Der September 2025 bietet etwas Besonders. Zum ersten Mal findet vom 21. bis 28.September in der ruandischen Hauptstadt Kigali eine Weltmeisterschaft im Radsport in Afrika statt. Der afrikanische Kontinent hat auch in diesem Sport aufgeholt. 2024 gewann Biniam Girmay aus Eritrea drei Etappen bei der Tour de France, darunter die längste und am Ende trug er das „Grüne Trikot“ des schnellsten Sprinters.

Nürburgring/Kigali |

Die Weltmeisterschaft in Ruanda lässt die Erinnerung an eine Radsport-WM bei uns wach werden. Es ist der 28.August 1966. Vor 59 Jahren. 100 000 Zuschauer pilgern auf den Nürburgring. Der Ring ist voll. Die Straßen sind bis nach Mayen verstopft. Und tausende Radfahrer sind unterwegs. Denn auf dem Ring geht es nicht um die Formel 1, sondern um den Radsport. Die Weltmeisterschaft im Straßenfahren der Profis. 273,72 Kilometer beträgt die Strecke über die legendäre Nordschleife.

Das ist ein Terrain nur für die Besten. Und die Favoriten kommen aus Frankreich mit Jaques Anquetil und Raymond Poulidor , aus Belgien mit dem legendären Eddi Mercks und auch der Engländer Tom Simpson zählt dazu. Jener Simpson, der ein Jahr später bei der Tour de France dem Radsport endgültig seine Unschuld nehmen soll. Auf der 13. Etappe auf den berühmten Mont Ventoux kollabiert der Brite und stirbt. Ein Cocktail aus Amphetaminen und Betäubungsmitteln hat ihm das Leben genommen. Der Radsport hat seinen ersten großen Dopingfall.

Auf dem Nürburgring fasziniert ein Deutscher die Massen. Rudi Altig, 1937 in Mannheim geboren, von seinem Bruder Willi zum Radsport gebracht, gewinnt die Weltmeisterschaft. Er lässt Anquetil und Poulidor hinter sich. Mercks wird nur Zwölfter. Altig ist alles andere als eine Überraschung. Er ist vielfacher Deutscher Meister und kommt eigentlich von der Bahn. 1960 und 1961 wird er Weltmeister im Einer-Verfolgungsfahren. 23 Siege fährt er bei den damals populären Sechstagerennen ein. Viermal fährt er die Tour und gewinnt 8 Etappen und fährt 18 Tage in Gelb. 1966 wird er Zwölfter in der Gesamtwertung. Und bereits 1962 gewinnt er die Spanien-Rundfahrt. 1968 wird er Mailand- San Remo gewinnen und zwei Jahre später das bekannteste deutsche Rennen „Rund um den Henninger Turm“ in Frankfurt.

1966 auf dem Ring ist Rudi Altig auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Weltmeister in Deutschland zu werden und das auf dieser weltweit bekannten Strecke, das macht das Außergewöhnliche aus „ Diese Weltmeisterschaft hat mein Leben verändert. Ich war danach auch über den Radsport hinaus ein geachteter Sportler“, erzählte er.

Dass er viele Jahre später zusammen mit seiner zweiten Frau seinen Wohnsitz in Sinzig finden wird, wo man den Ring fast riechen kann, das konnte der bekannteste Radsportler Deutschlands 1966 noch nicht ahnen. Den Ring hat er danach oft besucht. Einige Male durfte ich ihn begleiten. Wenn er von damals berichtete, dann hatte man das Gefühl, es laufe alles gerade jetzt erst ab. Er kannte die Details jedes Rennens, alle Gegner, die Besonderheiten der Strecke. Auch die Berge, die er eigentlich nicht mochte.

Rudi Altig wurde nach dem Ende seiner Laufbahn Trainer der Radamateure. Der große Erfolg blieb aber aus. Er versuchte sich auch als Manager von mehreren Teams. Auch das lag ihm weniger. Er war eben mehr Sportler als Trainer oder Organisator. Erfolgreicher war er als Co-Kommentator der ARD über viele Jahre bei der Tour de France, in erster Linie an der Seite von Herbert Watterott.

Das Bundesverdienstkreuz hat er erhalten und viele andere Ehrungen. Ende Juli 2o16 war auf dem Ring wieder Radsport angesagt . Auch ein „Rudi- Altig-Rennen“ . Mehr Würdigung für den großen alten Mann des Radsports hatte es nicht geben können.

Rudi Altig hat das Rennen nicht mehr erlebt. Er starb am 11.Juni 2016 in Remagen. Der große, alte Mann des deutschen Radsports war auf eine ganz besonders sympathische Art ein Werbeträger seines Sportes. Er hat vermutlich eine größere Zeit seines Lebens auf dem Sattel als im Bett verbracht. Das Rad war seine große Liebe und ein Leben lang war er die beste Liebeserklärung an diesen Sport.