Die Tage werden kürzer und die Nächte kälter. Es ist früh dunkel. Willy, mein Kater, hat keine Lust mehr auf Ausflüge. Die Vögel in unserer Nachbarschaft haben freien, ungehinderten Flugraum.
Damit dem Fellträger nicht langweilig wird, streiten wir mal wieder über Musik, obwohl wir den gleichen Geschmack haben. Wir mögen es laut und emotional stark. Es geht darum, welches der längste Rocksong der Historie ist. Obwohl der Kater beleidigt ist, dass ich ihm allein altersbedingt deutlich überlegen bin, lässt er sich von mir die Geschichte von In-A-Gadda-Da-Vida erzählen.
Stolze 17:03 Minuten ist das Ding lang und füllt eine ganze Albumseite. Man sieht in ihm die Mutter aller Rocksongs.
1968, der Sommer der Liebe. 1967 war vorüber und die Hippies bereits geschwächt durch den Drogenkonsum, begaben sich vier junge Männer in ein Tonstudio in New York. Vorneweg der Sänger, Keyboarder und Komponist Doug Ingle. Er hatte für seine Band mit dem martialischen Namen ‚Iron Butterfly‘ einen Song mit dem Titel ‚In the Garden of Eden‘ geschrieben.
Obwohl es früh am Morgen war, hatte er bereits einen LSD-Trip „geschmissen“. "Wohin hat er ihn geschmissen?" wollte der Kater wissen. "Nirgendwohin, das hat man damals so gesagt, wenn man das Plättchen mit der synthetischen Droge auf die Zunge legte, um den Drogenkonsum vornehm zu umschreiben." Nun gut, Doug Ingle war so berauscht, dass er nur noch nuschelte. Ron Bushy, der Drummer, hatte seine Kopfhörer auf und fragte Doug: "Wie soll dein Song heißen?". "In-A-Gadda-Da-Vida" klang es in seinen Ohren, wobei historisch nicht belegt ist, ob er auch zugedröhnt war. Jedenfalls behielt der Song den Namen und wurde ein Welthit und Rock-Evergreen.
Wer das Gitarren- und Bass-Riff einmal in seinem Leben gehört hat, wird es nie mehr vergessen, es sei denn, er hat einen Tinnitus. Die sonore Stimme von Doug Ingle ist zwar nicht so schön, aber durchdringend. In der Mitte ein ellenlanges Schlagzeugsolo von Ron Bushy, das erste in der langjährigen Rockhistorie.
Im Grunde genommen ist das Ding recht langatmig und nüchtern kaum bis zu Ende zu hören, eine Aneinanderreihung von zwei Strophen mit gleichem Text am Anfang und Ende und dazwischen endlose Gitarren-, Bass- und Schlagzeugsoli. Aber er hat historische Bedeutung ohne Ende. Gleichwohl wurde das dazugehörende Album über 30 Millionen-fach weltweit verkauft. Es gibt eine Reihe von Coverversionen, u.A. Blind Guardian (2006), Slayer (1987), Boney M (1980) und sogar von James Last.
Der Kater war derweil auf seinem Sofaplatz eingeschlummert.
