Als Pink Floyd Aficionados war es Ehrensache, dass wir uns das neue Album von David Gilmour „Luck and Strange“ beschafften und anhörten.

von Friedrich W. Dittmann

Willy, mein Kater, war schon nach dem zweiten Track eingeschlafen und träumt von seinen bestrapsten Katzen. Vielleicht träumte er auch von besseren Zeiten, von „Dark Side oft the Moon“ aus 1973 mit dem gigantischen „Great Gig in the Sky“ oder dem Jahrhundertsolo von Gilmour in „Comfortably numb“ auf dem Album „The Wall“.

Wir sind alle älter geworden. Auch einem David Gilmour gelingt keine Ausnahme. Der Junge ist 78. Anders als die Stones, die noch älter sind und trotzdem ein veritables Rockalbum im letzten Jahr rausbrachten, merkt man Gilmour das Alter an.

Anders als mein großmäuliger Kater bin ich kein Scharfrichter. Das Album ist nicht schlecht und die eingefleischten Floyd-Fans werden es lieben. Zugegeben, neben sehr guten Stücken findet sich Material, das einem Fahrstuhl oder einer Hotelbar gut zu Gesichte stünden. Der Kater hebt im Schlaf ein Auge, murmelt „interessant“, was für ihn der kleine Bruder von Scheiße ist und schläft weiter.

Mein Urteil wäre eher „tiefenentspannt“. Da ist zB das Stück „Scattered“ mit schöner Melodie und einem tollen Solo, das an alte Glanzzeiten erinnert. Da ist mit „The Piper’s Call“ ein guter Song mit tollem Chorus, gesungen zusammen mit Gilmours Tochter Romany. „Between two Points“ und „Yes, I have Ghosts“ sind auch gute Songs in klassischer Gilmour-Manier. Die Texte sind von der Autorin Polly Samson, Gilmours Ehefrau.

David Gilmour und sein kongenialer Mitstreiter bei Pink Floyd Rodger Waters sind heillos zerstritten, wie man es sonst nur bei den Gebrüdern Gallagher von Oasis kennt. Auf der Tour im letzten Jahr konnte man wieder erleben, dass Waters weitaus kreativere Ideen entwickelt als sein ehemaliger Buddy. Das Problem ist, dass Waters ein Honk ist, der mit seinen wirren politischen Vorstellungen nervt. Der wesentlich bodenständigere Gilmour wird wenig damit anfangen können.

Sad but it is true: Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die legendären Mitglieder von Pink Floyd, David Gilmour und Roger Waters, nie mehr beste Freunde werden oder gar zusammenspielen. Der letzte gemeinsame Auftritt war im Juli 2005 beim Live 8 Festival im Londoner Hyde Park. Richard Wright ist 2008 an Krebs gestorben und Nick Mason interessiert sich vorrangig für Rennautos.

Also greifen wir zwei zu dem letzten genialen Album von Roger Waters aus 2017 „Is this the Life we really want“. Das muss reichen.