vor zwei Jahren meine Senior-Ausbildung angefangen habe“, sagt sie.

Der Weg zurück auf die Schulbank verlief nicht ohne Probleme: „Es war schon eine Umstellung. Ich brauchte etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen, mich in der Berufsschule zu konzentrieren und still zu sitzen.“

Gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres hat die späte Lehrzeit bei Sybille Spuren hinterlassen. Der wöchentliche Tag in der Schule, zudem jeweils ein Zusatztag pro Monat, innerbetriebliche und die Lehrgänge bei der Handwerkskammer schlauchten manches Mal. „Aber ich habe mir gesagt, da musst du jetzt durch“, stellt sie heute zufrieden fest.